Den Göttern trotzt man nicht 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 31. Januar 2010

Den Göttern trotzt man nicht

Originaltitel: Jumalia ei uhmata
Übersetzt von: Gabriele Schrey-Vasara

5. Band der Reihe

Verlag: Grafit
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-89425-657-9
Preis: 17,90 EUR

251 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
6.1

Wertung:
6.1
von 10
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Zum Inhalt:

Lieber wäre Kommissar Lauri Hanhivaara bei seiner neuen Freundin Sinikka, als seinen Urlaub allein auf Sizilien zu verbringen. Missgelaunt gibt er sich als Versicherungsvertreter aus, um die streitsüchtigen finnischen Mitreisenden auf Abstand zu halten. Erst als einer der Reiseteilnehmer ermordet auf einem Friedhof aufgefunden wird, erwacht Hanhivaara aus seiner Lethargie. Endlich zurück in Finnland, muss er feststellen, dass sein Ex-Kollege Huhtanen, der sich als Detektiv selbstständig gemacht hat, bereits in dem Fall ermittelt.

Meinung:

"Den Göttern trotzt man nicht" ist der fünfte Fall, den der Autor Pentti Kirstilä rund um seinen Kommissar Lauri Hanhivaara entspinnt. Doch dieses Mal findet sich der gestandene Finne nicht in seinem vertrauten Gebiet wieder, sondern muss allein die Reise nach Sizilien antreten, die zusammen mit der Freundin geplant war. Statt also romantische Stunden mit Sinikka zu verbringen, sieht sich Hanhivaara inmitten einer finnischen - und sehr kontaktfreudigen - Reisegruppe. Um diese Leute auf Abstand zu halten, behauptet der Kommissar, Versicherungsvertreter zu sein. Umso mehr amüsiert es den Leser, dass er bei all seiner Abneigung gegen die Mitreisenden diese genau im Auge behält und sich eine Menge Gedanken über ihr Verhalten macht.

Doch dann geschieht innerhalb der Reisegruppe ein Mord und alle Anzeichen deuten auf mafiöse Verwicklungen hin - vor allem, da gerade erst der Medizinstudent Aarno Piskonen, nachdem sein Geld von dem Opfer gestohlen worden war, Andeutungen machte, dass er Verbindungen zur sizilianischen Mafia hätte. Direkt nach dem Mord ist der Student nicht mehr am Urlaubsort aufzufinden. Doch auch ein paar weitere Mitreisende könnten als Täter in Betracht kommen, da der Verdacht besteht, dass sie in krumme Geschäfte mit dem Ermordeten verwickelt waren.

Bevor sich der Leser an die Lektüre dieser Geschichte macht, sollte er sich vor Augen halten, dass der Roman zwar gerade erst auf Deutsch erschienen ist, aber die Originalausgabe schon im Jahr 1981 in Finnland veröffentlicht wurde. Unter diesem Gesichtspunkt wirkt die Figur des Lauri Hanhivaara nicht wie der klischeeüberladende, depressive skandinavische Ermittler, sondern wie ein gestandener Mann mit einem Leben, das nicht immer ganz so glücklich verlief, wie es hätte sein können.

Doch trotz seines hohen Alters macht dieser Kriminalroman mit seiner ungewöhnlichen Geschichte, dem interessanten Kommissar und der eher gemächlich verlaufenden Handlung keinen altbackenen Eindruck. Nur kleine Details, wie die Suche nach einer Telefonzelle, lassen einen hin und wieder spüren, dass "Den Göttern trotzt man nicht" kein aktueller Roman ist.

Lauri Hanhivaara verfolgt nach seiner Heimreise den Fall weiter, spürt den Medizinstudenten auf und ermittelt in dem zweifelhaften Milieu, in dem der Ermordete zu Hause war. Auch muss der Kommissar feststellen, dass Aarno Piskonen inzwischen einen Detektiv engagiert hat. Ausgerechnet Hanhivaaras Ex-Kollege Huhtanen soll den Mord aufklären und den Studenten so vom Tatverdacht befreien. Bei diesen Entwicklungen kann der Leser nicht nur sehr atmosphärische Beschreibungen genießen, sondern es kommt auch immer wieder zu überraschenden Wendungen in der Handlung. Trotzdem hat man das Gefühl, dass die Geschichte eher gemächlich dahinplätschert und der entscheidende Punkt zum Aufbau von Spannung fehlt.

Nach dem vielversprechenden Anfang in Italien und dem Potenzial, das die zahlreichen ungewöhnlichen Situationen für die Geschichte bieten, fühlt sich der Leser letztendlich in seinen Erwartungen enttäuscht. Das letzte Drittel des Romans zieht sich in die Länge, die Entwicklungen werden vorhersehbar und nicht einmal mehr Lauri Hanhivaaras sympathische Persönlichkeit schlägt den Leser noch richtig in ihren Bann. Wäre es Pentti Kirstilä gelungen, seine Idee richtig auszuschöpfen und den vielen verschiedenen Nebenfiguren mehr als nur eine Statistenrolle zuzusprechen, dann hätte "Den Göttern trotzt man nicht" vielleicht trotz des unbefriedigenden Endes einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. So hingegen greift man doch lieber wieder zu einem der älteren Romane rund um Lauri Hanhivaara.

Fazit:

Pentti Kirstiläs "Den Göttern trotzt man nicht" beginnt mit einer sehr amüsanten Ausgangssituation und entwickelt sich dann zu einem unterhaltsamen, wenn auch etwas gemächlichen Kriminalroman. Vor allem die Hauptfigur Lauri Hanhivaara erlangt schnell die Sympathien des Lesers, während die restliche Besetzung zum Teil etwas eindimensional bleibt. Doch nach dem guten Anfang fällt der Spannungsbogen im letzten Drittel des Romans stark ab und hinterlässt nach der letzten Seite ein etwas unbefriedigendes Gefühl. Hier fehlt einfach ein überraschender Höhepunkt am Ende, um die Vorhersehbarkeit der letzten Szenen abzumildern und das Niveau der anderen Romane des Autors zu erreichen.
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