Sternendiebe  Redaktionstipp
Bücher: Sachbuch Erlebtes & Reiseberichte
Geschrieben von Ramona Böhm   
Freitag, 19. Februar 2010

Sternendiebe - Mein Leben in Afrika

Verlag: Knaur
Erschienen: Dezember 2009
ISBN: 978-3-426-78300-9
Preis: 8,95 EUR

272 Seiten
Inhalt
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Preis/Leistung
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Zum Inhalt:

Die Deutsche Nicole liebt Afrika über alles. Zum Abschluss ihrer Diplomarbeit kehrt sie deshalb dorthin zurück, denn auf diesem Kontinent kann sie frei sein von gesellschaftlichen Zwängen und materiellem Denken. Nicole lebt in einfachsten Verhältnissen und besitzt nur das Nötigste. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen berührt die junge Frau, denn jene haben kaum etwas. Viele leiden Hunger, sind krank oder leben auf der Straße. In Afrika trifft sie auch auf einen jungen Mann, Juma. Er lebt seit seinem siebten Lebensjahr auf der Straße. Obwohl Nicole ihm anfangs nur helfen will, entwickelt sich mehr als nur Freundschaft: eine Liebe zwischen zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen.

Meinung:

Nicole Mtawas Bericht "Sternendiebe" erzählt von ihren Erfahrungen und ihrem Leben in Afrika. Von ihrem Ehemann Juma, der auf der Straße aufwuchs, und von den Schwierigkeiten, mit denen beide für eine gemeinsame Zukunft kämpfen mussten. Die junge Deutsche hängt nicht an materiellen Gütern, sondern liebt die Freiheit. Diese Freiheit hat sie in Afrika gefunden. Dort entdeckte Nicole Mtawa bereits als Studentin ihre Passion: Menschen zu helfen. Sie beschließt, ihr Leben vor allem den afrikanischen Kindern und Jugendlichen zu widmen und ihr Möglichstes zu tun, um sie aus der Armut zu befreien oder zumindest vor dem Hungertod zu bewahren.

Eines Tages trifft Nicole auf einen jungen Afrikaner namens Juma. Sein strahlendes Lächeln bezaubert sie vom ersten Moment an, doch hinter seiner Fassade sitzt eine tiefe Traurigkeit. Anfangs vermutet die Deutsche noch, dass der gut aussehende Mann mit dem weißen, saubereren Hemd aus einem reichen afrikanischen Haus stammt, doch bald erfährt sie, dass er auf der Straße lebt und täglich um etwas zu essen kämpfen muss. Nicole ist nach Afrika gekommen, um zu helfen und hat schon sehr gute Erfahrungen im Umgang mit den Menschen gemacht. Deshalb vertraut sie dem jungen Mann und gibt ihm Geld, damit Juma einen kleinen Schuhstand eröffnen und sich so sein tägliches Brot verdienen kann. Doch der Mann verschwindet und Nicole kann nur erraten, was mit ihrem Geld geschehen ist.

Als er wieder auftaucht, ist der Strahlemann nur noch ein Schatten seiner selbst, denn er ist an Tuberkulose erkrankt. Mit Ausreden und Lügen versucht er Nicole zu beschwichtigen, doch sie ist wütend über das verprasste Geld und ihre Dummheit, ihm vertraut zu haben. Doch aufgeben kann sie den jungen Mann nicht, denn sein Verhalten ist nicht wie das der meisten Afrikaner. Er rennt ihr nicht hinterher oder versucht sie zurückzuhalten, wenn sie gehen will und immer wieder fällt Nicole sein trauriger Blick auf, der sie davon überzeugt, dass es sich lohnt, ihm zu helfen.

Schrittweise kommen Juma und Nicole sich näher. Sie überredet ihn, sich im Krankenhaus behandeln zu lassen, hilft ihm dabei, ein Zimmer zu finden, in dem er wohnen kann, und erfährt Details über seine Vergangenheit. Zwischen der jungen Deutschen und dem Afrikaner entwickelt sich mehr als nur Freundschaft, doch beide stehen dieser Beziehung skeptisch gegenüber: Juma konnte seit er ein kleiner Junge war niemandem vertrauen. Schon zu oft wurden ihm Versprechungen gemacht, die dann nicht eingehalten wurden. Nicoles Prioritäten hingegen haben sich seit ihren Afrikaaufenthalten geändert. Sie sucht keinen Mann, will keine Kinder und konnte sich in den letzten Jahren jedem Annäherungsversuch entziehen. Die Deutsche will mit ihrem ganzen Herzen den Menschen in Afrika helfen. Doch das Schicksal hat es anders mit den beiden gemeint.

Nicole Mtawa schreibt in einfachen Worten über das Leben in Afrika und wie sie ihren Mann Juma kennen gelernt hat. Sie schmückt weder schlimme Zustände aus noch beschönigt sie fröhliche Ereignisse. Gerade diese einfache Wortwahl wirkt authentisch und vermittelt dem Leser einen Einblick in das afrikanische Leben aus Sicht einer Europäerin.

Juma wuchs auf der Straße auf und erzählt ihr seine Geschichte mit der Bitte, eines Tages ein Buch über die afrikanischen Straßenkinder zu schreiben, um auf die Missstände in seinem Land aufmerksam zu machen. "Sternendiebe" berichtet aber nicht nur über sein Leben, sondern die Geschichte von ihm und der Weißen Nicole. Es informiert über den Teufelskreis aus Armut, Hunger und Verbrechen, über den Drogenkonsum der heimatlosen Kinder, die nur der Realität zu entfliehen versuchen, und über die Gewalt auf den Straßen. Es zeigt aber auch den Kontrast zwischen Nicole, die in einem reichen Land - in Deutschland - aufgewachsen ist und Juma, der nur das besitzt, was er am Leib trägt.

Die beiden finden trotz dieser kulturellen Unterschiede, der unterschiedlichen Wert- und Lebenseinstellungen zueinander. Aber Liebe allein überwindet keine kulturbedingten Differenzen. Das schildert Nicole Mtawa in ihrem Buch allzu deutlich. Es steckt viel Arbeit dahinter, den Partner verstehen zu lernen und einen gemeinsamen Lebensweg zu beschreiten. Noch mehr Lebendigkeit und Authentizität verleiht die kleine Bilderserie im Buch. Sie zeigt Nicole und ihren Mann Juma, ihre ersten gemeinsamen Spaziergänge und ihre erste Reise nach Deutschland. Außerdem sind Nicoles afrikanische "Kinder" abgebildet, denen sie als Studentin das Leben gerettet hat und die ihr Kraft und Mut geben, weiterhin armen Menschen zu helfen.

Dieses Buch hinterlässt einen bleibenden Eindruck beim Leser. Es vermittelt das Leben einer Deutschen, das sich vollkommen von einem bürgerlichen Leben in Deutschland unterscheidet. Es ist beeindruckend, was Nicole Mtawa alles auf sich nimmt, um fremden Menschen in einem anderen Land zu helfen. Sie verzichtet auf jeglichen Luxus, besitzt nur das Nötigste und gibt selbst das noch an Menschen weiter, die noch viel weniger haben. Die Bedeutung des Gelesenen erfasst man nicht vollständig beim Lesen, sondern erst dann, wenn man über das Buch nachdenkt. "Sternendiebe" liest man nicht einfach nur, denn es begleitet den Leser auch danach weiterhin in Gedanken, um sich vielleicht selbst ein Beispiel an der Autorin zu nehmen und Menschen zu helfen.

Fazit:

In "Sternendiebe" erzählt Nicole Mtawa von ihren Erfahrungen in Afrika und der Beziehung zwischen ihr und ihrem afrikanischen Mann Juma sowie von den Schwierigkeiten, Hindernissen und Konflikten, die die beiden überwinden mussten, um einen gemeinsamen Weg gehen zu können. Ihr Buch ist aber auch ein Appell sich daran zu erinnern, wie hart und gefährlich das Leben von Straßenkindern in Afrika ist. Mtawas einfache Worte wirken auf den Leser authentisch und nachvollziehbar. Dieser Eindruck wird durch eine kleine Fotoreihe im Buch unterstützt, die dem Leser Nicole und ihre afrikanischen Freunde zeigt. Das Buch hinterlässt nachhaltig ein ergreifendes Gefühl, das zum Nachdenken anregt und begleitet den Leser auch über die Lektüre hinaus noch.
Weiterführende Infos
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