Can you hear me?  Redaktionstipp
Comics: Manga Liebe & Romantik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 23. Juni 2010

Can you hear me?

Autor: Otsuichi
Zeichner: Hiro Kiyohara

Originaltitel: Kimi ni shika kikoenai
Übersetzt von: Burkhard Höfler

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-7704-7101-0
Preis: 6,50 EUR

192 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.4

Wertung:
8.4
von 10
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Zum Inhalt:

"Hallo? Kannst du meine Stimme hören?" Eines Tages klingelte im Kopf der einsamen Schülerin Ryou ein Telefon. Ihr Gesprächspartner ist Shinya, der genauso wie sie ein imaginäres Handy besitzt ...

Meinung:

Der Manga "Can you hear me?" basiert auf einer Kurzgeschichte von Otsuichi, die dieser schon vor einigen Jahren schrieb. Wer sich nun bei der Inhaltsangabe wundert, weil ihm die Geschichte bekannt vorkommt, obwohl sie doch gerade erst erschienen ist, der denkt dabei vielleicht an den Einzelband "Calling you" von Planet Manga. Doch selbst für denjenigen, der die von Setsuri Tsuzuki gezeichnete Version der Erzählung in seinem Besitz hat, lohnt sich die Anschaffung von "Can you hear me?".

Die extrem schüchterne Ryo Aihara hat keinerlei Freunde und somit auch keinen Bedarf für ein Handy, mit dem sie Kontakt zu diesen halten könnte. Und doch wünscht sie sich sehnlichst, wie ihre Mitschülerinnen zu sein, die untereinander Telefonnummern und Nachrichten austauschen und sich ständig über ihr Handy verabreden. So verbringt das Mädchen immer mehr Zeit damit, von seinem eigenen Mobiltelefon zu träumen. Ryo weiß ganz genau, wie es aussehen soll und welchen Klingelton sie bevorzugen würde und baut diese Vorstellungen immer weiter aus.

Als Ryo eines Tages wieder in ihre Fantasien vertieft ist, hört sie in ihrem Kopf ihr eingebildetes Handy klingeln. Kurz darauf erklingt auch schon eine Stimme in ihren Gedanken und es kommt zu einem Gespräch mit Shinya, einem Jungen, der ebenso einsam ist wie sie. Anfangs befürchtet die Schülerin noch, dass sie sich das alles nur einbildet, doch nach einem Test ist sie sich sicher, dass Shinya genauso real ist wie sie selbst. Für Ryo wird der Austausch mit dem freundlichen Jungen immer wichtiger, bis sich eine Gelegenheit zu einem Treffen ergibt.

Doch nicht nur mit Shinya telefoniert Ryo mit ihrem imaginären Handy, sie hat auch Kontakt zu einer erwachsenen Frau namens Harada, die ihr immer wieder nützliche und aufmunternde Ratschläge gibt. Mit ihrer Hilfe findet das Mädchen heraus, dass seine Telefonate nicht nur - wie bei einem normalen Handy - räumliche Entfernungen überbrücken können, sondern auch zeitliche Abstände überwinden. Allerdings teilt Harada Ryo nicht mit, dass sie mehr verbindet als nur die Gespräche in ihrem Kopf.

Im Vergleich zu "Calling you" von Setsuri Tsuzuki nimmt sich Hiro Kiyohara mehr Raum, um die Handlung zu erzählen. In "Can you hear me?" gibt es nur diese eine romantische Geschichte, ohne dass noch eine weitere kurze Story dem Band beigefügt wurde. Doch nicht nur in der Länge unterscheiden sich die beiden Varianten, auch die Zeichnungen bieten einen gewaltigen Qualitätsunterschied. Während der Leser bei "Calling you" von den eher schlichten und detailarmen Darstellungen enttäuscht war, die der anrührenden Handlung nicht gerecht wurden, sind Hiro Kiyoharas Bilder einfach nur wunderschön.

Die Charaktere der Mangaka wirken deutlich weniger beliebig als in der Version von Setsuri Tsuzuki und überzeugen durch einen eher realistischen Eindruck und ein feines Mienenspiel. Doch vor allem bei der Gestaltung der Umgebung und der Hintergründe fällt der Unterschied zwischen den beiden Künstlern ins Auge. Hiro Kiyohara hat für "Can you hear me?" stimmungsvolle Landschaften und realistische Klassen- und Wohnräume geschaffen, die die Handlung sehr gelungen unterstreichen. Je nachdem, ob in dem jeweiligen Teil der Geschichte gerade die allgemeine Atmosphäre oder die individuellen Figuren im Vordergrund stehen, sind seine Zeichnungen detailliert oder eher einfach gehalten. So gelingt es der Mangaka, die Handlung bewusst zu betonen und sie dem Leser wirklich nahe zu bringen.

Auch gewinnt man durch diese Version der Geschichte ein noch deutlicheres Bild von der Person des Shinyo. Gegen Ende des Manga wird nicht nur aufgeklärt, warum der Junge über sein imaginäres Handy Kontakt gesucht hat, sondern auch welche Beweggründe letztendlich zu dem tragisch-schönen Schluss führen. So wirkt die von Otsuichi geschaffene Geschichte um Ryo und Shinyo - nicht nur aufgrund der perfekt zu der melancholischen Grundstimmung dieses Manga passenden Darstellungen - noch lange im Leser nach.

Fazit:

"Can you hear me?" ist nach "Calling you" (von Planet Manga) eine weitere Umsetzung der Kurzgeschichte von Otsuichi. Doch die Mangaka Hiro Kiyohara lässt sich in diesem Band deutlich mehr Zeit, um die Handlung in all ihren feinen Nuancen darzustellen, und gibt dem Leser so Raum, die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Auch die Zeichnungen von Hiro Kiyohara passen hervorragend zu dieser melancholischen Geschichte. Je nach Gewichtung in der Handlung setzt sie seine eher realistischen und sehr ansprechend dargestellten Charaktere in den Mittelpunkt oder lässt detaillierte Hintergründe für die passende Stimmung sorgen. Mit "Can you hear me?" bekommt der Leser eindeutig die beeindruckendere Mangavariante dieser Kurzgeschichte in die Hände, die nicht nur durch die angenehme Umsetzung der Handlung, sondern auch durch die gelungenen Zeichnungen überzeugt.
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