Seelenkuss 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 11. Oktober 2011

Seelenkuss

Originaltitel: The Dark Forgotten 3: Unchained
Übersetzt von: Sabine Schilasky

3. Band der Reihe

Untergenre: Liebe & Romantik
Verlag: Knaur
Erschienen: Juni 2011
ISBN: 978-3-426-50884-8
Preis: 12,99 EUR

480 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Ashe Carver ist eine hervorragende Monsterjägerin. Doch nun hat sie ihren Job an den Nagel gehängt, denn sie befindet sich mitten in einem Sorgerechtsstreit um ihre Tochter Eden und muss beweisen, dass sie eine ebenso gute Mutter wie Jägerin sein kann. Deshalb reagiert sie auch zunächst abweisend, als der gut aussehende Reynard sie bittet, ein gestohlenes Objekt für ihn zu finden. Doch die Tage des Unsterblichen sind gezählt, wenn Ashe ihm nicht hilft. Denn Reynard wurde etwas Unersetzliches geraubt ... seine Seele.

Meinung:

In "Seelenkuss", dem dritten Band der Reihe "The Dark Forgotten", steht die Vampirjägerin Ashe Carver im Mittelpunkt. Nachdem sie als Teenager einen egoistischen Zauber ausgesprochen hatte, hat Ashe all ihre Hexenkräfte verloren und den Kontakt zu ihrer kleinen Schwester Holly abgebrochen. Erst vor Kurzem ist die inzwischen verwitwete Kämpferin in ihren Geburtsort Fairview zurückgekehrt, um ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen. Sie will sich mit ihrer Familie versöhnen und ihrer Tochter Eden eine gute Mutter sein - selbst wenn das bedeutet, ihre Arbeit als Jägerin aufzugeben und sich einen langweiligen Job zu suchen.

Doch so leicht ist es für Ashe nicht, ihr Leben zu ändern. Nicht nur, dass ihre Tochter gar nicht begeistert darüber ist, dass sie sich als Teenager auf einmal mit einer fürsorglichen Mutter herumschlagen muss, auch scheint jemand Jagd auf Ashe zu machen. Zusätzlich muss sich die Kämpferin auch noch mit ihren Schwiegereltern um das Sorgerecht für Eden streiten, einen Dämon jagen und dem Wächter Reynard helfen, da dessen Seelengefäß aus einem geheimen Raum in der Festungsdimension (siehe "Vampirdämmerung") gestohlen wurde.

Während Ashe und Reynard die Zeit davonläuft, da der Wächter nicht lange ohne seine Seele überleben kann, kommen sich die beiden näher. Seitdem Ashe den Kämpfer vor einigen Monaten bei der Schlacht um die Festung vor dem Verbluten gerettet hat, besteht eine besondere Bindung zwischen den beiden. Doch als Wächter der Gefängnisdimension kann es sich Reynard nicht erlauben, Gefühle für eine Frau zu entwickeln. Ashe hingegen scheut seit dem Tod ihres Mannes davor zurück, eine neue Beziehung einzugehen.

Den dritten Band ihrer "The Dark Forgotten"-Reihe nutzt Sharon Ashwood nicht nur, um die gravierenden Veränderungen aufzuzeigen, die in der Burg geschehen sind, seitdem der ehemalige Polizist Mac die Führung über die Wächter übernommen hat, sondern auch dafür, die Vergangenheit der unsterblichen Hüter der Gefängnisdimension zu beleuchten. Reynard ist der letzte Wächter, dessen Dienst durch einen alten Ritus an die Festung gebunden ist - und nun bekommt der Leser eine befriedigende Erklärung für diese Tatsache und erfährt mehr über die Entstehung dieses magischen Gefängnisses.

So interessant diese Details sind, sind es doch vor allem die Charaktere, die den Leser faszinieren. Jede der Figuren hat Stärken und Schwächen, die stimmig dargestellt werden und die Charaktere deshalb - trotz aller besonderen oder übernatürlichen Fähigkeiten - realistisch wirken lassen. Ashe zum Beispiel ist stark beeinflusst von der Tatsache, dass es ihr Zauber war, der zum Tod ihrer Eltern geführt hat. So ist sie auf der einen Seite zwar eine starke und unabhängige Kämpferin gegen Vampire, Dämonen und andere gefährliche übernatürliche Wesen, sucht aber auf der anderen Seite unbewusst immer wieder Bestrafung für das, was sie als Teenager getan hat.

Reynard hingegen hat die lange Zeit in der Festung nur deshalb relativ unbeschadet überstanden, weil er sich Tag und Nacht an seine militärische Disziplin und seine Pflicht geklammert hat. Durch den Diebstahl seiner Seelenurne wird zwar das Leben des Wächters bedroht, doch so kann er auch zum ersten Mal seit 260 Jahren die Burg verlassen, alltägliche Freuden wie Sonnenschein und Essen genießen und tiefere Gefühle empfinden. So wird die tödliche Gefahr für ihn auch zu einer Chance, endlich wieder etwas Schönes zu erleben.

Weiter bereichert wird die Geschichte durch diverse Nebenfiguren, die dem Leser zum Großteil schon aus den ersten beiden Romanen bekannt sind. Während der Höllenhund Lor nur einen kleinen Auftritt hat (dafür wird er im kommenden Band "Höllenherz" die Hauptrolle übernehmen), lernt man den Warlord Prinz Miru-kai von einer ganz neuen Seite kennen. War er bislang immer der lästige und skrupellose Strippenzieher im Hintergrund der Festung, bekommt der Elf in "Seelenkuss" fast schon menschliche Züge.

Die gelungene Mischung aus sympathischen Charakteren, amüsanten Situationen, nicht zu schnell durchschaubaren Rätseln, einer ansprechenden Liebesgeschichte und gelungenen Actionszenen macht diesen Roman zwar nicht zu einer innovativen Urban-Fantasy-Geschichte, sorgt aber für gute Unterhaltung und viel Spaß beim Lesen. Angenehm ist auch, dass Sharon Ashwood für ihre Romane sehr unterschiedliche Protagonisten wählt, sodass die Geschichten verschiedene Schwerpunkte und Erzählweisen bekommen, während man durch die diversen Nebenauftritte weiterverfolgen kann, wie es den vorherigen Hauptfiguren ergeht.

Fazit:

Auch mit "Seelenkuss" gelingt es Sharon Ashwood wieder, dem Leser die inzwischen vertraute Mischung aus einer interessanten Urban-Fantasy-Welt, einer unterhaltsamen und spannenden Geschichte und liebenswerten Figuren zu bieten. Während sich zwischen der kämpferischen Ashe und dem jahrhundertealten Wächter Reynard eine vorsichtige Liebesgeschichte entwickelt, müssen sich die beiden ungewöhnlichen Protagonisten so mancher Herausforderung stellen. Dabei kann der Leser Ashe und Reynard Stück für Stück besser kennenlernen, mehr über die aus den früheren Romanen vertrauten Figuren erfahren und viele actionreiche oder amüsante Szene verfolgen. Auch wenn Sharon Ashwood keine besonders innovativen Fantasygeschichten schreibt, wachsen einem ihre Figuren doch schnell ans Herz und die von ihr konzipierten Handlungsstränge sorgen für fesselnde und unterhaltsame Lesestunden.
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