Die Sturmkönige 1: Dschinnland 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 9. September 2010

Die Sturmkönige 1: Dschinnland

1. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: April 2010
ISBN: 978-3-404-16426-4
Preis: 9,99 EUR

432 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Am Tag seiner Geburt trug ihn sein Vater auf einem fliegenden Teppich hinauf in den Himmel - Tarik al-Jamal, der beste Schmuggler auf den Himmelsrouten des Orients. Keiner reitet einen Teppich wie er - bis er draußen im Dschinnland, den tödlichen Wüsten zwischen Samarkand und Bagdad, seine große Liebe Maryam verliert. Gebrochen und einsam verdingt sich Tarik bei illegalen Teppichrennen. Doch dann will sein jüngerer Bruder Junis die mysteriöse Sabatea durchs Dschinnland nach Bagdad bringen. Tarik fürchtet um ihr Leben - und stellt sich einmal mehr den Geistern seiner Vergangenheit. Eine mörderische Jagd durch die Wüste beginnt, eine Odyssee auf fliegenden Teppichen, mitten in den Krieg zwischen Dschinnen und Sturmkönigen ...

Meinung:

Obwohl man bei Kai Meyers fantastischen Trilogien eher erwartet, dass sich die Geschichte an Jugendliche richtet, beginnt "Dschinnland" nicht nur mit einem rasanten Rennen auf einem fliegenden Teppich, sondern auch mit einer eher wenig romantischen Sexszene. Ebenso lässt die dargestellte Gewalt, die in den folgenden Kapiteln immer wieder zum Tragen kommt, den Verdacht aufkommen, dass der Autor beim Schreiben dieses Romans eher ein älteres Publikum in Sinn hatte.

Die beengte Welt, in der Tarik al-Jamal lebt, liegt innerhalb der Mauern von Samarkand, doch früher hat der junge Mann sich häufig auf die verbotene Reise durch die Wüste gewagt. Auf seinem fliegenden Teppich schmuggelte er Waren von Bagdad nach Samarkand, immer auf der Hut vor der Obrigkeit und den übernatürlichen Gefahren, die auf seinem Weg lauerten. Doch als ihn seine Liebste Maryam dazu überredete, mit ihr zusammen nach Bagdad zu fliehen, geschah ein schreckliches Unglück und Tarik kehrte allein nach Samarkand zurück.

Nun fristet er sein Leben mit den Preisen, die er bei illegalen Teppichrennen gewinnt, und versucht, mit Alkohol und Huren die Erinnerungen zum Schweigen zu bringen. Doch nicht nur Maryam hatte der junge Schmuggler an diesem verhängnisvollen Tag verloren, sondern auch den Respekt und die Zuneigung seines jüngeren Bruders Junis. Erst als Tarik erfährt, dass Junis sich zusammen mit der mysteriösen Sabatea auf die Reise durch die Wüste machen will, sucht er wieder den Kontakt zu seinem Bruder. Er ist sich sicher, dass dieser die Gefahren der Wüste unterschätzt, und will nicht riskieren, dass er nach Maryam noch einen weiteren geliebten Menschen verliert.

Denn nicht ohne Grund werden die Bewohner von Samarkand regelrecht hinter den Mauern der Stadt gefangen gehalten. Seit vor vielen Jahren ein Ausbruch der wilden Magie durch die Wüste tobte, haben die Dschinne die Herrschaft über die Ödnis übernommen. Doch nicht nur diese unheimlichen und mächtigen Wesen stellen bei der Durchquerung der Wüste eine Gefahr dar, auch andere unnatürliche Geschöpfe, die für den Menschen tödlich sein können, lauern dort.

Wie schon in früheren Büchern gelingt es Kai Meyer, aus bekannten Sagenelementen und eigenen Einfällen einen reizvollen Hintergrund für eine Geschichte zu entwerfen. Seine orientalische Welt ist weniger ein märchenhafter Traum als eine gefährliche und menschenfeindliche Umgebung, in der die Hauptfiguren jeden Moment um ihr Leben bangen müssen. So strotzt der Auftakt der "Sturmkönige"-Trilogie vor fantastischen Elementen wie den unheimlichen Dschinnen oder Wesen, die Erinnerungen fressen, aber auch so zauberhaft anmutende Geschöpfe wie die Elfenbeinpferde finden ihren Platz in Kai Meyers magischer Welt.

Während rasante Teppichrennen und spannende Kämpfe gegen die verschiedenen übermächtigen Geschöpfe den Leser in Atem halten, schwingt doch immer ein leises Bedauern mit, weil die verschiedenen Charaktere zwar interessant, aber nicht so sympathisch gestaltet wurden, dass man mit ihnen mitfühlt. Tarik ist ein desillusionierter Gauner, sein Bruder Junis erinnert eher an einen ungestümen Trotzkopf und die geheimnisvolle Sabatea nutzt ihre weiblichen Reize, um die beiden Männer gegeneinander auszuspielen und ihren Willen durchzusetzen. Keiner von ihnen wächst einem so sehr ans Herz, dass einen das Schicksal der Einzelnen wirklich berührt.

Auch fragt man sich im Laufe des Romans, welches Zielpublikum der Autor beim Schreiben vor Augen hatte. Während für jüngere Leser die Gewaltdarstellungen und die Sexszene zu Beginn von "Dschinnland" zu viel sein dürften, wird ein Erwachsener die wenig tiefgründige Charakterisierung der Figuren beklagen. Doch das sind auch die größten Kritikpunkt an diesem Buch, das ansonsten dank der temporeichen Kämpfe, rasanten Teppichrennen und der fantastischen Einfällen von Kai Meyer wirklich zu unterhalten weiß. Und der Cliffhanger am Ende der Geschichte lässt den Leser neugierig auf den folgenden Band "Wunschkrieg" warten.

Fazit:

Obwohl der Auftakt von Kai Meyers "Die Sturmkönige"-Trilogie nicht in allen Punkten überzeugen kann, bietet "Dschinnland" dem Leser spannende und unterhaltsame Lesestunden. Der Autor entwickelte für diese Geschichte auf der Basis der orientalischen Sagenwelt eine eher düstere fantastische Umgebung, die den passenden Hintergrund für rasante Rennen auf fliegenden Teppichen und lebensgefährliche Auseinandersetzungen mit Dschinnen und anderen unnatürlichen Wesen bilden. Leider gelingt es ihm dabei nicht, seine Hauptfiguren, den Schmuggler Tarik, seinen jüngeren Bruder Junis und die geheimnisvolle Sabatea, so vielschichtig auszuarbeiten, dass diese Charaktere dem Leser ans Herz wachsen. Trotzdem sorgt die flüssige Erzählweise zusammen mit den interessanten und ungewöhnlichen Einfällen des Autors dafür, dass man sich beim Lesen von "Dschinnland" gut unterhalten fühlt.
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