Als Dämon brauchst du nie Kredit 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 15. Februar 2010

Als Dämon brauchst du nie Kredit

Originaltitel: Myth-taken Identity
Übersetzt von: Frauke Meier

Untergenre: Humor
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Februar 2007
ISBN: 978-3-404-20559-2
Preis: 7,95 EUR

382 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
3.5

Wertung:
3.5
von 10
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Zum Inhalt:

Der Dämon Aahz bekommt unwillkommenen Besuch von einem kleinen Magier und zwei blauhäutigen Schlägern, die ihm eine extrem hohe Rechnung präsentieren. Diese hat offenbar ein Freund von Aahz verursacht: der Zauberer Skeeve. Letzterer mag viele Fehler haben, seine Schulden aber zahlt er stets zurück, das weiß Aahz genau. Daher sucht er mit seinen Freunden einen Ort auf, dem eigentlich jeder Bewohner der Dimension aus reiner Selbstachtung fern bleiben müsste: das Einkaufszentrum. Dort betreiben einige Kriminelle Kreditkartendiebstahl im großen Stil. Offenkundig ist Skeeve ihnen zum Opfer gefallen. Aahz ist fest entschlossen, den Fall aufzuklären und den Namen seines Freundes wieder reinzuwaschen ...

Meinung:

"Als Dämon brauchst du nie Kredit" ist zeitlich direkt hinter Skeeves Abenteuer bei den Wuhs einzuordnen, die in "Ein Dämon schafft noch keine Ordnung" beschrieben werden. Doch erst einmal wird auch in diesem Band erneut in zwei Einleitungen darauf hingewiesen, wie und warum es zu einer Zusammenarbeit zwischen dem beliebten Autor Robert Asprin und seiner Co-Autorin Jody Lynn Nye gekommen ist, bevor es mit der eigentlichen Geschichte losgeht.

Nachdem Aahz, ein Perfekter aus Perv, auf dem Basar von Tauf von einem Magier und zwei Schuldeneintreibern belästigt wird, macht er sich auf nach Mall, um dort herauszufinden, wer mit der Kreditkarte seines Freundes Skeeve Missbrauch treibt. Mit von der Partie sind dieses Mal der hochintelligente Troll Chumley und die üppige Massha, die als Einkaufsexpertin und magische Verstärkung fungieren soll. Schnell wird klar, dass Skeeve nicht das einzige Opfer der Kreditkartenbetrüger ist, und Aahz und seine beiden Gefährten werden von der Mallverwaltung gebeten, auch in ihrem Namen Jagd auf die Gauner zu machen.

Da die Dämonen-Reihe von Robert Asprin als eine Parodie auf High-Fantasy-Geschichten anfing, irritiert es immer wieder, wenn der Autor (wie inzwischen auch seine Co-Autorin) den Leser in eine moderne Welt voller Sicherheitssysteme, Kreditkarten und Wolkenkratzer führt. Doch in diesem Band bilden diese technischen Elemente nicht nur überraschende Handlungselemente, und der Einfluss von Jody Lynn Nye auf die Handlung ist unübersehbar. Man vermisst nicht nur die witzigen Dialoge und überraschenden Wendungen, die früher die Romane von Robert Asprin ausmachten, sondern wird in "Als Dämon brauchst du nie Kredit" auch in eine vollkommen weibliche Einkaufswelt geworfen.

Seitenweise liest man über diverse Mode-Erscheinungen, auf Wunsch gefertigte Handtaschen, Strumpfbänder mit ganz besonderen Extras und andere Dinge, die angeblich das Herz einer jeden kaufsüchtigen Frau höher schlagen lassen. Doch letztendlich ist die Mall nur eine sauberere und reglementiertere Version des Basars von Tauf, in der Sicherheitsdienste für Ordnung sorgen und das Feilschen eine vergessene Kunst ist.

Neben all diesen glitzernden Details einer - scheinbar perfekten - Einkaufswelt kommt die eigentliche Handlung deutlich zu kurz. Aahz, Chumley und Massha kommen an, stolpern über das gesamte Ausmaß des Problems und dann, während der Leser schon längst die Gaunerbande und ihre Hintergründe kennt, bemühen sich die drei den Rest des Buches über, den Betrügern Fallen zu stellen. Dabei scheitern die früher so gewieften Mitglieder der berühmt-berüchtigten Chaos GmbH, die schon ganze Welten vor dem Mob gerettet haben, selbst bei dieser einfachen Aufgabe.

Wer raffinierte Pläne, überraschende Elemente, amüsante Anspielungen und wunderbar ausgearbeitete Charaktere erleben will, wird von diesem Roman eindeutig enttäuscht. Nachdem in "Ein Dämon schafft noch keine Ordnung" zumindest gegen Ende die alte Handschrift von Robert Asprin durchschimmerte, erweckt "Als Dämon brauchst du nie Kredit" den Eindruck, als ob sich der Autor endgültig von seiner erfolgreichen Reihe verabschiedet und sie Jody Lynn Nye überlassen hätte.

Doch leider gelingt es der Schriftstellerin in keiner Weise, den Ton der ursprünglichen Dämonen-Geschichten zu treffen. So bekommt der Leser für sein Geld zwar ein deutlich dickeres, aber leider auch ein absolut langweiliges und nichtssagendes Buch in die Hände, das den Wunsch aufkommen lässt, man würde Aahz, Skeeve und der Chaos GmbH endlich ihr wohlverdientes Ende zukommen lassen. Wer amüsante Abenteuer mit wunderbar spitzen und doch liebevollen Seitenhieben auf Fantasyliteratur lesen möchte, sollte lieber auf einen der ersten Dämonen-Romane zurückgreifen.

Fazit:

Bedauerlicherweise kann "Als Dämon brauchst du nie Kredit" noch weniger überzeugen als die beiden vorhergehenden Bände der Dämonenreihe, die aus der Zusammenarbeit zwischen Robert Asprin und Jody Lynn Nye entstanden sind. Immer mehr gewinnt man den Eindruck, dass sich der Autor von dieser Serie zurückgezogen hat, weshalb der Leser leider die geistreichen Anspielungen, witzigen Dialoge und rasanten Szenen vermissen muss, die anfangs diese Reihe ausgemacht haben. Jody Lynn Nye verpasst der Geschichte deutlich weiblichere Elemente, als man es bei einer humorvollen Fantasyreihe erwartet hätte - und erreicht damit bedauerlicherweise nicht einmal das Niveau eines amüsanten Frauenromans.
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