Nijura - Das Erbe der Elfenkrone 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 15. Juni 2010

Nijura - Das Erbe der Elfenkrone

Verlag: cbt
Erschienen: September 2009
ISBN: 978-3-570-30589-8
Preis: 7,00 EUR

512 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Als die magische Krone der Elfen einem machtbesessenen Menschen in die Hände fällt, steht alles auf dem Spiel: das Fortbestehen des Elfenvolkes genauso wie das Gleichgewicht der Welt. Alle Hoffnungen ruhen auf der jungen Halbelfe Nill. Sie ist die Auserwählte - sie ist Nijura.

Meinung:

Wer nach der Inhaltsangabe erwartet, dass Jenny-Mai Nuyens Geschichte "Nijura - Das Erbe der Elfenkrone" gleich mit den Erlebnissen der Halbelfe Nill beginnt, wird von dem Anfang dieses fantastischen Jugendromans vielleicht erst einmal irritiert sein. Nach einem Prolog, in dem der Leser den Tag beschrieben bekommt, an dem ein listiger Mensch die magische Halbkrone der Moorelfen in seinen Besitzt nimmt, wird man erst einmal in die Kesselstadt geführt.

Dort leben Menschen und Elfen zusammen, doch es ist keine Stadt des Friedens und der Freundschaft, sondern ein Ort der Verstoßenen und die Wirkstätte von Hehlern, Dieben, Betrügern und Meuchlern. Auf den Straßen dieser Stadt kämpfen der Dieb Scapa und seine Freundin Arane um ihr Überleben. Sie führen die Straßenkinder an, die beschlossen haben, Vio Torron, den obersten Schurken, zu stürzen, um die Macht in der Stadt zu übernehmen.

Scapa und Arane sind sich bewusst, dass dieser Kampf sie und ihre Freunde das Leben kosten kann, aber ein Sieg würde für sie mehr Sicherheit und vor allem Wohlstand bedeuten. Doch kurz nachdem die Straßenkinder ihren Kampf begonnen haben, tauchen die Grauen Krieger in der Stadt auf. Schnell verbreitet sich die Kunde, dass diese bewaffneten Moorelfen einem neuen, erbarmungslosen König dienen, der fest entschlossen ist, die Gebiete der Menschen ebenfalls unter seine Herrschaft zu bringen.

Drei Jahre später findet die Halbelfe Nill im Wald einen seltsamen Dorn aus Stein, der von der Seherin des Dorfes schnell als die Halbkrone der freien Elfen identifiziert wird, welche sich in die einzige Waffe verwandelt hatte, die in der Lage wäre, den unrechtmäßigen König der Moorelfen zu töten. Nill bekommt den Auftrag, den Dorn zum Usurpator zu bringen, um für ihr Dorf die Gunst dieses Mannes zu erlangen. Auf ihrem Weg trifft das Mädchen auf eine Gruppe freier Elfen, die ihr Geleitschutz bieten - und doch ganz eigene Gründe haben, die Moorelfen aufzusuchen.

Zwei Dinge springen dem Leser von Anfang an ins Auge: Jenny-Mai Nuyen hat es nicht geschafft, eine eigene, stimmige Fantasywelt aufzubauen, und auch die verschiedenen Charaktere sind in der Fantasyliteratur altvertraute Figuren. Man darf in dieser Geschichte die Gesellschaft nicht hinterfragen, sich keine Gedanken über die Infrastruktur machen oder andere Dinge kritisch betrachten, die eine überzeugende fiktive Welt ausmachen. Auch der Dieb, der sich auf den Straßen einer verkommenen Stadt durchschlagen muss, die Halbelfe, die von ihrer elfischen Mutter verstoßen bei den Menschen aufwächst, und der Elfenprinz, dessen Vorstellungen von Kampf und Ehre seine Gefährten immer wieder in Gefahr bringt, sind beim besten Willen keine unverbrauchten Charaktere für Fantasygeschichten.

Doch es gelingt Jenny-Mai Nuyen, den Leser all diese Klischees und unstimmigen Details durch ihre gefällige Schreibweise und ihre interessante Ausarbeitung der verschiedenen Personen vergessen zu lassen. Sie entwirft vielschichtige Figuren, die zwischen Gefühl und Verstand hin- und hergerissen werden und sich mit den verschiedensten Problemen auseinandersetzen müssen. Dabei lässt die Autorin sogar bei einigen wichtigen Charakteren wie zum Beispiel Arane die Motivation völlig offen, was dazu führt, dass der Leser sich seine eigenen Gedanken zu den Hintergründen dieser Personen machen wird.

Und obwohl der bittersüße Schluss für all diejenigen vorhersehbar war, die die Geschichte aufmerksam gelesen haben, bietet das Ende auch ein wenig Hoffnung für diejenigen, die den Kampf gegen den unrechtmäßigen Herrscher der Elfen antraten. So zieht einen "Nijura" deutlich mehr in seinen Bann als vergleichbare Fantasyromane, in denen die Charaktere weniger überzeugend ausgearbeitet wurden, und sorgt dafür, dass die Abenteuer von Scapa, Arane und Nill einem einige wirklich schöne Lesestunden bieten. Diese dürften auch nicht durch die deutlich vorhandene Gewalt in der Geschichte getrübt werden, da die Autorin diese in einem durchaus vertretbaren Rahmen für das angestrebte Zielpublikum ab zwölf Jahren hält.

Fazit:

Von Anfang an fallen dem kritischen Leser von "Nijura - Das Erbe der Elfenkrone" einige Punkte ins Auge, die in einem überzeugenden Fantasyroman besser gelöst sein sollten. Sowohl die Ausarbeitung der fantastischen Welt als auch die Wahl der sehr klischeebehafteten Figuren kann man Jenny-Mai Nuyen zum Vorwurf machen. Doch die klare und schön lesbare Sprache der Autorin und ihre tiefschichtige Darstellung der verschiedenen Charaktere lassen einen schnell über diese Mängel hinwegsehen und die spannende Geschichte von Nill, Scapa und Arane fasziniert verfolgen.
Weiterführende Infos
Leseprobe