Ein Toter kommt selten allein 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 6. Juni 2010

Ein Toter kommt selten allein

Originaltitel: The Body on the Beach
Übersetzt von: Renate Weitbrecht

Reihe: Fethering
1. Band der Reihe

Verlag: Knaur
Erschienen: Februar 2009
ISBN: 978-3-426-63950-4
Preis: 7,95 EUR

368 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Nichts stört für gewöhnlich die Ruhe des englischen Küstenstädtchens Fethering. Doch dieser Sommer ist anders: Die bärbeißige Pensionärin Carole findet eine Leiche am Strand und als die Polizei sich endlich bequemt, die Ermittlungen aufzunehmen, ist der Tote wieder verschwunden. Einzig und allein ihre extravagante neue Nachbarin Jude schenkt Carole Glauben - da beschließen die beiden Frauen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen ...

Meinung:

Nach "Mord im Museum" (Band 4 der Fethering-Reihe) und "Der Tote im Hotel" (Band 5) bringt der Knaur-Verlag mit "Ein Toter kommt selten allein" den ersten Band von Simon Brett rund um die beiden Hobbydetektivinnen Carole Seddon und Jude Nichols auf Deutsch heraus. Selbst für den Leser, der die anderen beiden Romane schon kennt, ist es sehr schön, das Kennenlernen dieser beiden ungewöhnlichen Frauen zu verfolgen. Dabei beginnt die Geschichte für Carole alles andere als angenehm, denn als die Frühpensionärin wie jeden Morgen mit ihrem Hund am Strand entlangläuft, stolpert sie über eine Leiche.

Doch der Tote ist nicht einer der unglücklichen Selbstmörder, die regelmäßig von den Gezeiten an den Strand von Fethering gespült werden, oder gar einem Unfall auf See zum Opfer gefallen. Carole kann ganz deutlich Messerschnitte am Hals des Mannes erkennen, die darauf schließen lassen, dass er ermordet wurde. Doch als die Polizei den Strand untersucht, kann sie keine Leiche finden. Stattdessen keimt in den Polizisten der Verdacht auf, dass Carole eine hysterische ältere Dame auf der Suche nach ein wenig Aufmerksamkeit ist. Einzig ihre neue Nachbarin Jude schenkt ihr Glauben, was zu einer ungewöhnlichen Freundschaft und gemeinsamen Ermittlungen führt.

Zusammen mit Carole und Jude steckt der Leser seine Nase in die verschiedenen Ecken der beschaulichen Ortschaft Fethering und muss dabei schnell feststellen, dass hinter den ehrbaren Fassaden so manches Unglück haust. Während der Yachtclub auf der Suche nach ein paar fehlgebuchten Mitgliedsbeiträgen ist, herrscht in Caroles Nachbarschaft ein erbitterter Kleinkrieg zwischen zwei Ehepaaren. Doch auch jugendliche Kleinkriminelle und ein dem Alkohol zugetaner Zahnarzt fallen den beiden ungewöhnlichen Ermittlerinnen ins Auge.

In "Ein Toter kommt selten allein" sind die einzelnen Handlungsstränge für den Leser recht schnell durchschaubar und bieten eher wenige Überraschungen, doch dafür versteht es Simon Brett sehr gut, durch seine Beschreibung von Fethering und den Bewohnern dieses Ortes zu unterhalten. Der Autor nimmt die Spießbürgerlichkeit der kleinen Gemeinde aufs Korn und zeigt vor allem am Beispiel von Carole, wie viele ungeschriebene Regeln man in Fethering beachten muss, um nicht von den anerkannten Bürgern ausgeschlossen zu werden.

Jude hingegen bildet den notwendigen Kontrast zu der steifen und überkorrekten Carole. Die gerade erst nach Fethering gezogene Frau lebt nach ihren ganz eigenen Maßstäben und selbst wenn sie sich all der ungeschriebenen Gesetze bewusst wäre, würde sich Jude gewiss nicht daran halten. Und ebenso wie Carole fragt sich der Leser ständig, was die ungewöhnliche Frau wohl beruflich macht, wie sie sich das Haus an der Küste leisten kann und was sie in der Vergangenheit wohl erlebt hat.

Aus dem Kontrast zwischen Jude und Carole ergeben sich viele humorvolle Szenen, ebenso wie durch die Beschreibungen der sehr von sich eingenommenen Bewohner dieses Küstenorts. So ist Simon Brett mit "Ein Toter kommt selten allein" zwar kein hochspannendes Meisterwerk, aber eine überaus unterhaltsame und sehr britische Geschichte gelungen, die den Leser für einige gemütliche Stunden in ein Städtchen entführt, das aus einem modernen Agatha-Christie-Roman stammen könnte. Und wer die anderen beiden beim Knaur-Verlag erschienenen Titel des Autors noch nicht kennt, wird nach dieser Geschichte bestimmt gern auch zu den weiteren gemeinsamen Abenteuern von Carole und Jude greifen.

Fazit:

Mit "Ein Toter kommt selten allein" bekommt der Leser endlich den Auftakt von Simon Bretts Serie rund um die beiden ungewöhnlichen Hobbydetektivinnen Carole Seddon und Jude Nichols präsentiert. Vor allem der Kontrast zwischen der überkorrekten Carole und der eher legeren Jude reizt den Leser immer wieder zum Schmunzeln. Die humorvolle Erzählweise von Simon Brett, die liebenswerten Charaktere und der Ort Fethering, der fast aus einem Agatha-Christie-Roman entsprungen sein könnte, sorgen für unterhaltsame Lesestunden.
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