Paradox - Mein Geheimnis 2 
Comics: Manga Horror & Mystery
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 13. Juni 2010

Paradox - Mein Geheimnis 2

Autor: Nao Hatoya
Zeichner: Nao Hatoya

Originaltitel: Toaru soragoto, bokuno himitsu Vol. 2
Übersetzt von: Monika Hammond

2. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-7704-7099-0
Preis: 6,00 EUR

192 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.3

Wertung:
8.3
von 10
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Zum Inhalt:

Shota Sezaki besucht die zweite Oberstufe und hat ein Problem mit Menschen. Mit seiner Fähigkeit, das wahre Wesen, das sogenannte Paradox, anderer zu sehen, rettet er auch diesmal wieder die gequälten Herzen einiger Schulkollegen.

Meinung:

Mit "Paradox - Mein Geheimnis" erzählt Nao Hatoya in drei Bänden von Shota Sezaki und seiner ungewöhnlichen Fähigkeit, das "Paradox", die eigentliche Persönlichkeit, eines Menschen sehen zu können. Nachdem der Schüler im ersten Teil dieser Manga-Trilogie gelernt hat, dass es ihm möglich ist, sich mit seinem eigenen Paradox zu verbinden, wenn er einem Menschen wirklich helfen will, setzt er nun seine Gabe häufiger und bewusster ein.

Dabei steht ihm inzwischen nicht nur sein bester Freund Yuiichi Mashita bei, der als einziger Mensch in Shotas Umkreis kein Paradox besitzt, sondern auch die Klassenkameraden, denen der Junge schon hat helfen können. Inzwischen gehören der sportliche Keisuke Hashimoto und der eher feminine Satoshi Yuki zu Shotas Freundeskreis. Ihnen gelingt es, hinter die Fassade des eher abweisenden Schülers zu schauen und seine fürsorgliche Seite zu erkennen.

Im ersten Kapitel muss sich Shota um Rika Adachi und Kanako Okuno kümmern. Die beiden Schülerinnen sind Nachbarinnen und haben schon als kleine Mädchen miteinander gespielt. Doch während Rika hübsch und überaus beliebt ist, steht die intelligente Kanako im Schatten ihrer Freundin. Einzig mit ihren guten Schulnoten erweckt sie die Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler, aber auch den Neid derjenigen, die nicht so erfolgreich in der Schule sind. Und so kommt es zu einigen wirklich unschönen Attacken auf Kanako, in die auch Rika verwickelt ist.

Doch auch Yuiichis großer Bruder Hirotsugu benötigt Shotas Hilfe. Der junge Mann kümmert sich seit dem Tod ihrer Mutter um Yuiichi und wird doch innerlich von Selbstzweifeln zerfressen. Vor allem beschäftigt es ihn, ob er sich auch richtig um seinen kleinen Bruder kümmert und ob dieser wirklich so glücklich ist, wie er zu sein scheint. In diesen Szenen erfährt der Leser deutlich mehr über den heiteren und ausgeglichenen Yuiichi und seine Freundschaft zu Shota, was dazu führt, dass man die beiden Figuren nur noch mehr ins Herz schließt.

Die letzten beiden Geschichten stellen Shota vor eine wirkliche Herausforderung: Einmal bekommt er es mit einem neuen Mitschüler zu tun, der zwar auf den ersten Blick ungemein liebenswürdig wirkt, aber alles dafür tut, um die Freundschaft zwischen Shota, Yuiichi, Keisuke und Satochi zu zerstören. Shota und seine Freunde ahnen schnell, dass hinter Kotaro Makis Verhalten mehr steckt als nur ein boshaftes Wesen, und doch gelingt es ihm, die Freundschaft der vier empfindlich zu stören.

Dabei benötigt Shota alle Hilfe, die er von seinen Freunden bekommen kann, als er entdeckt, dass das Paradox des allseits beliebten Atsushi Sudo verletzt wurde. Immer komplizierter werden die Probleme, mit denen sich Shota beschäftigen muss, und sie fordern immer wieder neue Herangehensweisen von ihm. Nur wenn er sich mit seinem eigenen Paradox verbindet, kann er den Menschen in seiner Umgebung helfen. Doch vor allem die Tatsache, dass es etwas gibt, das das innere Wesen eines Menschen so verletzen kann, wie es bei Atsushi geschehen ist, verspricht für den dritten und letzten Band der Reihe wieder eine spannende und mitreißende Geschichte.

Nao Hatoya benutzt die Idee rund um Shota, der das Paradox der Menschen sehen kann, um immer wieder von Neuem berührende Einzelgeschichten zu erzählen. Dabei ist es zweitrangig, ob es um die wahre Freundschaft zwischen zwei Menschen geht, um die Ängste, die einen beherrschen können, oder um Druck, der von außen entsteht. Auch die Tatsache, dass einige inhaltliche Wendungen etwas überzogen wirken oder auf die japanische Kultur zurückzuführen - und deshalb für deutsche Leser nicht immer ganz nachzuvollziehen - sind, spielt eigentlich keine Rolle, denn die verschiedenen Charaktere werden so liebevoll dargestellt, dass sie einem schnell sympathisch werden und man an ihrem Schicksal interessiert ist. Ausgeglichen werden all die eher ernsthaften Szenen durch den immer wieder aufflackernden Humor, den Nao Hatoya vor allem in den Momenten durchblitzen lässt, in denen es um das Verhältnis zwischen Shota und seinen Freunden geht.

Zeichnerisch knüpft der zweite "Paradox"-Band an die gute Qualität des ersten Teils an. Nao Hatoyas Charaktere haben angenehm individuelle Züge, der Bildaufbau ist dynamisch gehalten und passt - ebenso wie Gestik und Mimik der Figuren - hervorragend zu der jeweiligen Stimmung der dargestellten Szenen. Umso bedauerlicher ist es, dass auch bei diesem Manga wieder einige Sprechblasen fast im Schnitt verschwinden und nur problemlos zu lesen wären, wenn man die Bindung des Taschenbuchs bräche.

Fazit:

Auch mit dem zweiten Band von "Paradox - Mein Geheimnis" bietet Nao Hatoya dem Leser wieder eine faszinierende Geschichte, die in sehr gelungenen Zeichnungen präsentiert wird. Der Schüler Shota lernt immer mehr mit seiner Fähigkeit, das Paradox eines Menschen zu sehen, umzugehen, während die Probleme, mit denen er dadurch konfrontiert wird, immer größer werden. So kann man spannende, bewegende und amüsante Momente mit dem Jungen und seinen Freunden erleben, während die vier vor immer größeren Herausforderungen stehen. Doch vor allem eine am Ende dieses Manga neu eingeführte Figur verspricht eine aufregende Entwicklung für den bald erscheinenden Abschlussband der Reihe.
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