Julie und die schwarzen Schafe 
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Heike Bellas   
Sonntag, 31. Oktober 2010

Julie und die schwarzen Schafe

2. Band der Reihe

Verlag: Arena
Erschienen: Juni 2010
ISBN: 978-3-401-06449-9
Preis: 13,95 EUR

301 Seiten
Inhalt
10.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
9.9

Wertung:
9.9
von 10
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Zum Inhalt:

Julies Leben ist eine Achterbahnfahrt. Mit ihrer großen Liebe aus Versehen in einem japanischen Sexfilm zu landen, diese Peinlichkeit kann sie ja gerade noch ausbügeln. Aber dann ist Ben davon überzeugt, dass Julie die perfekte neue Leadsängerin in seiner Band abgeben würde! Was er nicht ahnt: Seine Freundin kann nicht mal "Alle meine Entchen" singen. Höchste Zeit also für einen Original-Julie-Plan, garantiert ohne Tücken und Fallstricke. Doch wer Julie kennt, weiß, dass damit die Achterbahnfahrt der Höhe- und Tiefpunkte erst richtig anfängt.

Meinung:

Ein dreiviertel Jahr ist vergangen, seitdem Julie ihr letztes Tagebuch vollgeschrieben hat. Die ganze Zeit hatte sie keinen Grund, ein neues zu beginnen, denn in ihrem Leben läuft alles super - sie ist immernoch mit Ben zusammen, hat wunderbare Freunde und daheim läuft auch alles gut. Doch dann kommt Julie in die siebte Klasse und ihre Mutter ist im Diätwahn. Zeit, um einem neuen Tagebuch ihr Leid zu klagen. Doch wenn Julie denkt, dass Kohlrabi auf Chikoree-Blättern zum Abendessen ihr größtes Problem ist, dann irrt sie sich gewaltig. Denn Ben findet es eine geniale Idee, dass Julie doch Frontfrau seiner Band werden könnte und ignoriert dabei dezent, dass Julie weder singen kann, noch gerne auf der Bühne steht. Also muss Julie sich etwas ausdenken - und das geht gewaltig in die Hose.

Im zweiten Band der Reihe um Julies Tagebücher geht es vordergründig darum, wieso es wichtig ist, einfach ehrlich zu sein, auch wenn das heißt, jemanden zu enttäuschen, den man lieb hat. Doch wie schon im ersten Band wird dem Leser diese Lektion nicht platt aufs Auge gedrückt, sondern in einem wunderbar lustigen Plot versteckt. Nachdem Julie mit ihrem Schwarm Ben zusammengekommen ist und Scharina, um die sie sich in "Julie und Schneewittchen" so bemüht hat, ihre beste Freundin wurde, scheint für sie nichts mehr schief gehen zu können. Doch als Ben wegen seiner Band ihren gemeinsamen Italienurlaub absagt, tischt Julie ihm eine haarsträubende Geschichte auf, wieso sie selbst hätte abblasen müssen, um nicht als sitzengelassene Freundin dazustehen. Das ist nur die erste Lüge von vielen. Denn Ben hat zur Entschädigung die Idee, dass Julie ja in seiner Band einsteigen könne. Dafür müsse sie nur ein Vorsingen gewinnen. Julie kann aber gar nicht singen und überhaupt soll sie mit ihrem Vater mit einem Boot in den Urlaub fahren. Auch hier versucht sich Julie aus der Misere zu lügen. Erst als Scharina Tacheles mit Julie redet und ihr klar macht, dass sie nur lügt, um es allen Recht zu machen und dass das so nicht funktioniert, merkt die Dreizehnjährige, dass sie auf dem falschen Weg ist. Aber da ist die Katastrophe schon im vollen Gange.

Dabei ist Julie auch in ihren Tiefphasen noch schreiend lustig. Da Julie nicht Nein sagen kann, nimmt sie ihren Vater mit ins Kino, als sie eigentlich nur mit Ben verabredet war. Als ihr Film ausverkauft ist, besteht ihr Vater daraufhin, in einen Film namens "Herr der Liebe" zu gehen, den er für eine preisgekrönte Jugendbuchverfilmung hält. Doch stattdessen landen sie in einem japanischen Pornofilm. Es ist urkomisch, zu lesen, wie es Julie und Ben langsam dämmert und wie sie reagieren. Doch auch die Auseinandersetzung mit dem Glatzkopf, der den Film ernsthaft sehen wollte und stattdessen körperlich mit allen dreien aneinander gerät, zieht einen Rattenschwanz nach sich - leider.

Julie ist eine typische Dreizehnjährige, die ihre Fehler macht, mit ihren Eltern streitet, Liebeskummer hat, etc. Und an all dem lässt sie den Leser durch ihr Tagebuch teilhaben. Man hat das Gefühl, man würde mit einem tatsächlich existierenden Menschen reden, der einem von seinen letzten lustigen Abenteuern oder seinen aktuellen Sorgen berichtet. Da die Geschichte so humorvoll erzählt wird und Julie so ein sympathischer Charakter ist, dem man nur wünscht, dass sich alles wieder zum Guten wendet, möchte man das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen.

Die Optik von "Julie und die schwarzen Schafe" entspricht der seines Vorgängers. Es wird viel mit kleinen Skizze und Kritzeleien gearbeitet, mit veränderter Schriftgröße oder mit scheinbar handgeschriebenen Passagen. Manche Seiten sind vom Weinen verschmiert. Der Umschlag ist mit Bildern bemalt, die thematisch zum Inhalt passen. So ist die Gestaltung des Buches mal wieder sehr liebevoll ausgefallen.

Fazit:

"Julie und die schwarzen Schafe" ist der zweite Band zu Julies Tagebüchern von Franca Düwel. Mit Julie hat die Autorin eine liebenswerte und lustige Protagonistin geschaffen, die es schafft, mit ihren Abenteuern den Lesern Lebensweisheiten nahe zu bringen, ohne sie zu offensichtlich zu machen. Zu der wunderbaren Geschichte kommt noch die liebevolle Buchgestaltung sowohl auf dem Umschlag als auch innerhalb des Buches, die den Inhalt ausschmücken oder unterstreichen.
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