Biomega 2  Redaktionstipp
Comics: Manga Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Manuel Tants   
Sonntag, 16. August 2009

Biomega 2

Autor: Tsutomu Nihei
Zeichner: Tsutomu Nihei

Originaltitel: Biomega Vol. 2
Übersetzt von: Costa Caspary

Reihe: Biomega
2. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: April 2009
ISBN: 978-3-7704-6986-4
Preis: 6,50 EUR

172 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.3

Wertung:
8.3
von 10
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Zum Inhalt:

Der synthetische Humanoid Kanoe Zoichi, ein Agent der Toha Industries, dringt gemeinsam mit der künstlichen Intelligenz Fuyu in das von der Data Recovery Foundation kontrollierte Gebiet ein, um die Menschheit trotz der Infektionen zu retten sowie die "Adaptierten" zu schützen. Dort begegnen sie zwar Ion Green, einer jungen Frau, die den Virus adaptiert hat, sie wird aber von den Behörden verschleppt. Durch einen Überraschungsangriff der DRF wird unter anderem die Zentrale der Toha Industries vernichtet. Als Kanoe die Zentrale der DRF - eine Quarantänestation - im Alleingang angreifen will, stellen sich ihm unzählige Drohnen und brutale Killer in den Weg.

Meinung:

Tsutomu Niheis neue Serie "Biomega" beeindruckt auch im zweiten Band schon auf den ersten Blick mit den einzigartigen Zeichnungen des Künstlers, denn der ehemalige Architekt versteht sich wie kein Zweiter darauf, ebenso beeindruckende wie bedrückende Betonskulpturen aufs Papier zu bringen. Wie schon bei "BLAME!" liegt ein großer Teil des Reizes von "Biomega" im Setting: Die Geschichte spielt in einer kalt und heruntergekommen wirkenden Science-Fiction-Welt, die durch die Platzansprüche der Zivilisation jede Spur von Natur eingebüßt hat. Die Tristesse verlassener Milliardenstädte, die sich viele Kilometer hoch in den Himmel bohren oder wie ein Geschwür halbe Ozeane überwuchern, erzeugt eine dichte Endzeit-Atmosphäre. Die genetisch veränderten und oft nur noch zum Teil organischen Kreaturen, die sich durch diese Kulisse bewegen, verleihen dem Szenario zudem einen leichten Horror-Aspekt.

Auch in "Biomega 2" zeigt Tsutomu Nihei zudem wieder einmal grandiose Actionszenen voller Spannung, die den Leser atemlos zurücklassen - auch deshalb, weil die Figuren und die von ihnen eingesetzten Gerätschaften immer wieder überraschende Fähigkeiten offenbaren. Dabei wechselt Nihei in der ihm eigenen Weise zwischen bescheidenem Understatement - die meisten Schusswaffen sehen z.B. sehr schlicht und beinahe winzig aus - und brachialen Szenen, in denen mühelos meterdicke Betonwände eingerissen werden. Gerade die Kämpfe werden dabei mit einem unglaublichen Tempo inszeniert und erlauben es dem Autor, neben einigen "Standardsituationen" auch viele unverbrauchte Ideen umzusetzen.

Während das erste "Biomega"-Taschenbuch noch fast ausschließlich auf derartig furiose Action setzte, liefert Band 2 erstmals auch ein paar Hintergrundinformationen zur Welt, in der die Serie spielt - von Andeutungen über die Absichten der DRF ("Data Recovery Foundation") bis hin zu einem Einblick in die Herkunft Kanoes und Fuyus. Und man begleitet in diesem Band auch für längere Zeit zwei weitere Mitarbeiter der Toha Industries: Nisho und Shin Mizunoe bilden als synthetische Humanoide und in ein Motorrad integrierte KI ein ähnliches Zweierteam wie Kanoe und Fuyu, besitzen aber eine leicht veränderte technische Ausstattung.

Nisho und Shin treffen unterwegs auf den kuriosen sprechenden Bären Koslov L. Grebnev, den Kanoe im ersten Band aus einem einstürzenden Gebäude gerettet hatte, als die DRF die "Adaptierte" Ion Green entführte. Diese Nebenhandlung um Koslov bietet Tsutomu Nihei die Möglichkeit, öfter einmal Szenenwechsel einzubauen, was dem Tempo des Manga ebenfalls sehr zugute kommt. Koslov veranschaulicht zudem einen weiteren Aspekt der Welt, die Nihei in "Biomega" präsentiert: Der Bär besitzt von allen auftretenden Personen trotz seines mehr als ungewöhnlichen Aussehens die menschlichsten Gefühle, während die synthetischen Humanoiden wie Kanoe und Nisho nur selten emotionale Regungen an den Tag legen. Doch zum Glück handeln auch sie nicht immer völlig rational, sodass man als Leser durchaus einen Bezug zu ihnen herstellen kann.

Die Druckqualität ist durchweg gut und lässt (mit minimalen Ausnahmen) satte Schwarzflächen und feine Linien gleichermaßen zur Geltung kommen. Ein besseres Lektorat würde der deutschen Fassung dieses Manga allerdings nach wie vor gut tun: Gerade die Kommasetzung scheint eher auf ein Lotterieprinzip als auf die geltenden Rechtschreibregeln zurückzuführen zu sein.

Fazit:

Nachdem "Biomega" im ersten Band bereits reichlich Action bot, steigert Tsutomu Nihei das Tempo im zweiten Taschenbuch sogar noch ein wenig. Trotzdem liefert Band 2 gleichzeitig deutlich mehr Hintergrundinformationen zur Welt, in der die futuristische Endzeit-Handlung angesiedelt ist, und lässt somit erahnen, dass in zukünftigen Bänden noch weitere interessante Enthüllungen auf den Leser warten. In optischer Hinsicht beeindrucken die Entwürfe Niheis ohnehin mühelos. Vor allem die kolossale Architektur der beinahe komplett zubetonierten Welt und die unheimlichen Agenten der DRF erzeugen eine düstere Science-Fiction-Atmosphäre mit leichtem Horror-Touch, die im Mangabereich ihresgleichen sucht.
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