Flavia de Luce 1: Mord im Gurkenbeet  Redaktionstipp
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 18. Oktober 2009

Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet

Originaltitel: The Sweetness at the Bottom of the Pie
1. Band der Reihe

Verlag: Penhaligon
Erschienen: September 2009
ISBN: 978-3-7645-3027-3
Preis: 19,90 EUR

384 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Die junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht eine Leiche im Garten entdeckt - ausgerechnet im Gurkenbeet! Jeder hält ihren Vater für den Mörder, denn Colonel de Luce hat sich noch tags zuvor mit dem Verblichenen gestritten. Nur ein einziger Mensch glaubt felsenfest an die Unschuld des Colonels - seine naseweise Tochter Flavia. Schließlich ist der Ermordete vergiftet worden, und ganz im Gegensatz zu Flavia, die eine begnadete Giftmischerin ist, hat ihr Vater nie Interesse an der Chemie des Todes gezeigt. Also fragt Flavia in vermeintlich kindlicher Unschuld sämtliche Zeugen Löcher in den Bauch. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur - bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist ...

Meinung:

Betrachtet man das Cover und die erste Szene von Alan Bradleys "Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet", wirkt das Buch auf den ersten Blick wie ein skurriler Jugendroman. Doch die Geschichte entpuppt sich schnell als amüsanter Krimi mit einer ungewöhnlichen Detektivin. Flavia de Luce ist die jüngste Tochter der Familie und eine begeisterte Chemikerin. Trotz ihrer gerade mal elf Jahre hat sich das Mädchen schon ein fundiertes Wissen zum Thema Gifte zugelegt. So ist es kein Wunder, dass sie schnell feststellt, dass der Tote, den sie eines morgens im Garten findet, keines natürlichen Todes gestorben ist.

Obwohl dieser Mann zum ersten Mal den kleinen englischen Ort besuchte, hatte Flavia in der Nacht zuvor mitbekommen, dass der Ermordete mit ihrem Vater gestritten hatte. Auch wenn in ihrer Familie nicht gerade liebevolle Verhältnisse herrschen, da sich ihr Vater lieber mit seinen Briefmarken als mit seinen drei Töchtern beschäftigt, ist sich das Mädchen sicher, dass er nichts mit dem Mord zu tun hat. Während die Polizei kurz darauf Flavias Vater inhaftiert, versucht das Mädchen mehr über den geheimnisvollen Mann herauszufinden.

Dabei stößt Flavia auf einen lange zurückliegenden Todesfall und eine unheilvolle Verbindung zwischen ihrem Vater und dem Ermordeten. Energisch verfolgt Flavia jede Spur, auch wenn sie so langsam der Verdacht beschleicht, dass ihr Vater mehr mit dem geheimnisvollen Fremden zu tun hatte, als ihr lieb sein kann. Durch ihre Ortskenntnisse und ihre ungewöhnliche Ermittlungsweise kommt das Mädchen so der Polizei zuvor und gerät dabei nicht selten in Lebensgefahr.

Auch wenn ein so gescheites Mädchen dem Leser schnell unsympathisch werden könnte, gelingt es Alan Bradley, Flavia und ihre familiäre Situation so liebevoll zu beschreiben, dass einem die vielen Charaktere ans Herz wachsen. Flavia, die ohne Mutter groß wurde, hat kein besonders gutes Verhältnis zu ihren Angehörigen - und doch wird bald klar, dass ihr Vater, ihre beiden Schwestern und die beiden Hausangestellten alles sind, was das Mädchen auf der Welt hat.

Obwohl Flavia ihre Leidenschaft für Chemie auch mal ausnutzt, um die eigene Schwester zu vergiften, macht sie sich große Sorgen um die anderen Bewohner des alten Herrensitzes. Diese Mischung aus Fürsorge und skrupelloser Neugierde übt eine ganz eigene Faszination auf den Leser aus. Im Kontrast zu der ungewöhnlichen Familie de Luce steht der dörfliche Hintergrund, in dem die Geschichte spielt. Der kleine Ort im England der 50er-Jahre wirkt ungemein idyllisch, und natürlich kennt jeder Einwohner seine Nachbarn nur zu genau und liefert Flavia so - ohne es selbst zu bemerken - wichtige Informationen.

"Mord im Gurkenbeet" bezaubert den Leser mit altmodischem Charme, der einen Vergleich mit so bekannten Autoren wie Mary Robert Rinehart oder Agatha Christie nahe legt. Gleichzeitig spickt Alan Bradley seine Geschichte mit so vielen skurrilen und humorvollen Elementen, dass eine ganz eigene, reizvolle Mischung entstanden ist. Wer nach diesem ersten Kriminalroman von Alan Bradley nicht genug von der jugendlichen Detektivin Flavia de Luce bekommen kann, den wird es freuen, dass für April 2010 schon die englischsprachige Fortsetzung "The Weed That Strings the Hangman's Bag" angekündigt wurde. Somit besteht für den deutschen Leser die Hoffnung, schon im Laufe des nächsten Jahres eine übersetzte Ausgabe des zweiten Bandes in Händen zu halten.

Fazit:

Mit dem Kriminalroman "Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet" bietet Alan Bradley eine ungewöhnliche Kombination aus dem altmodischen Charme eines (Neu-)England-Krimis sowie amüsanten und skurrilen Charakterbeschreibungen. Gerade die kindliche Skrupellosigkeit, mit der die Hauptfigur Flavia sowohl ihre Ermittlungen als auch die Rachepläne gegen ihre unfreundlichen Schwestern in Angriff nimmt, begeistern den Leser für diese ungewöhnliche Detektivin. Mit diesem Roman kann man ein paar wirklich vergnügliche und spannende Stunden verbringen.
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