Scary City 1: Das Buch der Schattenflüche 
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 19. November 2011

Scary City 1: Das Buch der Schattenflüche

Reihe: Scary City
1. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Thienemann
Erschienen: August 2011
ISBN: 978-3-522-18262-1
Preis: 9,95 EUR

176 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Irgendwas stimmt hier nicht. Seltsame Dinge gehen in der Stadt vor. Mats ist sich sicher: Das liegt an dieser unheimlichen Gestalt, die ins Zimmer Nummer 13 im Hotel seiner Eltern eingezogen ist. Dann rettet Mats auch noch den Feenmann Tic aus der Spree. Und er erfährt, dass es unter den Straßen von Berlin eine Stadt gibt, von der kein Mensch etwas weiß ...

Meinung:

Mit "Das Buch der Schattenflüche", dem ersten Teil der Scary-City-Reihe, bietet Michael Borlik Urban Fantasy für Kinder ab zehn Jahren. Nach einem Prolog, in dem der Leser die Ermordung eines Buchhändlers miterlebt und der in seinem eher übertriebenen Pathos unfreiwillig an eine John-Sinclair-Geschichte erinnert, beginnt die eigentliche Handlung in dem Berliner Hotel Greifenhall. Dort wohnt Mats gemeinsam mit seinen Eltern, denen das Hotel gehört. Eigentlich ist Mats nur ein ganz normaler Schüler mit einer großen Leidenschaft für Comics und einem Nebenjob im Hotel, um sein Taschengeld aufzubessern. Doch seit einigen Tagen bemerkt der Junge seltsame Dinge in seiner Umgebung - und ihm geht es anscheinend nicht allein so.

Im Hotel vermehren sich die Klagen über unheimliche Geräusche und Schattenerscheinungen in den Spiegeln. Und dann gibt es da noch den rätselhaften Gast in Zimmer 13, den noch kein Mensch im Hotel richtig zu Gesicht bekommen, aber dessen Berührung anscheinend dafür gesorgt hat, dass Mats auf einmal überall in Berlin fantastische Gestalten wahrnehmen kann. Als der Junge mit seiner besten Freundin Lucy über die Vorfälle reden will, reagiert sie erst einmal ungewöhnlich abweisend. Trotzdem zieht Mats sie ins Vertrauen, als er einen "Feary" (sic!) vor dem Ertrinken in der Spree retten kann.

Tic McFly sollte getötet werden, weil er den Mord an dem Buchhändler Konrad beobachtet hatte und dabei erfuhr, dass die Nightscreamer - eine Gruppe böser fantastischer Wesen - einen gewaltigen Schlag gegen die Menschheit planen. Was genau die unheimlichen Gestalten unter der Führung des gruseligen Vlad vorhaben, weiß der Feenmann nicht. Aber den dreien ist bekannt, dass Vlad und seine Schergen für ihr Vorhaben das Buch der Schattenflüche benötigen und deshalb den Buchhändler Arnold angegriffen haben. Um den Nightscreamern das kostbare Buch wieder abzujagen, machen sich Mats und Lucy mit Tics Hilfe auf in die unterirdische Stadt der Schattengänger.

Michael Borlik ist es gelungen, eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Geschichte zu schreiben, die sich auch von nicht so geübten Lesern schnell konsumieren lässt. Angesichts des empfohlenen Lesealters ab zehn Jahren ist es allerdings etwas bedauerlich, dass man während des ganzen Romans nicht einmal das Gefühl hat, dass die Hauptfiguren je in ernsthafte Gefahr geraten. Abgesehen von dem Prolog geht jede kritische Situation so schnell vorbei, dass relativ wenig Nervenkitzel aufkommt, obwohl die verschiedenen fantastischen Figuren schon eine Menge Gruselpotenzial bieten und das Zielpublikum auch alt genug für etwas Spannung wäre.

Stattdessen konzentriert sich der Autor darauf, eine große Facette von Schattengängern zu zeigen. So begegnen Mats und Lucy nicht nur in Berlin, sondern natürlich auch auf ihrer Reise durch die unterirdische Stadt Dhampiren, Werwölfen, Geistern, Dschinns, Zentauren, falschen Göttern, Vampiren, Einhörnern und anderen fantastischen Wesen. Dabei wünscht man sich immer wieder, dass sich die beiden Jugendlichen mehr Zeit nehmen könnten, um die faszinierende Welt unter Berlin intensiver zu erkunden und mehr über die verschiedenen Arten von Schattengängern zu erfahren.

Doch wird wohl gerade dieser Abwechslungsreichtum der Handlung dafür sorgen, dass auch der eine oder andere Lesemuffel sein Vergnügen mit "Das Buch der Schattenflüche" haben wird. Und selbst ängstliche Kinder sollten mit den wenigen unheimlichen Geschehnissen in diesem Roman nicht überfordert werden. So bleibt am Ende der Geschichte die Neugier auf die weiteren Ereignisse im folgenden Band mit dem Titel "Der Wächter des goldenen Schlüssels" und die Freude auf erneute Einblicke in die fantastische Welt innerhalb und unterhalb Berlins.

Fazit:

Auch wenn "Das Buch der Schattenflüche" ein wenig die Spannung vermissen lässt, hat Michael Borlik mit dem ersten Teil der Scary-City-Reihe doch eine unterhaltsame Geschichte für Leser ab zehn Jahren erschaffen. Gemeinsam mit Mats, seiner Freundin Lucy und dem "Feary" Tic kann man eine fantastische Welt entdecken, deren Bewohner sich nicht nur unter die Menschen von Berlin mischen, sondern auch eine ganz eigene riesige Stadt unter der Hauptstadt bevölkern. Auch wenn es stellenweise schön gewesen wäre, wenn der Autor sich mehr Zeit für Beschreibungen und Hintergründe genommen hätte, kann man immerhin davon ausgehen, dass selbst ängstliche Kinder von den Vorgängen in diesem Buch nicht zu sehr erschreckt werden und dafür neugierig den weiteren Abenteuern mit den drei sympathischen Hauptfiguren entgegenfiebern.
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