Scherbenmond 
Bücher: Belletristik Liebe & Romantik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 29. November 2011

Scherbenmond

2. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: script5
Erschienen: Januar 2011
ISBN: 978-3-8390-0122-6
Preis: 19,95 EUR

686 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.3

Wertung:
5.3
von 10
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Zum Inhalt:

Längst ist der Sommer vergangen, der Elisabeth Sturm die Augen öffnete für die gefährliche Welt der Mahre, der Sommer, in dem sie sich in einen von ihnen verliebte. Seit Monaten ist Colin nun verschwunden und Ellie quält sich durch einen nicht enden wollenden Winter. Die Tage tröpfeln gleichförmig vor sich hin, in den Nächten dagegen wird Ellie von Albträumen heimgesucht, die sie verstört zurücklassen. Um auf andere Gedanken zu kommen, quartiert Ellie sich bei ihrem Bruder in Hamburg ein. Doch sie erkennt Paul kaum wieder: Er wirkt erschöpft und gehetzt und scheint etwas vor ihr zu verbergen. Je mehr sie in Pauls Welt eintaucht, desto deutlicher überkommt Ellie ein Gefühl der Bedrohung und plötzlich weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Sie ahnt nicht, dass ihre Sorge um Paul und ihre Liebe zu Colin sie tiefer verletzen könnten als der abgründigste Traum ...

Meinung:

Nachdem Bettina Belitz in "Splitterherz" geschildert hat, wie Elisabeth (Ellie) Sturm sich in den Nachtmahr Colin verliebte, führt die Autorin mit "Scherbenmond" die Geschichte um die beiden weiter. Einige Monate sind vergangen, seitdem Ellie und Colin sich nach dem Angriff der Mahrin Tessa trennen mussten und in all der Zeit hat das Mädchen von dem Geliebten nichts gehört. Stattdessen liegt nun ein langer und harter Winter hinter Ellie. Krankheiten haben den kleinen Ort im Westerwald heimgesucht und auch die Schülerin hatte es schwer erwischt. Außerdem hat sich ihr Vater vor vier Monaten auf den Weg nach Italien gemacht und seitdem gab es kein einziges Lebenszeichen von ihm. Schließlich beschließen Ellie und ihre Mutter, den Umschlag zu öffnen, den der Vater für den Notfall auf seinem Schreibtisch hinterlassen hat. In diesem Schreiben bittet er Elisabeth darum, dass sie nach Hamburg zu ihrem Bruder Paul fährt und dafür sorgt, dass dieser wieder Kontakt zu seiner Familie findet.

So macht sich Ellie zwischen ihren schriftlichen und mündlichen Abiturprüfungen mit dem väterlichen Wagen auf den Weg vom Westerwald in die Großstadt und nistet sich bei ihrem großen Bruder ein. Paul ist davon weniger erfreut, hat sein Leben in den vergangenen Jahren doch einige entscheidende Wendungen genommen, von denen seine Familie bislang noch nichts erfahren hat. So hat Ellies großer Bruder nicht nur einen Job in einer Galerie angenommen und sein Medizinstudium abgebrochen, sondern auch eine Beziehung mit dem Galeristen angefangen, obwohl er bislang ausschließlich mit Frauen zusammen gewesen war. Vor allem erschüttert es Ellie zu sehen, dass ihr Bruder gesundheitlich extrem angeschlagen ist und sich benimmt, als sei er depressiv. Gemeinsam mit Tillmann, der sich kurz darauf ebenfalls bei Paul einquartiert, und der Journalistin Gianna versucht Ellie, mehr über den Grund von Pauls Wesensveränderung herauszufinden.

Für den Leser hat sich Ellie seit "Splitterherz" sehr verändert. War das Mädchen im vergangenen Sommer noch sehr selbstmitleidig und antriebslos, agiert es jetzt deutlich tatkräftiger und aggressiver. Sympathischer macht Ellie das aber nicht, da man sich die Hälfte des Buches über fragt, warum sie jetzt schon wieder ausrastet, auf diejenigen losgeht, die ihr zur Seite stehen, und mit Dingen um sich wirft. Die Entwicklung von Tillmann hingegen macht ihn - auf den ersten Blick - deutlich angenehmer. Nach dem Angriff der Mahrin Tessa hat der Junge sehr viel durchmachen müssen. So hat er sich durch Tessas Gift nicht nur äußerlich auffallend verändert, wobei er größer und attraktiver wurde, sondern er kämpft innerlich jeden Tag gegen die Erinnerungen und den Einfluss der Mahrin auf seine Persönlichkeit. Wie schon früher sucht Tillmann dabei Zuflucht in Musik sowie den Riten von Naturvölkern und versucht neuerdings auch, über Drogen mit seiner Situation fertigzuwerden.

Haben im ersten Band die schönen Beschreibungen des Westerwalds den Leser immer wieder über die gemächliche Handlungsentwicklung hinweggetragen, glänzt Bettina Belitz in "Scherbenmond" nur noch selten durch die atmosphärische Beschreibung der Umgebung. Einen Großteil des Buches über beschleicht einen das Gefühl, dass die Autorin selbst nicht so recht wusste, wie die Geschichte nach Aufbau der Grundsituation weitergehen soll, und so wechselt der Schauplatz ständig zwischen dem Westerwald, der Hamburger Speicherstadt, Sylt und der Vogelinsel Trischen, während Ellie versucht, ihre Aggressionen, ihre Angst um den Bruder und ihre Gefühle für Colin in den Griff zu bekommen.

Erst im letzten Viertel des Buches bestätigt sich für Ellie und ihre Freunde ein Verdacht, den der Leser schon seit Langem hegt, und nun können die vier einen Plan schmieden, um Paul zu retten. Und so kommt es in den abschließenden Kapiteln - so wie schon im ersten Band - zu rasanten und sehr bildhaften Szenen, die so spannend geschrieben sind, dass man auch den einen oder anderen eher unlogischen Ablauf verzeihen kann. Auch wenn dies nicht ganz über die großteils unsympathische Darstellung von Ellie, das ganze Hin und Her in der Handlung und das Gefühlschaos zwischen dem Mädchen und Colin hinwegtrösten kann, macht der Schluss des Romans den Leser dann doch wieder neugierig auf den abschließenden Teil der Trilogie rund um Ellie und Colin.

Fazit:

Leider vermittelt Bettina Belitz mit "Scherbenmond", dem zweiten Band rund um das Mädchen Ellie und den Nachtmahr Collin, dem Leser das Gefühl, als ob sie sich beim Schreiben selbst nicht so recht sicher war, in welche Richtung sich die Geschichte weiterentwickeln soll. Auch wird einem Ellie in dieser Fortsetzung nicht sympathischer, da das Mädchen ständig mit Aggressionen zu kämpfen hat. Dabei hätte die Handlung rund um Ellies Bruder Paul, dessen extreme Wesensveränderung Ellie und ihre Freunde beunruhigt, einige Möglichkeiten geboten. So allerdings hetzt der Leser gemeinsam mit Ellie vom Westerwald über Hamburg und Sylt nach Trischen und wieder zurück und fragt sich die Hälfte der Zeit über, welchen Sinn die verschiedenen Szenen haben sollen. Letztlich ist es vor allem den verschiedenen liebenswerten Nebenfiguren und der rasanteren Entwicklung im letzten Viertel zu verdanken, dass man als Leser auch weiterhin auf den weiteren Verlauf der Geschichte neugierig bleibt.
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