Böser Engel 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 19. Juli 2010

Böser Engel

Originaltitel: Evil?
Übersetzt von: Nicole Friedrich

Verlag: Knaur
Erschienen: Juni 2010
ISBN: 978-3-426-50698-1
Preis: 8,95 EUR

272 Seiten
Inhalt
7.0
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Zum Inhalt:

Es ist nicht leicht, ein Außenseiter zu sein - aber Stuart bleibt als einzigem schwulen Teenager in einer streng religiösen Kleinstadt wenig anderes übrig. Immerhin ahnt das bibelfeste Volk nicht, dass Stuart einem ungewöhnlichen Hobby nachgeht: Er beschwört regelmäßig einen kleinen, übellaunigen Dämon, um ihn über Gott und die Welt auszufragen. Das geht so lange gut, bis eines Tages ein Engel in der Stadt auftaucht ...

Meinung:

Schon mit "Dämonenhunger" hat Timothy Carter bewiesen, dass er über einen ungewöhnlichen Humor verfügt und es versteht, sehr unterhaltsame Geschichten zu erzählen. Mit Stuart hat der Autor eine erfrischende Hauptfigur für seinen Roman geschaffen. Der Junge ist fünfzehn Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern in einer streng religiösen amerikanischen Gemeinde. Doch trotz der überaus bigotten Ansichten seines Umfelds hat der Teenager nicht darunter zu leiden, dass er sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt.

Das führt schon gleich zu Beginn der Geschichte zu einigen recht amüsanten Szenen, in denen die Mitglieder der Kirchengemeinde solche unchristlichen sexuellen Begierden allgemein verdammen - und sich im gleichen Atemzug bei Stuart für ihre Ausdrucksweise entschuldigen. Dabei wären seine Nachbarn gewiss weniger tolerant, wenn sie wüssten, dass der Junge jeden Sonntag nach dem Kirchgang einen Dämonen beschwört, um mit ihm über all die Dinge zu reden, von denen er wissen will, ob sie wirklich wahr sind. So ist sich Stuart auch sicher, dass Gott weder ein Problem damit hätte, dass der Junge schwul ist, noch damit, dass er sich regelmäßig selbst befriedigt.

Doch trotzdem bekommt der Teenager deutlichen Ärger, als ihn sein kleiner Bruder bei dieser intimen Handlung überrascht und gleich der Mutter erzählt, was er gesehen hat. Aber nicht nur seine Familie hat mit Stuarts Selbstbefriedigung ein Problem, sondern die ganze Kirchengemeinde regt sich unverhältnismäßig darüber auf und bildet kurz darauf sogar einen Lynchmob, um den Jungen zu bestrafen. Erst der herbeigerufene Dämon Fon Pyre klärt Stuart - und die anderen betroffenen Jugendlichen, die sich ihm angeschlossen haben - darüber auf, dass nur die Anwesenheit eines gefallenen Engels für die überzogene Reaktion der gesamten Gemeinde verantwortlich sein kann.

Wer mit bitterbösem (allerdings oft sehr treffendem) Humor oder gar dem offenen Umgang mit dem Thema Selbstbefriedigung seine Probleme hat, sollte die Finger von "Böser Engel" lassen, ebenso wie diejenigen, die es unangenehm finden, ständig von Gewalt- oder gar Folterandrohungen gegen die Hauptfigur zu lesen. Alle anderen Leser erwartet mit diesem Roman eine bissige und überaus amüsante Abrechnung mit den extremsten religiösen Auswüchsen der amerikanischen Gesellschaft.

Timothy Carter spielt mit seiner Geschichte nicht nur auf das extreme Verhalten einiger religiöser Personengruppen an, sondern geht auch kritisch mit dem Thema Bibelinterpretationen und Massenwahn um. Bei all den ernsthaften Hintergründen ist "Böser Engel" flüssig zu lesen, da Timothy Carter sich einer lockeren und leicht zu lesenden Sprache bedient. Auch seine Figuren sind sehr sympathisch, vor allem Stuart, der auf eine angenehm natürliche Weise mit seiner Neigung zum gleichen Geschlecht und den Reaktionen seiner Nachbarn darauf umgeht. Ebenso wächst dem Leser der kleine boshafte Dämon Fon Pyre - mit seiner widerspenstigen Art und seinem ganz eigenen Ehrenkodex - schnell ans Herz.

Bei einer so gelungen konzipierten Geschichte voller rasanter Szenen, amüsanter Einfälle und überraschender Wendungen bleibt dem Leser nach dem viel zu schnellen Ende des Romans nur die Hoffnung, dass es vielleicht irgendwann einmal eine Fortsetzung mit Stuart geben wird. Auf jeden Fall hat Timothy Carter das Ende so gestaltet, dass weitere Abenteuer mit dem Teenager möglich wären, auch wenn leider noch keine weitere Veröffentlichung des Autors angekündigt ist.

Fazit:

Auch mit "Böser Engel" liefert Timothy Carter wieder eine überaus leicht zu lesende Geschichte, die von schwarzem Humor nur so strotzt. Die Handlung rund um den schwulen Stuart, der in einer extrem religiösen Gemeinde lebt und in seiner Freizeit Dämonen beschwört, bietet dem Autor zahlreiche Möglichkeiten, mit der Bigotterie einer engstirnigen gläubigen Gesellschaft abzurechnen - und den Leser dabei überaus gut zu unterhalten. Allerdings sollten Menschen, die ein Problem mit Gewaltandrohungen oder dem Thema Selbstbefriedigung haben, doch lieber zu einem anderen Roman greifen.
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