Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß 2  Redaktionstipp
Comics: Manga Liebe & Romantik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 1. Juli 2011

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß 2

Zeichner: Jiro Taniguchi

Originaltitel: Sensei no kaban
Übersetzt von: John Schmitt-Weigand

2. Band der Reihe

Verlag: Carlsen Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Juli 2011
ISBN: 978-3- 551-75448-6
Preis: 16,00 EUR

232 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.7

Wertung:
8.7
von 10
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Zum Inhalt:

Ein Fläschchen Sake, eine Schale Seegras, Lotuswurzel in Sesamöl ... So eindeutig die Wahl der leiblichen Genüsse am Tresen ihres Stammlokals, so zögerlich ist die persönliche Annäherung der alleinstehenden Tsukiko und ihres ehemaligen Japanischlehrers. Doch nach zunächst nur zufälligen Treffen verabreden sich die beiden zu "Dates": zum Pachinko spielen, zum Besuch einer Ausstellung, zu einem Ausflug ans Meer. Zwischen den scheinbar so unterschiedlichen Charakteren entspinnt sich eine außergewöhnliche Beziehung - teils gebremst durch individuelle Lebensrhythmen, aber auch voller Lust und Neugier aufeinander.

Meinung:

Nachdem der Leser im ersten Band Tsukiko Omachi und ihren ehemaligen Lehrer Harutsuna Matsumoto kennengelernt und ihre langsam wachsende, ungewöhnliche Freundschaft verfolgt hat, wird nun im zweiten und abschließenden Teil deutlich, wie tief die Gefühle der beiden Protagonisten füreinander sind. Die Autorin Hiromi Kawakami erzählt in kleinen, eindringlichen Abschnitten von der langsam erstarkenden Liebe, die Tsukiko für ihren fast doppelt so alten Sensei empfindet, und von ihren Versuchen, diese Liebe zu verleugnen.

Haben beide anfangs nur zueinander gefunden, weil sie die eigene Einsamkeit im anderen entdeckten und die Freude an traditionellen japanischen Gerichten teilten, so haben sie sich bei ihren zufälligen Treffen doch schätzen gelernt. Kurz nach dem gemeinsamen Besuch eines Kirschblütenfestes, bei dem der Sensei einigen ehemaligen Kollegen begegnete und Tsukiko ihren früheren Mitschüler Takashi Kojima wiedergetroffen hat, scheinen sich die Wege der beiden zu trennen. Sogar der Besitzer der Bar, in der sich die beiden immer wieder getroffen haben, wundert sich darüber, dass Tsukiko und ihr Sensei keine Verabredungen mehr haben.

Stattdessen geht Tsukiko mit Takashi aus, in der Hoffnung, dass sie sich mit dem gleichaltrigen Mann wohlfühlen wird. Doch je mehr Zeit die junge Frau mit dem ehemaligen Mitschüler verbringt, desto deutlicher wird ihr, wie fehl am Platz sie in seiner Welt ist. So langsam muss sich Tsukiko ernsthaft der Tatsache stellen, dass sie sich in ihren Sensei verliebt hat. Auch der ehemalige Lehrer scheint mehr als Freundschaft für seine frühere Schülerin zu empfinden - und doch versuchen beide erst einmal, ihre Gefühle zu leugnen. Allein die Tatsache, dass der Sensei fast doppelt so alt ist wie Tsukiko, scheint eine Beziehung schon unmöglich zu machen, und das eigenbrötlerische Wesen der beiden Figuren erschwert ihnen diese Vorstellung ebenfalls.

Hiromi Kawakami lässt sich viel Zeit, um die Liebesgeschichte von Tsukiko und ihrem Sensei zu erzählen, ohne dass der Leser je das Gefühl hat, ein ereignisloses Geplätscher verfolgen zu müssen. Gerade die Konzentration der Autorin auf kleine und scheinbar alltäglich-belanglose Momente sorgt dafür, dass man diese beiden Figuren kennen- und verstehen lernt. So berührt einen das Schicksal dieses ungewöhnlichen Liebespaares zutiefst und man leidet mit den beiden, während sie versuchen, mit der gegenseitigen Anziehung fertig zu werden und einen Weg zu finden, weiterhin Freunde zu bleiben.

Doch vor allem die wunderschönen Zeichnungen von Jiro Taniguchi lassen diese feine Liebesgeschichte so eindringlich auf den Betrachter wirken. Der Mangaka hat keine merklichen Veränderungen an der Romanvorlage für seine Umsetzung vorgenommen. Doch durch seine Betonung von Details sorgt er dafür, dass die von Hiromi Kawakami beschriebenen Szenen und Gesten an Intensität gewinnen. Auch wird in vielen seiner Bilder deutlich, wie viele Gedanken sich der Zeichner über die Figuren gemacht hat.

Ein Zwiegespräch zwischen Jiro Taniguchi und Hiromi Kawakami am Ende des Bandes zeigt dies noch einmal ganz klar - und so ist es kein Wunder, dass es ihm gelingt, mit seiner Tsukiko überzeugend den Zwiespalt zwischen der arbeitenden, erwachsenen Frau und dem Gefühl von Hilflosigkeit darzustellen. Auch seine Figur des Sensei spiegelt wunderbar die teils väterlichen, teils freundschaftlichen Gefühle des alten Mannes für seine ehemalige Schülerin, ebenso wie die aufkeimenden tieferen Empfindungen und die damit einhergehenden Ängste. Diese beiden Bände sind nicht nur für Mangaleser sehr ansprechend, denn die sehr realistischen Zeichnungen von Jiro Taniguchi und die wunderschön erzählte Liebesgeschichte sorgen dafür, dass diese Umsetzung auch ganz wunderbar für Leser geeignet ist, die sich sonst eher selten an japanische Zeichnungen herantrauen.

Fazit:

Auch der zweite Teil von "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" kann durch eine intensive und wundervoll atmosphärische Geschichte überzeugen. Es gelingt Jiro Taniguchi durch seine Zeichnungen, die besonderen Momente des gleichnamigen Romans von Hiromi Kawakami zu betonen und die beiden Hauptfiguren noch detaillierter auszuarbeiten, als es die Autorin getan hat. Kleine Gesten und eine eindrucksvolle Mimik lassen den Leser mitfühlen, während Tsukiko versucht, die aufkeimenden Gefühle für ihren ehemaligen Lehrer zu unterdrücken und Zuflucht bei einem gleichaltrigen Mann zu finden. Aber auch die Figur des Senseis ist dem Mangaka wunderbar überzeugend gelungen, sodass man seinen Zwiespalt und seine Ängste nachvollziehen kann. Detaillierte Darstellungen der Umgebung runden diese eindrucksvolle zeichnerische Umsetzung einer ungewöhnlichen und leisen Liebesgeschichte ab und machen "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" nicht nur für Mangaliebhaber zu einem durchgehend reizvollen Werk.
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