Biomega 4 
Comics: Manga Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Manuel Tants   
Sonntag, 29. August 2010

Biomega 4

Autor: Tsutomu Nihei
Zeichner: Tsutomu Nihei

Originaltitel: Biomega Vol. 4
Übersetzt von: Costa Caspary

Reihe: Biomega
4. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Oktober 2009
ISBN: 978-3-7704-7105-8
Preis: 6,50 EUR

192 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.3

Wertung:
8.3
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Der Virus, den die DRF zum Zwecke einer "Erneuerung der Menschheit" vom Mars eingeführt hat, brachte eine Katastrophe mit sich. Die "Dronisierung" hat sich auf der gesamten Oberfläche der Erde ausgebreitet, und wer nicht gestorben ist, wurde vom N5S-Virus infiziert. Dem synthetischen Humanoiden Zoichi gelingt es, die an den Virus angepasste Ion Green aus ihrem Gefängnis zu befreien. Der Konflikt zwischen Nyaldee und General Narein eskaliert. Nyaldee, die die Oberhand gewinnt, verfolgt den Erneuerungsplan weiter und setzt das Antiphasen-Abbildungspolymer frei, das die Dronen als Katalysatoren nutzt. Es breitet sich explosionsartig aus und alles auf der Erde wird umkodiert. Dies geschieht nach den Wünschen des Wirtes, aber nur, wenn die Pollen der einzig angepassten Person, Ion Green, das Polymer bestäuben! Und wieder ist Ion Mittelpunkt der Krise ...

Meinung:

Der vierte Band des Science-Fiction-Manga "Biomega" setzt nahtlos dort ein, wo das dritte Taschenbuch endete: Nyaldees DRF-Truppen greifen General Narein und das "Amt für offentliche Hygiene" an, da Narein sich gegen den Einsatz des Antiphasen-Abbildungspolymers ausgesprochen hat, durch das die gesamte Welt "umkodiert" (d.h. vernichtet und in völlig neuer Form wiedererschaffen) werden würde. Zwar kann Nyaldee zwischenzeitlich nicht verhindern, dass General Narein einen neuen Wirtskörper erhält, dennoch wird schnell deutlich, dass sie über beinahe grenzenlose Macht verfügt und ihre unmenschlichen Pläne kaum noch aufzuhalten sind.

Kanoe Zoichi und Nishu Mizunoe, die vermutlich letzten noch lebenden Mitarbeiter der Toha Industries, müssen gemeinsam mit der just befreiten Ion Green sowie der undurchsichtigen Kardal, die offenbar ebenfalls Ion schützen will, fliehen. Während die Toha-Agenten mit Nyaldee im Nacken auf ihren KI-gesteuerten Motorrädern die Verankerungsvorrichtung eines gewaltigen, im Orbit befindlichen Satelliten hinaufrasen, beginnt tatsächlich die Umkodierung der Erde. Es fragt sich nur, wer letztendlich in der Lage war, den entscheidenden Einfluss auf diesen globalen Umwandlungsprozess auszuüben ...

Ohne an dieser Stelle allzu viel zu verraten: Durch die Umkodierung der Erde ändert sich die Welt von "Biomega" in der Tat grundlegend, denn zumindest in dem Areal, in dem Kanoe Zoichi und seine KI-Begleiterin Fuyu sich wiederfinden, ist nichts mehr wie zuvor. Dieser Eingriff wirkt beinahe wie ein Neustart der Serie unter stark veränderten Voraussetzungen und es ist für den Leser ungemein spannend, zusammen mit Zoichi die Mysterien dieser neu erschaffenen Welt zu erkunden. Der einschneidende Wandel macht sich auch beim Erzähltempo bemerkbar, denn nach der atemlosen Flucht vor Nyaldee, die die erste Hälfte des vierten "Biomega"-Bandes dominiert, wirkt der zweite Abschnitt deutlich ruhiger, wenngleich Tsutomu Nihei es sich auch hier nicht nehmen lässt, vereinzelte Action-Sequenzen einzustreuen.

Denn gerade die rasante Umsetzung von schnellen Handlungspassagen gelingt Tsutomu Nihei wie keinem zweiten Mangaka. Dabei kombiniert er dramatische Perspektiven mit detailreichen, stimmungsvollen Hintergrundmotiven, die den atemberaubenden Maßstab des Geschehens verdeutlichen. Dadurch entstehen mitunter geradezu bombastische Momente, mit dem selbst aktuelle Hollywood-Blockbuster kaum mithalten können. Niheis Werke gleiten jedoch nie ins Lächerliche ab, denn selbst Szenen, die bei nüchterner Betrachtung vielleicht übertrieben wirken könnten, werden derart stimmig in die verfallende Welt voller gigantischer Betonkomplexe und bizarrer Synthetikwesen integriert, dass ein durch und durch stimmiges Gesamtbild entsteht.

Zum konstanten Ärgernis wird hingegen das weiterhin schlampige deutsche Lektorat, das "Biomega" bei EMA erfährt. Bei mit falscher Schreibung eingeführten Begriffen, die dem speziellen Glossar dieser Serie entstammen (z.B. "Dronen" oder "Widererneuerung"), hält man inzwischen möglicherweise aus Konsistenzgründen an den "etablierten" Fehlern fest. Die neu auftretenden Rechtschreibirrtümer oder die häufig fehlerhafte Kommasetzung lassen sich jedoch nicht so leicht entschuldigen und hemmen den Lesefluss mitunter erheblich. Glücklicherweise bleibt wenigstens die Druckqualität nach dem etwas schwächeren ersten Band konsequent tadellos; die zahlreichen Schwarzflächen erscheinen ebenso fehlerfrei wie feinere Elemente.

Fazit:

Nach der furiosen Flucht vor Nyaldee, die einmal mehr vor überbordender Action im unnachahmlichen Nihei-Stil strotzt, verläuft die zweite Hälfte des vierten Bandes von "Biomega" deutlich ruhiger. Dennoch kommt die Spannung keineswegs zu kurz, denn die "umkodierte" Welt, in der sich Kanoe Zoichi und Fuyu wiederfinden, birgt viele spannende Geheimnisse, die auf ihre Entdeckung warten. Tsutomu Niheis Werk überzeugt auch in diesen deutlich ruhigeren Passagen mit seiner dichten Atmosphäre und der einzigartigen Cyberpunk-Optik, die dem Leser selbst die bizarrsten Wesen und gigantischsten Bauwerke glaubhaft zu machen vermag.
Weiterführende Infos