Arcanum - Im Zeichen des Kreuzes 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Montag, 29. Juni 2009

Arcanum - Im Zeichen des Kreuzes

Originaltitel: Sign of the Cross
Übersetzt von: Regina Winter

Verlag: Knaur
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-426-63528-5
Preis: 8,95 EUR

528 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
4.4

Wertung:
4.4
von 10
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Zum Inhalt:

In vier Ländern werden Männer gefunden, die man ans Kreuz geschlagen hat. Nur Interpol-Ermittler Nick Dial erkennt den Zusammenhang: Verbindet man auf einer Weltkarte die Fundorte mit zwei geraden Linien, entsteht ein Kreuz. Dort, wo sich die Linien treffen, liegt Orvieto, jene Stadt in Umbrien, die im Mittelalter Sitz der Päpste war - und in deren geheimen Katakomben nichts Geringeres verborgen liegt als das größte Geheimnis des Christentums. Eine skrupellose Gruppe ist bereit, dafür über Leichen zu gehen ...

Meinung:

Der amerikanische Autor Chris Kuzneski arbeitete als Englisch-Lehrer, bevor er anfing, Romane zu schreiben. Sein Erstlingswerk "The Plantation" erschien 2002 und seitdem hat er weitere Bücher geschrieben, die alle durch die beiden Protagonisten Jonathon Payne und David "D.J." Jones miteinander verbunden sind. "Arcanum" ist das zweite Werk des Autors, was man dem Thriller jedoch nicht anmerkt, da für den Lesegenuss kein Vorwissen benötigt wird.

Ausgangspunkt für die Geschichte ist der Pater Erik Jansen, der genau wie einst Jesus Christus ans Kreuz geschlagen wurde. Zuerst erscheint dieser Mord zwar außergewöhnlich, jedoch nicht allzu besorgniserregend. Doch als dann eine weitere Leiche in derselben Position gefunden wird wie der Pfarrer, schaltet sich Interpol ein. Der Agent Nick Dial übernimmt die Ermittlungen und stößt bald auf eine Verschwörung, die ihren Ursprung in einem wichtigen archäologischen Fund hat.

Dieser wurde von dem Professor Dr. Charles Boyd und seiner Assistentin Maria Pelati gemacht. Kurz nach ihrer Entdeckung wird ein Mordanschlag auf die beiden verübt, sodass sie fliehen müssen. Unterdessen geraten die beiden Amerikaner Jonathon Payne und David Jones bei einer geheimen Mission in Gefangenschaft. Da die US-Regierung offiziell nichts von ihrer Tätigkeit weiß, sind sie auf sich alleine gestellt. In dieser aussichtslosen Situation macht ihnen ein fremder Mann, der über den nötigen Einfluss zu verfügen scheint, um sie aus dem Gefängnis zu befreien, ein Angebot.

Als Gegenleistung verlangt er von den beiden, dass sie den Wissenschaftler Boyd mitsamt seinem archäologischen Fund aufspüren und gefangen nehmen. Angeblich soll dies den örtlichen Behörden nicht möglich sein. Zum Schein gehen die zwei ehemaligen Elitesoldaten auf das Angebot ein, um aus dem Gefängnis zu kommen. Doch ist ihnen klar, dass an der Geschichte etwas nicht stimmen kann. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sie beim Treffen mit dem Wissenschaftler und seiner Hilfskraft diese nicht festnehmen, sondern sich mit ihnen zusammentun. Gemeinsam erleben sie ein turbulentes Abenteuer und stoßen auf ein Geheimnis, das mit dem Tod von Jesus Christus zu tun hat und welches sich die Anhänger schon erwähnter Verschwörung zunutze machen wollen.

Spätestens seit Dan Brown sind Thriller, die etwas mit Religionen und dazu gehörigen Verschwörungen zu tun haben, sehr beliebt. "Arcanum" reiht sich da mühelos ein, denn der Autor benutzt jedes erdenkliche bekannte Handlungselement, das man von solchen Romanen erwarten würde, um die Geschichte voranzutreiben. Dabei gibt er sich allerdings nicht die Mühe, etwas Eigenständiges aus diesen Klischees zu machen. Besonders auffällig ist da sicherlich die mysteriöse Entdeckung, deren Existenz natürlich die christliche Religion gefährdet. Ein solcher Plot dürfte dem Durchschnittsleser bekannt vorkommen und er wird auch hier nicht sonderlich variiert.

Beim Lesen wird deutlich, dass es im Buch eine unübersehbare Abgrenzung zwischen Gut und Böse gibt. Übergänge oder Grautöne findet man nicht. Ganz im Gegenteil: Die einzelnen Fraktionen handeln genauso, wie man es von ihnen erwartet. Das fängt schon bei der ominösen bösen Gruppe an, die die Entdeckung des Archäologen für sich nutzen will. Dies soll im Geheimen passieren, was jedoch mit ihren Aktionen nicht ganz übereinstimmt, denn für ihre Ziele gehen sie über Leichen. Notfalls töten sie in aller Öffentlichkeit Menschen, nur um dies später wieder zu vertuschen.

Dies wirkt sich leider negativ auf die Glaubwürdigkeit der Handlung aus. Zudem ist es so, dass die Gegenseite die ganze Zeit über nahezu gesichtslos bleibt. Sie ist praktisch nur ein anonymer Mob, gesteuert von einem unbekannten Oberhaupt. Nur selten tauchen Figuren auf, die einen Versuch darstellen, diesen Gegnern so etwas wie ein Gesicht zu geben, damit der Leser sie besser wahr- und ernstnehmen kann. Doch wird dies durch das teilweise inkompetente Verhalten der Personen zunichte gemacht.

Bei den Protagonisten ist eine eindeutige Aufteilung der Aufgaben erkennbar: Fürs Grobe - und damit auch fürs Kämpfen - sind die beiden ehemaligen Elitesoldaten Jonathan Payne und David "D.J." Jones zuständig. Sie machen diesen Job sehr gut, wobei auffällt, dass sie ihrem Gegner nahezu immer überlegen sind. Dieser eklatante Mangel an persönlichen Schwächen stört ebenso wie die teilweise recht detaillierte Schilderung ihres blutigen Handwerks.

Den intellektuellen Part der Geschichte übernehmen der Archäologe Charles Boyd und seine Assistentin Maria Pelati. Sie haben nicht nur den aufsehenerregenden Fund gemacht und interpretieren ihn, sondern sie lösen auch immer wieder neuen Ärger aus, der für weitere Verwicklungen sorgt. Davon abgesehen, gelingt es Chris Kuzneski diese beiden Charaktere glaubwürdig darzustellen, ohne allzu sehr ins klischeehafte abzudriften. Besonders Maria Pelati ist nicht die "Damsel in Distress", sondern eine eigenständige Frau, die für den Fund ihres Lebens einiges auf sich nimmt.

In diesem Sammelsurium an verschiedenen Figuren ist Nick Dial die hervorstechenste. Er wird als ein sehr scharfsinniger und unkonventioneller Ermittler beschrieben, was ihn dem Leser sofort sympathisch macht. Allerdings gibt es bei seinem Erzählstrang das Problem, dass er zu lange ohne Verbindung zum Hauptplot verläuft, wodurch man als Leser das Gefühl hat, dass dieser nicht von Relevanz ist. Erst im letzten Viertel des Romans überschneiden sich endlich alle Handlungsebenen. Dabei gelingt es dem Autor, alle in Übereinklang zu bringen, ohne dass es forciert wirkt.

Fazit:

Das Beste an "Arcanum" ist sicherlich, dass Chris Kuzneski mit diesem Titel einen Roman abliefert, der wirklich Neueinsteigerfreundlich ist. Nichts deutet darauf hin, dass in den USA bereits ein Vorgänger existiert. Ansonsten bedient sich der Autor jedes erdenklichen Klischees: Die Handlung rund um das von Professor Charley Boyd entdeckte Geheimnis, welches die Christenheit erschüttern kann, erinnert stark an die Bücher von Dan Brown, ohne die von dort bekannten Elemente irgendwie zu variieren. Gut und Böse sind klar definiert und voneinander getrennt. Grauschattierungen gibt es nicht, was dazu führt, dass die Personen, die der Gegenseite ein Gesicht geben, durch ihre Aktionen geradezu lächerlich wirken. Die einzelnen Handlungselemente laufen zu lange nebeneinander, auch wenn es dem Autor immerhin gelingt, im letzten Viertel die verschiedenen Erzählstränge zueinander zu bringen, ohne dass es forciert wirkt. Ebenso gibt es für einige Plots keinerlei Auflösung. Sie laufen einfach ins Leere.
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