Die Exorzistin 1: Dämonenkuss 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 25. November 2009

Die Exorzistin 1: Dämonenkuss

Originaltitel: The Devil Inside
Übersetzt von: Markus Bennemann

1. Band der Reihe

Verlag: Knaur
Erschienen: Mai 2009
ISBN: 978-3-426-50226-6
Preis: 7,95 EUR

394 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
3.5

Wertung:
3.5
von 10
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Zum Inhalt:

Manche Menschen haben einen Beruf - andere eine Berufung. So ist es bei Morgan Kinsley, die zu den besten Exorzistinnen des Landes gehört: Sie liebt ihren Job, weil sie Dämonen hasst. Doch dann wird Morgan zum Opfer einer finsteren Verschwörung und muss alles, was sie bisher für gut und böse gehalten hat, noch einmal überdenken. Und zwar möglichst schnell, denn sie schwebt in tödlicher Gefahr - und nur ein Dämon scheint sie retten zu können ...

Meinung:

Mit "Dämonenkuss" bietet die Autorin Jenna Black einen ungewöhnlichen Auftakt für die Reihe "Die Exorzistin". Ihre Hauptfigur Morgan Kinsley ist Exorzistin aus Leidenschaft. Die junge Frau hasst Dämonen, vor allem, wenn sich diese unerlaubt in den Körper von Menschen eingenistet haben. So hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, diese zerstörerischen Wesen aus ihren Wirten auszutreiben. Doch es existieren auch nicht wenige Dämonen in der Welt, die die Körper von Menschen bewohnen, die sich freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Diese hasst Morgan nicht weniger als die gewaltsamen Besetzer, doch das Gesetz schützt solche Verbindungen.

So schafft die Autorin Jenna Black eine ungewöhnliche Welt voller Dämonen und Menschen, die mit diesen übernatürlichen Wesen leben müssen. Nachdem der Leser gleich zu Beginn einen Exorzismus miterleben darf, steht schnell fest, dass das Auftauchen der Dämonen zu einer zwar magischen, aber auch sehr gewalttätigen Welt geführt hat. Leider gelingt es der Autorin nicht, das Potenzial dieser reizvollen Grundidee auszuschöpfen.

Schnell nehmen detaillierte Sexszenen in "Dämonenkuss" überhand, die das Verhältnis zwischen Morgan und ihrem Freund Brian beleuchten sollen. So entsteht der Eindruck, dass die junge Frau außer der Vernichtung von Dämonen und dem ausgiebigen Liebesspiel mit ihrem Partner keine anderen Bedürfnisse hat. Doch eigentlich reizt jeder attraktive Mann Morgans Interesse, was - obwohl sie ihrem Brian treu ist - zu einer bedauerlich flachen Charakterisierung führt. Ihre Gegenspieler werden da schon ein wenig vielschichtiger dargestellt.

Vor allem bei den Dämonen entdeckt der Leser im Laufe der Handlung erstaunlich viele Facetten. So lernt man schnell, dass es die Bösen gibt, die sich eines Menschen bemächtigen und seine Persönlichkeit zerstören. Aber auch gute Wesen existieren unter den Dämonen, und diese gehen auf die Gefühle und Bedürfnisse ihrer menschlichen Wirte ein. Für Morgan ist dies eine gänzlich neue Erkenntnis, die sie nur schwer glauben kann.

Noch schwerer wird es für die Exorzistin, als sie herausfindet, dass auch sie von einem Dämon besessen ist. Weder hat sie jemals eingewilligt, als Wirt zu dienen, noch hat sie eine Erinnerung daran, wie es so weit kommen konnte. Vor allem die Tatsache, dass ihre Persönlichkeit durch den Dämon nicht unterdrückt wurde, stellt die junge Frau vor ein Rätsel. Doch viel Zeit, um diese Fragen zu klären, bleibt ihr nicht. Eine Gruppe von Fanatikern zündet ihr Haus an und schnell steht fest, dass Morgans Verbindung mit einem Dämon sie zur Zielscheibe für mehr als eine Partei macht. Nur mit der Hilfe des Dämons Adam und seines menschlichen Freundes Dominic Castello hat die Exorzistin eine Chance zu überleben.

Doch Morgan fällt es nicht nur grundsätzlich schwer, einem Dämon zu vertrauen, auch die Tatsache, dass Adam und Dominic eine intensive SM-Beziehung haben, fördert ihr Misstrauen. Für Jenna Black hingegen bietet dies die Gelegenheit, nicht nur die Liebesspiele von Morgan und Brian darzustellen, sondern auch die Sexpraktiken der beiden Männer detailliert zu beschreiben. Und so verschwindet die eigentliche Handlung schnell zwischen Peitschen, Ketten und Fesselspielchen, während die weibliche Hauptfigur zwischen Abscheu über diese Praktiken und Faszination für die beiden attraktiven Männer hin- und hergerissen ist.

Beim Leser von "Dämonenkuss" entsteht bald das Gefühl, dass sich die Autorin nicht entscheiden konnte, ob sie einen rein pornografischen Roman oder doch lieber Urban Fantasy schreiben wollte. So gelingt es ihr nicht, die eigentlich sehr reizvolle und ungewöhnliche Grundidee von einer Welt voller Dämonen stimmig auszuarbeiten, was dazu führt, dass es bei einer recht handlungsarmen Geschichte voller Sexszenen bleibt, die an einen Yaoi-Manga wie z. B. "Finder" erinnert. Während man sich bei einem Manga noch an den Zeichnungen erfreuen kann, bleiben Jenna Blacks Beschreibungen auf einem wenig ansprechenden Niveau.

Doch vor allem die wenig ausgereifte Charakterisierung von Morgan Kinsley strapaziert die Geduld des Lesers. Die Exorzistin handelt unglaubwürdig, unvernünftig und hat bei jedem attraktiven Mann das Bedürfnis, ihm die Kleider vom Leib zu reißen. Auch wenn sie ihrer Libido nicht immer nachgibt, findet nicht ein ernsthaftes Gespräch statt, ohne dass Morgan an Sex denkt. Würde man all diese Passagen streichen, bliebe nicht einmal genug Handlung für einen dünnen Heftroman übrig. Hätte sich Jenna Black mehr auf ihren ungewöhnlichen Hintergrund konzentriert und die erotischen Szenen dezenter eingeflochten, dann hätte dieser Roman ein interessanter Auftakt einer Urban-Fantasy-Reihe werden können.

Fazit:

Jenna Blacks Roman "Dämonenkuss" fällt vor allem durch das verschenkte Potenzial auf. Reizt den Leser zu Beginn noch die ungewöhnliche Welt voller Dämonen, so sorgen die vielen Sexszenen schnell dafür, dass diese vielversprechende Grundidee vergessen wird. Das Schicksal der Exorzistin Morgan Kinsley, die selbst von einem Dämonen besessen ist und deshalb von verschiedenen Parteien gejagt wird, berührt aufgrund der flachen Charakterisierung nicht. Und auch die detaillierten Sexszenen und Beschreibungen aus dem SM-Bereich sind der Autorin nicht so weit gelungen, dass sie das Interesse des Leser auf Dauer fesseln könnten.
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