Fast nackt - Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben 
Bücher: Sachbuch Erlebtes & Reiseberichte
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 6. Juni 2009

Fast nackt - Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben

Originaltitel: A Life Stripped Bare: My Year Trying to Live Ethically
Übersetzt von: Theda Krohm-Linke

Untergenre: Ratgeber
Verlag: Piper
Erschienen: Juni 2008
ISBN: 978-3-492-25022-1
Preis: 8,95 EUR

320 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
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Zum Inhalt:

Fair-Trade-Apfel aus Übersee oder heimischer Bioapfel? Was halten auswaschbare Windeln aus? Ein Jahr lang hat der Journalist Leo Hickman versucht, ohne schlechtes Gewissen zu leben: gesunde Ernährung, schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Versuch, bestimmten Großkonzernen seine Kaufkraft zu entziehen. Mit viel Witz berichtet er davon, wie er und seine Familie sich erfolgreich umgestellt haben - und damit ihr Leben von Grund auf umgekrempelt haben.

Meinung:

Als Leo Hickman und seine Frau das erste Kind erwarteten, kam für ihn der Moment, in dem er über sein Leben, seinen Umgang mit der Umwelt und somit auch über sein Kaufverhalten nachdachte. Spontan beschloss er, ein Jahr lang so ökologisch und ethisch korrekt wie irgend möglich zu leben - ein Entschluss, der von seiner Frau nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen wurde, da er doch auch auf ihr Leben weitreichende Folgen haben würde. In "Fast nackt" beschreibt der Journalist die Erfahrungen, die er mit seinem Versuch, seinen Alltag umzugestalten, gemacht hat.

Gleich zu Beginn dieses Experiments hat Leo Hickmann drei Berater eingeladen, die seinen Haushalt überprüfen und ihm bei seinen Verhaltensveränderungen zur Seite stehen sollen: Renee Elliott, Aufsichtsratsmitglied der "Soil Association" und Gründerin der "Planet Organic"-Bioläden in London, Mike Childs, Marketingleiter bei "Friends of the Earth", und Hannah Berry, Journalistin beim Verbrauchermagazin "Ethical Consumer", stellen den Autor schon in den ersten Minuten vor eine schwere Prüfung. Schnell haben Leo Hickmann und seine Frau das Gefühl, dass sie bisher nichts in ihrem Leben richtig gemacht haben - aber auch, dass sich nicht einmal diese Experten darüber einigen können, wie man sich ethisch und ökologisch korrekt zu verhalten hat.

Einige der für den Autor relevanten Vorschläge können bei einem deutschen Leser nur zu einem belustigten Kopfschütteln führen, gerade bei Themen wie "Mülltrennung" wird deutlich, wie sehr sich der britische und der deutsche Umgang mit den Abfällen voneinander unterscheiden. Doch auch wenn man hier das Gefühl hat, dass einem schon vertraute Informationen ausführlich zugetragen werden, gibt es hier - genau wie bei den folgenden Themen - immer wieder Momente, die einem einen neuen Denkanstoß bieten können. Natürlich ist einem grundsätzlich bewusst, welche Müllberge Tag für Tag entstehen, aber erst, wenn man wieder einmal beschrieben bekommt, welche Auswirkung dieses Wegwerf-Verhalten auf die Umwelt hat, bekommt man wieder den Anstoß, seinen eigenen Konsum kritisch zu beäugen.

Die Beschreibungen der Probleme, denen sich Leo Hickman und seine Frau ausgesetzt sehen, als sie versuchen, ihr Leben so drastisch zu ändern, sind überaus amüsant gehalten und lassen sich hervorragen lesen. Und doch macht allein schon eine Szene, bei der die beiden versuchen, im Supermarkt einzukaufen, sehr nachdenklich. Ökologisch zu leben, erfordert schon eine besondere Anstrengung vom Käufer, auch wenn die immer populärer werdenden Bio-Märkte es einem (theoretisch) immer leichter machen. Aber wenn der Verbraucher dann auch noch auf eine ethisch korrekte Lebensweise achten möchte, wird es richtig kompliziert.

Letztendlich kommt der Autor nach einem Jahr des Selbstversuchs zu dem Schluss, dass es auf jeden Fall wichtig ist, dass man jederzeit die Augen offen hält und sich genau überlegt, was man unter welchen Umständen kaufen möchte, doch dass heutzutage ein rein ökologisches und ethisches Leben kaum noch möglich ist. Wie bei so vielen Dinge läuft es letztendlich darauf hinaus, einen Kompromiss zu finden, um möglichst achtsam mit der Natur und seinen Mitmenschen umzugehen.

Obwohl sehr viele Vorschläge, die die drei Experten Leo Hickman gemacht haben, selbstverständlich sein sollten, bietet "Fast nackt" auch demjenigen, der sich für informiert und aufmerksam hält, neue Denkanstöße. So ist es zwar inzwischen regelrecht ein Trend geworden, Bio-Produkte zu kaufen, aber wer macht sich schon Gedanken darüber, bei was für einer Bank er ist - und welche Projekte von dieser mit seinem Geld finanziert werden. Egal, wie viel Mühe man sich in seinem Leben gibt, es gibt immer wieder Punkte, die im Alltag untergehen oder auf die man von selbst noch gar nicht gekommen ist und auf die dieser Titel aufmerksam macht. Sehr schön ist auch das "Kleine ethische Internet-Adressbuch" am Ende des Buches, in dem der Leser für den deutschsprachigen Raum gültige Adressen findet, unter denen man sich weiter zu den verschiedenen Themen informieren kann.

Fazit:

Sehr viele neue Informationen bringt der Titel "Fast nackt" für den aufmerksamen und ökologisch bemühten Leser nicht. Doch trotzdem kann man durch die amüsanten Versuche des Autors Leo Hickman, ökologisch und ethisch korrekt zu leben, wieder einen neuen Blick auf seinen Alltag und den einen oder anderen Denkanstoß bekommen. Und für denjenigen, der sich intensiver mit den verschiedenen Themen beschäftigen möchte, bietet das Buch auch noch eine übersichtliche und informative Auflistung von Internet-Adressen zu den verschiedenen Ansprechpartnern.
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