Der Kirschblütenmord 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 31. Januar 2010

Der Kirschblütenmord

Originaltitel: Shinju
Übersetzt von: Wolfgang Neuhaus

1. Band der Reihe

Untergenre: Historischer Roman
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Juli 2008
ISBN: 978-3-404-15892-8
Preis: 8,95 EUR

560 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Japan, 1683. Zwei Tote treiben im Fluss. Alles sieht aus nach einem gewöhnlichen shinjū, dem Selbstmord eines Paares aus unglücklicher Liebe. Doch Sano Ichirō, jüngstes Mitglied der Polizeitruppe von Edo, ahnt, dass mehr dahintersteckt. Hin- und hergerissen zwischen seiner Neugier und dem Ehrenkodex des Samurai versucht Sano das Geflecht der Intrigen zu entwirren. Die Spur führt in die Kreise des Adels, zu einer Verschwörung gegen den Shōgun.

Meinung:

Mit "Der Kirschblütenmord" legt Laura Joh Rowland ihren ersten Kriminalroman rund um den jungen Sano Ichirō vor, mit dem sie dem Leser das historische Japan aus dem Jahr 1683 näher bringt. Sano hat gerade erst sein Amt als Yoriki, als Bezirksvorsteher der Polizei, von Edo angetreten und ist gewillt, diesen Posten mit all seinen Fähigkeiten auszufüllen. Dem jungen Mann ist bewusst, dass er diese Stellung nur der Tatsache zu verdanken hat, dass sein kranker Vater seine Beziehungen spielen ließ.

Für Sano Ichirō ist es eine große Ehre, eine solche Position zu erlangen, auch wenn er lieber weiterhin seiner Beschäftigung als Gelehrter und Lehrer nachgegangen wäre. Als eines Tages zwei Tote aus dem Fluss gefischt werden, fällt es ihm schwer, diesen Fall als einfachen Selbstmord aus Liebe abzutun. Sano ist sich sicher, dass mehr hinter dem Tod der beiden Menschen stecken muss, und beginnt mit Nachforschungen. Doch schnell wird seiner Neugier von seinen Vorgesetzten ein Riegel vorgeschoben.

Die adlige Familie der jungen Frau wünscht kein weiteres Aufsehen - und wenn Sano Ichirō die Ermittlungen nicht einstellt, droht ihm eine Amtsenthebung. So muss Sano eine schwierige Entscheidung treffen: Auf der einen Seite ist er als Samurai dazu erzogen worden, seinem Vorgesetzten zu gehorchen, und auf der anderen Seite gebietet es sein Ehrenkodex, die Wahrheit hinter dem Mord an den beiden Opfern herauszufinden. Der junge Mann riskiert mit weiteren Ermittlungen, sein Gesicht zu verlieren und Schande über seine Familie zu bringen - und muss doch danach handeln, was er als richtig empfindet.

Der Leser bekommt so weniger einen spannenden Kriminalfall präsentiert, obwohl Laura Joh Rowland für ein interessantes Rätsel voller überraschender Wendungen sorgt, als einen Blick in die japanische Kultur der Genroku-Periode. Traditionen und der Kodex der Samurai bestimmen das Leben der höheren Schichten und diese Regeln werden nur selten zugunsten einzelner Menschen ausgelegt. Seine Stellung zu bewahren ist wichtiger als ehrenhaftes Verhalten, die Familie wichtiger als das Wohl des Individuums.

Dabei werden die Charaktere in "Der Kirschblütenmord" von der Autorin gerade so weit angerissen, dass sie dem Leser näherkommen, und auch ihre Motive bleiben selbst dann nachvollziehbar, wenn sie dem heutigen, westlichen Verhaltensmuster vollkommen entgegengesetzt verlaufen. So fließen die Erklärungen geschickt genug in die Handlung ein, dass man sich nie belehrt fühlt und der westliche Leser trotzdem immer einen guten Überblick über die Motivationen der Figuren erhält. Vor allem Sano Ichirō und seine Gegenspielerin werden von Laura Joh Rowland so schön charakterisiert, dass sie einen emotional ansprechen.

Die Autorin zeigt die politischen Hintergründe dieser Zeit und macht deutlich, auf welch einer zerbrechlichen Basis die Herrschaft des Shōgun ruht. Doch neben den Einblicken in die Verhältnisse der Adelshäuser bekommt man auch eine gute Vorstellung vom einfachen Leben in diesem historischen Japan, von den fremdartigen Gebräuchen und Ansichten sowie von der Architektur und ihrer Bedeutung. So bettet Laura Joh Rowland viele interessante und wissenswerte Informationen in eine spannende und unterhaltsame Geschichte ein, die den Leser neugierig darauf macht, mehr über das Japan dieser Zeit - und die Figur Sano Ichirō - zu erfahren.

Fazit:

"Der Kirschblütenmord" führt den Leser in das historische Japan im Jahr 1683 und zu den Ermittlungen, die der junge Beamte Sano Ichirō in einem vermeintlichen Doppelselbstmord anstrengt. Dabei lässt Laura Joh Rowland geschickt Informationen über den Ehrenkodex der Samurai, die politischen Verwicklungen dieser Zeit und das allgemeine Leben in die spannende Kriminalgeschichte einfließen. So wird der Leser mit diesem Buch nicht nur gut unterhalten, sondern kann auch einiges über japanische Kultur und Geschichte lernen, ohne dass der Lesegenuss darunter leidet.
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