Ti amo heißt Ich liebe dich 
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 9. November 2010

Ti amo heißt Ich liebe dich

Originaltitel: Meno male che ci sei
Übersetzt von: Christiane Winkler

Verlag: Knaur
Erschienen: Mai 2010
ISBN: 978-3-426-65219-0
Preis: 12,95 EUR

336 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Die 17-jährige Allegra hat eigentlich alles, was es zum Glücklichsein braucht: Sie ist hübsch, intelligent und rettungslos verliebt. In den Jungen aus der Parallelklasse. Den mit dem schönsten Lächeln der Welt. Doch bevor Allegras Liebesgeschichte so richtig beginnen kann, wird ihre Welt durch einen Schicksalsschlag erschüttert: Ihre Eltern sterben bei einem Autounfall, sie muss das Zuhause räumen und in die muffige Wohnung der Großeltern ziehen. Dabei fällt ihr der Laptop ihres Vaters in die Hände und sie findet seitenlange E-Mails einer gewissen Luisa - seiner Geliebten! Allegra will die 35-jährige unbedingt kennenlernen. Als die beiden sich begegnen, ist dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ...

Meinung:

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass "Ti amo heißt Ich liebe dich" von Maria Daniela Raineri ein Jugendbuch wäre, denn ein Großteil der Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der siebzehnjährigen Allegra erzählt. Doch dieser Roman beinhaltet mehr als nur die Suche des Mädchens nach Liebe und Geborgenheit. Hier wird auch von Luisa erzählt, die mit Mitte Dreißig genauso auf der Suche nach dem richtigen Weg zum Glück zu sein scheint, wie es Allegra ist.

Beider Leben wird von einem Autounfall durcheinandergewirbelt: Allegra verliert ihre Eltern und Luisa ihren Geliebten, mit dem sie sich eine wundervolle Zukunft ausgemalt hatte. Schon vor dem Unfall hatte es Allegra nicht leicht, da beide Elternteile Besseres zu tun hatten, als ihre Tochter zu unterstützen. Während Allegras Mutter von ihrem Aussehen besessen war und ein Leben voller Schönheitsoperationen, Sport und Diätwahn führte, konnte ihr Vater an keinem Rockzipfel vorbeigehen.

Doch leichter wird es für Allegra nicht nach dem Tod ihrer Eltern. Sie ist gezwungen, bei ihren Großeltern zu leben, wo sie auf einem Klappsofa im Wohnzimmer schlafen muss. Freunde hat das Mädchen nicht, mit denen es den Verlust der Eltern bewältigen könnte, und auch sonst fühlt es sich recht alleingelassen. Umso faszinierter ist Allegra, als sie im Laptop ihres Vaters E-Mails seiner Geliebten findet. Schließlich beschließt Allegra, dass sie eine der Frauen wirklich gern kennenlernen würde, und sucht Luisa auf.

Dabei sorgt ein glücklicher Zufall dafür, dass das Mädchen und die Frau schnell miteinander ins Gespräch kommen. Und so ist es bald Luisa, die Allegra durch die Höhen und Tiefen der ersten großen Liebe hilft, während das Mädchen dafür sorgt, dass sich die neue Freundin nicht mehr in dem Kummer um ihren Geliebten vergräbt und wieder offen auf Menschen zugeht. Doch auch gemeinsam wird es für Allegra und Luisa nicht einfach, mit den großen und kleinen Veränderungen in ihrem Leben fertig zu werden.

"Ti amo heißt Ich liebe dich" ist in einer einfachen und flüssig zu lesenden Sprache gehalten, die einen beinah darüber hinwegsehen lässt, wie viele Facetten die Geschichte hat. Man erlebt als Leser Allegras gespaltenes Verhältnis zu ihren Eltern, ihre Liebe zu dem intellektuellen Gabriele, ihre Angst davor, für den Angehimmelten zu wenig gebildet zu sein, und all ihre alltäglichen Unsicherheiten hautnah mit. Dabei kann man zwar nicht immer jeden Schritt von Allegra verstehen und wünscht sich oft, dass das Mädchen etwas weniger emotional handeln würde, hat aber stets das Gefühl, dass es aus seiner Sicht heraus stimmig agiert. So ist es ihrer Unsicherheit zu verdanken, dass sich Allegras negative Erwartungen immer wieder erfüllen, sie Dummheiten macht und dann das Gefühl hat, wieder im Stich gelassen zu werden.

Auch Luisa ist kein einfacher Charakter, den man bedingungslos ins Herz schließen kann. Sie ist zwar eine liebenswerte Figur, die zusammen mit ihren beiden besten Freundinnen für so manche amüsante Szene gut ist, aber ihre Naivität bringt einen so manches Mal dazu, dass man sie am liebsten wachrütteln und ihr sagen würde, sie solle endlich erwachsen werden. Luisa glaubt an die große Liebe, ist vertrauensselig und versucht trotz des Chaos in ihrem eigenen Leben, Allegra Halt zu geben und ihr zur Seite zu stehen.

Mit der Liebesgeschichte von Allegra und Gabriele, der Freundschaft zwischen Allegra und Luisa und ihrer beider Versuche, mit ihrer Trauer fertig zu werden, sowie den unterschiedlichen Lebenssituationen von Luisa und ihren beiden Freundinnen Barbara und Silvia bekommt der Leser sehr viele kleine und große Geschichten in dieser Handlung präsentiert. Obwohl dieser Roman eher dahinplätschernd anfängt, bietet "Ti amo heißt Ich liebe dich" sehr viele amüsante, traurige und nachdenkliche Momente, die im Leser noch eine Weile nachklingen. Und am Ende bedarf es eines dramatischen Ereignisses, damit sich das Leben für Allegra und Luisa so verändert, dass man das Gefühl hat, dass diese beiden Frauen eine gute Zukunft vor sich haben.

Fazit:

Mit "Ti amo heißt Ich liebe dich" bekommt der Leser gleich zwei Geschichten in die Hand. Auf der einen Seite erzählt Maria Daniela Raineri in ihrem Roman von der siebzehnjährigen Allegra, die nach dem Tod ihrer Eltern versucht, ein normales Leben zu führen und glücklich zu werden, auf der anderen Seite kann man verfolgen, wie sehr sich der Alltag der 35-jährigen Luisa verändert, als sie sich mit Allegra anfreundet. So ist es der Autorin neben so manchem dramatischen Ereignis in diesem Buch auch gelungen, eine unterhaltsame Handlung zu präsentieren, die den Leser immer wieder nachdenklich innehalten lässt.
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