Die Spucke des Teufels  Redaktionstipp
Bücher: Belletristik Historisches
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 18. August 2009

Die Spucke des Teufels

Untergenre: Krimi & Thriller
Verlag: Grafit
Erschienen: August 2009
ISBN: 978-3-89425-609-8
Preis: 17,90 EUR

286 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.9

Wertung:
7.9
von 10
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Zum Inhalt:

Lisbeth, die erst kürzlich verwitwete Wirtin des Gasthauses zum Ochsen, ist entschlossen, die Geschäfte allein weiterzuführen. Schon bald muss sie sich bewähren, denn bei ihr quartieren sich preußische Gardisten ein. Der Lohn: ein Sack Kartoffeln und die Nachstellungen eines Majors. Der Müller Willem und der fahrende Barbier Jost versuchen, Lisbeth zu helfen, doch sie wissen nicht, dass sie ein Geheimnis hat ...

Meinung:

Die Geschichte, die Ella Theiss in "Die Spucke des Teufels" erzählt, spielt im Jahr 1755 am Niederrhein. Gerade erst hat Lisbeth ihren Mann zu Grabe getragen, da muss sie erleben, dass sich preußische Gardisten bei ihr einquartieren. Ein Sack Kartoffeln und ein einziger Gulden sind ihr Lohn - und davon soll sie die Soldaten verköstigen.

Mit viel Witz und Verstand bemüht die Wirtin sich, aus den ungeliebten "Tartüffeln" ein genießbares Essen für die Gäste zu kochen. Doch das ist gar nicht so leicht. Schon seit Jahren versucht Friedrich II., das neue Gemüse in seinem Herrschaftsgebiet zu verbreiten, doch dem einfachen Volk ist nur zu bewusst, wie viele Teile dieser Pflanze giftig sind. Ohne eine Idee, wie man die seltsame Knolle in eine essbare Mahlzeit verwandeln kann, ist keiner bereit, ein solch gefährliches Experiment zu wagen.

Doch nicht nur die Frage, wie sie den Sack Kartoffeln verarbeiten soll, stellt die junge Witwe vor Probleme. So kurz nach dem Tod ihres Mannes muss sie sich schon mit den unerwünschten Aufmerksamkeiten eines preußischen Majors herumschlagen. Und auch der Pachtmüller aus der Nachbarschaft hegt ein deutliches Interesse für Lisbeth, dabei will diese doch nur in Ruhe - und ohne Mann - ihr Wirtshaus führen.

Die Autorin beschreibt in ihrem Roman verschiedene Begebenheiten, die Lisbeth und den Menschen in ihrer Umgebung zustoßen. Mit Humor und vielen interessanten Hintergrundinformationen dokumentiert sie ein knappes Jahr im Leben ihrer fiktiven Figuren, um dem Leser so diese Zeit und den Alltag der Menschen näher zu bringen. Obwohl man mit den verschiedenen Charakteren mitleidet, sorgen die vielen Perspektivwechsel dafür, dass man doch immer auch eine gewisse Distanz zu den Figuren einhält.

Aus der Sicht Lisbeths, des Müllers Willem, des fahrenden Händlers Jost und anderer, wie etwa des Gelehrten von Wolzogen, erlebt man den täglichen Kampf gegen die Willkür des Adels und der Soldaten. Vor allem bedrückt einen die Hilflosigkeit, die Lisbeth gegenüber den Männern und der Obrigkeit empfindet - und die noch größer wird, als sie vom Schicksal zweier Waisenkinder erfährt. So gern würde die Wirtin den Kindern helfen, doch der Junge wird als Deserteur gesucht, während das Mädchen über die Grenze nach Holland verschwunden ist.

Immer wieder sprechen die verschiedenen Szenen den Leser emotional an, doch noch größer wird während der Lektüre das Interesse an den historischen Details. Sehr schön erklärt Ella Theiss in ihrem Nachwort, auf welche Fakten sie sich gestützt hat und in welchen Bereichen sie sich ein wenig schriftstellerische Freiheit gegönnt hat. Obwohl "Die Spucke des Teufels" vom Grafit-Verlag als "historischer Kriminalroman" bezeichnet wird, ist der Krimianteil verschwindend gering. Es geht hier nicht darum, die Hintergründe eines Verbrechens zu ermitteln, denn die Tatsachen liegen recht offen vor dem Leser. Die in diesem Buch verübte Gewalt bleibt die logische Folge der gegebenen Umstände, statt wirklich als Verbrechen wahrgenommen zu werden.

Fazit:

Mit "Die Spucke des Teufels" hat Ella Theiss einen sehr ungewöhnlichen Debütroman vorgelegt. Aus verschiedenen Perspektiven beschreibt sie die Geschehnisse rund um das Wirtshaus "Zum Ochsen", nachdem Lisbeth dieses von ihrem Mann geerbt hat. Der drohende Krieg, die Bemühungen Friedrichs II., die Kartoffel in seinem Herrschaftsgebiet anzubauen, und die Tatsache, dass das einfache Volk so sehr der Willkür der Obrigkeiten ausgesetzt ist, wird von der Autorin wunderbar dargestellt. Auch wenn die Perspektivwechsel dafür sorgen, dass der Leser trotz seines Mitgefühls für die unterschiedlichen Charaktere eine gewisse Distanz aufrecht erhält, wächst mit jeder Seite das Interesse an den historischen Begebenheiten dieser Zeit.
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