Die Frau im grünen Kleid 
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Geschrieben von Jana Witte   
Samstag, 24. September 2011

Die Frau im grünen Kleid

Originaltitel: Claude and Camille
Übersetzt von: Susanne Aeckerle

Untergenre: Biografischer Roman
Verlag: Droemer
Erschienen: Oktober 2010
ISBN: 978-3-426-19870-4
Preis: 18,00 EUR

416 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.9

Wertung:
7.9
von 10
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Zum Inhalt:

Dämmerung setzt ein, als der Schein einer Schaufensterlampe den jungen, noch unbekannten Maler Claude Monet in eine Pariser Buchhandlung lockt. Dort lernt er Camille Doncieux, ein Mädchen aus reichem Hause, kennen und verfällt vom ersten Augenblick an ihrer Schönheit. Um ihre Liebe leben zu können, müssen sich die beiden gegen alle gesellschaftlichen Konventionen durchsetzen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass ihr Glück vielmehr von Monets maßloser Leidenschaft zur Malerei überschattet wird ...

Meinung:

Nachdem sich Stephanie Cowell zuletzt mit ihrem Buch "Welche Wonne, dich zu finden" dem Musiker Wolfgang Amadeus Mozart widmete, beschäftigte sie sich nun mit dem Leben des Impressionisten Claude Monet. Anlass sei, wie die Autorin in einem Nachwort schreibt, der Besuch der Ausstellung "Der Ursprung des Impressionismus" in New York gewesen. Als Leser ihres Romans "Die Frau im grünen Kleid" darf man dankbar für den Besuch dieser Ausstellung sein, denn Stephanie Cowell nimmt den Leser mit auf eine interessante Reise durch Monets Leben.

Die Rahmenhandlung des Romans spielt von 1908 bis 1909 in Giverny, wo Monet seinen Lebensabend mit dem Malen einer Serie von Seerosenbildern verbringt. Jede Seerose lässt ihn an seine Ehefrau, Muse und häufiges Modell Camille denken. Trotz ihres jahrelangen Zusammenlebens quälen ihn Zweifel, die Camilles noch lebende Schwester aufklären soll. Aber die Korrespondenz gestaltet sich schwierig, macht sie den Maler doch für den frühen Tod Camilles verantwortlich.

Während Claude Monet auf Antwort wartet, verliert er sich in der Vergangenheit. So erinnert er sich zum Beispiel an Eugène Boudin, der ihm riet, neben Karikaturen auch Landschaften zu malen. Gefangen von dem Bestreben, das sich ändernde Licht und die Essenz der Motive einzufangen, beginnt Monat seinen Stil zu entwickeln. Statt im Geschäft seines Vaters zu arbeiten, geht er nach Paris und trifft dort in der Kunstschule auf Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley und Frédéric Bazille. Dieser Pfad führt Monet auch zu Camille, die ihm erstmals in einem grünen Kleid Modell steht und später seine Geliebte wird.

Stephanie Cowell erzählt in klarer Sprache, schön übersetzt von Susanne Aeckerle, von Monets Leidenschaft für die Malerei und Camille. Wie schwierig es war, diese Liebe und Kreativität auszuleben - nicht nur für Monet, sondern auch für Camille und ihre Künstlerfreunde -, wird von der Autorin in stimmigen Bildern vermittelt. So schildert sie temperamentvolle Ausbrüche aus Frustration und Zweifel, das liebevolle Miteinander und die Inspiration durch Camille. Thematisiert werden auch das Leben am Existenzminimum Monets und der Impressionisten sowie die Kompromisse, die geschlossen werden mussten. Schließlich begann Monets kommerzieller Erfolg erst Ende des 19. Jahrhunderts und die Bedeutung seiner Kunst wurde erst später erkannt und gewürdigt.

Besonders plastisch und ausdruckstark gelingt Stephanie Cowell die Beschreibung von Monets Wahrnehmungen und von landschaftlichen Motiven. Mit feinem Blick für das Detail geht die Autorin auf wechselnde Lichtspiele auf dem Wasser, sich verändernde Farben und Schattierungen und vorherrschende Geräusche und Gerüche ein. In dieser gekonnt geschaffenen Umgebung erlebt der Leser mit Claude Monet den Hafen von Le Havre, riecht den Farbverdünner im Atelier oder betrachtet sein Modell beim Picknick.

Unaufdringlich vermischt die Autorin Fakten mit fiktiven Elementen und zeichnet so ein lebendiges Bild von Monets Leben. Dabei liegt Stephanie Cowells Schwerpunkt auf Claude Monets Leben in Frankreich, aber auch die Aufenthalte in Algerien, London und den Niederlanden werden nicht vergessen.

Fazit:

Erneut widmet sich die Autorin Stephanie Cowell in einem historischen Roman einem Künstler. In "Die Frau im grünen Kleid" entsteht vor den Augen des Lesers Claude Monets Leben und Schaffen. Dabei richtet die Autorin das Augenmerk stärker auf die Liebe und Leidenschaft des Künstlers für die Malerei und zu Camille, die für Monet künstlerisch sowohl hemmend als auch inspirierend war. So öffnet Stephanie Cowell dem Leser ihrer Romanbiografie eine Tür in die Welt Claude Monets und des Impressionismus, die er leicht durchschreiten kann.
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