Elfenseele 2: Zwischen den Nebeln 
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 7. September 2010

Elfenseele 2: Zwischen den Nebeln

Originaltitel: Thirteen Curses
Übersetzt von: Martin Baresch

Reihe: Elfenseele
2. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Loewe
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-7855-6730-2
Preis: 17,90 EUR

544 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Endlich ist es Red gelungen, einen Weg ins Elfenreich zu finden. Sie will ihren Bruder James befreien, der als Baby von Feen entführt wurde. Auf ihrem Weg zum Königshof der Elfen begegnen ihr Gefahren, wie sie sie in ihren schlimmsten Albträumen nicht gesehen hat, doch sie findet auch Verbündete, wo sie sie am wenigsten vermutet. Aber James' Freiheit hat ihren Preis: Red lässt sich auf einen Handel mit dem König der Elfen ein, der sie das Leben kosten könnte. Gemeinsam mit ihren Freunden Tanya und Fabian macht sie sich in der Menschenwelt auf eine gefährliche Suche. Sie ahnt nicht, dass der König ihr eine Falle gestellt hat, der sie nicht entrinnen kann.

Meinung:

Nach "Elfenseele - Hinter dem Augenblick" ist "Zwischen den Nebeln" der zweite Band von Michelle Harrison, in dem die Autorin eine ganz eigene Geschichte erzählt, in der sie alte britische Sagen und Märchen aufgreift. Während im ersten Roman Tanya die Hauptfigur war, steht nun Rowan Fox, genannt Red, im Mittelpunkt des Geschehens. Das Mädchen ist dem Leser schon aus "Hinter dem Augenblick" bekannt, wo es Tanya gegen Ende des Buches im Kampf gegen die Elfen half. Doch auch wer den ersten Elfenseele-Band nicht gelesen hat, wird schnell in die Handlung hineinfinden, obwohl einige Stellen leichter zu verstehen sind, wenn man über das nötige Vorwissen verfügt.

Vor über einem Jahr verstarben Reds Eltern bei einem Autounfall und nur sie und ihr kleiner Bruder James überlebten diese Tragödie. Während die Geschwister übergangsweise in einem Waisenhaus leben müssen, fällt Red auf, dass es in dem Bereich für Kleinkinder zu erschreckenden Vorfällen kommt. Schon seit seiner Geburt kann das Mädchen übernatürliche Wesen wie Elfen und Kobolde sehen, auch wenn ihm nie jemand geglaubt hat, wenn es davon erzählte. So verwundert es nicht, dass Red die Einzige ist, die erkennt, dass kleine Kinder aus dem Heim verschwinden und durch Wechselbälge aus dem Feenreich ersetzt werden.

Obwohl sie alles in ihrer Macht Stehende tut, um ihren kleinen Bruder zu schützen, wird auch er Opfer der übernatürlichen Kinderräuber. So reißt Red aus dem Waisenhaus aus und versucht eine Möglichkeit zu finden, James aus den Händen der Feen zu retten. Als sie nun Tanya zur Hilfe kommt, ergibt sich für das Mädchen endlich ein Weg, ins Elfenreich zu gelangen. Doch dort angekommen, fällt Red in die Hände der Heckenhexe, die ihre ganz eigenen unheimlichen Pläne mit dem Mädchen hat.

Auch in "Zwischen den Nebeln" konzentriert sich Michelle Harrison auf die düsteren Seiten der britischen Volksmärchen rund um Feen, Elfen und Kobolde. Doch neben den vielen liebevollen Details rund um die übernatürlichen Wesen nimmt sich die Autorin auch viel Zeit, die verschiedenen Charaktere darzustellen. Reds Hintergrund wird ausführlich beleuchtet und es wird beschrieben, wie es zu dem Autounfall ihrer Eltern kam und was sie alles versuchte, um ihren kleinen Bruder zu beschützen.

Sehr schön gelingt es Michelle Harrison dabei, die vielen Facetten des Mädchens aufzuzeigen. Das Leben auf der Straße hat sie misstrauisch und vorsichtig gemacht, und Red hält die Suche nach ihrem Bruder nur durch, indem sie all ihre Kraft zusammennimmt. Doch diese Willensstärke lässt sie schnell hart und skrupellos erscheinen, obwohl all ihre Taten durch ihre Liebe zu James motiviert sind. Tanya und Fabian, die in "Hinter dem Augenblick" eine so große Rolle gespielt haben, bekommen auch wieder einen kleinen Part zugestanden. Das liegt vor allem daran, dass neben dem Elfenreich einige Handlungsstränge in Elvesden Manor und dem anliegenden Henkerswald angesiedelt sind.

Michelle Harrison nutzt diesen Roman auch dazu, den Hintergrund von Warwick, Fabians Vater und Verwalter von Elvesden Manor, weiter auszubauen. Hatte man in "Hinter dem Augenblick" schon erfahren, dass sein Vater beschuldigt wurde, eine junge Frau, die sich ins Feenreich verirrt hatte, ermordet zu haben, wird nun erzählt, wie er zum Verwalter dieses von Elfen wimmelnden Hauses wurde und warum dies zum Tod seiner Frau führte. Bei all den traurigen Elementen, den schrecklichen Geschehnissen und den bedrohlichen Situationen wirkt "Zwischen den Nebeln" jedoch nicht besonders gruselig. Die Geschichte ist spannend, voller fantastischer Details und auch für eher ängstliche Leser gut geeignet.

Obwohl auch dieser Band die Frage aufkommen lässt, warum die Kinder, die von Geburt an in der Lage sind, die Elfen und Feen zu sehen, so schlecht mit ihrer Gabe umgehen können, überwiegen die aufregenden und auch amüsanten Momente und lassen einen solche kleinen Unstimmigkeiten beim Lesen schnell vergessen. Mit "Zwischen den Nebeln" hat Michelle Harrison einen Roman geschaffen, der den Leser in eine fantastische und bedrohliche Welt voller magischer Kreaturen lockt, in der man ein spannendes und fesselndes Abenteuer erleben kann.

Fazit:

Auch mit dem zweiten Teil ihrer "Elfenseele"-Reihe, in dem von Reds Suche im Elfenreich nach ihrem kleinen Bruder erzählt wird, gelingt es der Autorin, den Leser zu verzaubern. Gestützt auf die eher düsteren und ursprünglichen Elemente britischer Volkssagen, ersinnt Michelle Harrison eine so fesselnde Geschichte, dass einem beim Lesen die kleinen Unstimmigkeiten kaum auffallen. Vor allem ihre fantastischen Beschreibungen der übernatürlichen Kreaturen und die immer detaillierteren Hintergründe zu den einzelnen Charakteren sorgen - neben den kleinen amüsanten Szenen - für viel Vergnügen beim Lesen.
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