Lone Wolf & Cub 26 
Comics: Manga Historisches
Geschrieben von Manuel Tants   
Sonntag, 16. August 2009

Lone Wolf & Cub 26

Autor: Kazuo Koike
Zeichner: Goseki Kojima

Originaltitel: Kozure Okami Vol. 26
Übersetzt von: John Schmitt-Weigand

26. Band der Reihe

Verlag: Planet Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: März 2009
ISBN: 978-3-86607-719-5
Preis: 12,95 EUR

348 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.4

Wertung:
8.4
von 10
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Zum Inhalt:

Nachdem der Vorkoster des Shōguns, Abe-no-Kaii, erfolgreich eine Intrige gesponnen hat, gerät Yagyū Retsudō beim Shōgun in Misskredit und wird inhaftiert. Während der Yagyū-Chef versucht, seine im ganzen Land verdeckt operierenden Kusa-Agenten als letztes Aufgebot nach Edo zu rufen, holt er jedoch gleichzeitig aus dem Arrest heraus zum entscheidenden Schlag gegen seinen Bewacher Abe-no-Kaii aus. Auch Ogami, der von Retsudōs Inhaftierung erfahren hat, bleibt nicht untätig und beginnt mit einer kühnen Unternehmung ...

Meinung:

Vier Jahre ist es her, dass Ogami Ittō, der ehemalige kaishakunin des Shōguns (also der Scharfrichter, der den zum rituellen Selbstmord Seppuku gezwungenen Fürsten das Leiden verkürzt), durch einen heimtückischen Plan von Yagyū Retsudō sein Amt und seine Ehefrau verlor. Gemeinsam mit seinem Sohn Daigorō, der damals noch ein Kleinkind war, begab Ittō sich auf eine lange Reise quer durch Japan, bei der er sich unter dem Namen "Kozure Ōkami" (Wolf mit Kind) als Auftragsmörder verdingte und sich immer wieder Angriffen der Regierungstruppen und der Yagyū-Ninja erwehren musste.

Mittlerweile ist Ittō wieder in der Hauptstadt Edo eingetroffen und hat sich bereits zweimal mit Yagyū Retsudō, dessen Ninja-Clan inzwischen fast vollständig ausgelöscht ist, duelliert. Doch es kam nie zu einem entscheidenden Kampfergebnis, was auch der Einmischung des intriganten Vorkosters des Shōguns, Abe-no-Kaii, geschuldet ist. Der feige Gift-Experte würde die beiden kampferprobten Erzfeinde am liebsten gleich auf einen Schlag ausschalten, um seine eigene Machtposition in der Regierung noch weiter auszubauen. Doch seine niederträchtigen Attentate wurden bislang allesamt abgewehrt und brachten Retsudō und Ittō zwischenzeitlich sogar dazu, einen Waffenstillstand einzugehen und sich gegen den Vorkoster zu verbünden.

Im 26. und damit drittletzten Band von "Lone Wolf & Cub" bereiten sich die drei Antagonisten auf die endgültige Konfrontation vor: Retsudō steht unter Arrest, und zwar ausgerechnet unter der Aufsicht von Abe-no-Kaii. Doch der alte Yagyū-Clansführer ist keineswegs wehrlos, denn er hat zuvor die letzten seiner überall im Lande verstreuten Kusa-Ninja in Edo zusammengerufen. Die ersten dieser unsichtbaren Kämpfer sind bereits im Palast eingetroffen und versorgen ihn mit allem Notwendigen - vor allem mit Informationen über die Pläne Abe-no-Kaiis, die Retsudō dazu nutzen will, den Giftmischer endgültig zu vernichten. Unterdessen hat Ittō den verwegenen Plan gefasst, ins Innerste der Burg des Shōguns vorzudringen, um dort den inhaftierten Retsudō aufzusuchen.

Die drei Kontrahenten, versinnbildlicht durch die Tiere Wolf, Tiger und Viper, befinden sich unmittelbar vor der entscheidenden Konfrontation. Ogami Ittō verkörpert dabei mit geradezu übermenschlicher Perfektion das Idealbild des Samurai. Sein würdevolles Auftreten, seine Höflichkeit auch gegenüber Personen von geringerem Stand und sein Wissen um die Etikette bei Hof helfen ihm, ohne Widerstand in die innersten Bereiche der Burg von Edo zu gelangen - und das, obwohl er durchaus von einigen Leuten als der landesweit gesuchte Auftragsmörder Kōzure Ōkami identifiziert wird.

Besonders deutlich wird Ittōs Beispielhaftigkeit, wenn man sein Verhalten mit dem des Vorkosters Abe-no-Kaii kontrastiert. Der feige, hinterlistige und unaufrichtige Giftmischer kann sich in keiner Weise beherrschen und gibt in jeder Lage eine erbärmliche Figur ab. Im Gegensatz dazu hat der fast die ganze Serie lang als heimtückischer, durchtriebener Feind präsentierte Yagyū Retsudō sich in den letzten Bänden als würdiger Gegenspieler für Ogami Ittō entpuppt, der durchaus einem ausgeprägten Ehrenkodex folgt. Der alte, aber äußerst vitale Ninja gibt sich weder im Kampf noch beim Befolgen des Protokolls eine Blöße und empfindet für Ittō viel Respekt.

Den Zeichnungen von Gōseki Kojima sieht man zwar ein wenig an, dass dieser Comic bereits in den 1970er Jahren entstanden ist, da sich die Ästhetik zeitgenössischer Manga deutlich weiterentwickelt halt und wesentlich stilisierter daherkommt. Doch gerade der realistische Stil der Bilder und die leichte Nähe zu klassischen Tuschezeichnungen, die durch den völligen Verzicht auf Rasterfolien noch verstärkt wird, machen einen gehörigen Teil der Atmosphäre von "Lone Wolf & Cub" aus. Die ausgeprägte Dynamik der Bilder entschädigt zudem dafür, dass manche Gesichtszüge gerade in Kampfszenen minimal entgleist wirken - dafür hat man es hier immerhin mit hundertprozentiger Handarbeit zu tun.

Die "Lone Wolf & Cub"-Bände sind beinahe doppelt so umfangreich wie herkömmliche Manga-Ausgaben und mit einem Schutzumschlag versehen. Dennoch ist der mittlerweile auf knapp 13 Euro gestiegene Preis recht happig. Als kleine Entschädigung für die hohen Unkosten kann der Leser sich immerhin wie gewohnt an der guten Druckqualität und der kenntnisreichen Übersetzung von John Schmitt-Weigand erfreuen. Zudem enthält auch Band 26 einmal mehr ein hilfreiches Glossar, das wertvolle Erklärungen zur Gesellschaftsstruktur des historischen Japans und zu anderen wenig bekannten Fakten aus dem Alltagsleben des Landes liefert.

Fazit:

"Lone Wolf & Cub" steuert mit Band 26 unverkennbar auf das Finale zu: Die drei Kontrahenten Ogami Ittō, Yagyū Retsudō und Abe-no-Kaii befinden sich allesamt im Palast des Shoguns - einen würdigeren Ort für den Showdown kann es kaum geben. Dem bedeutsamen Schauplatz angemessen, begegnen Ogami Ittō und Yagyū Retsudō sich auch weiterhin mit viel Respekt. Im Gegensatz dazu gibt ihr Gegenspieler Abe-no-Kaii weiterhin eine höchst jämmerliche und ehrlose Figur ab, muss sich allerdings diesmal seinerseits einer von Retsudō eingefädelten Intrige erwehren. Als drittletzter Band der Serie ist dieser Comic natürlich für Neueinsteiger reichlich ungeeignet. Kenner des Samurai-Epos werden "Lone Wolf & Cub" 26 aber auf keinen Fall verpassen wollen und dürfen sich einmal mehr an den angenehm unaufdringlichen, aber dennoch ausdrucksstarken Zeichnungen von Gōseki Kojima erfreuen.
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