Drachenwacht 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Dienstag, 2. Juni 2009

Drachenwacht

Originaltitel: Victory of Eagles
Übersetzt von: Marianne Schmidt

5. Band der Reihe

Verlag: Penhaligon
Erschienen: Februar 2009
ISBN: 978-3-7645-3015-0
Preis: 14,95 EUR

416 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Der Feuerreiter Seiner Majestät Will Laurence und sein Drache Temeraire retteten die französischen Drachen vor einer tödlichen Seuche - und machten sich damit des Hochverrats an Großbritannien schuldig. Nun wird Will Laurence degradiert und Temeraire in ein Zuchtgehege nach Schottland verbannt. Da überquert Napoleon mit seiner Armee den Kanal, und jeder Feuerreiter wird gebraucht. Sofort eilt Laurence nach Schottland - doch sein treuer Freund ist verschwunden ...

Meinung:

Mit "Drachenwacht" bringt Naomi Novik ihren ersten Romanzyklus zum Abschluss. Die Handlung knüpft direkt an das vorherige Buch "Drachenglanz" an. Will Laurence und der Himmelsdrache Temeraire haben den französischen Drachen ein Heilmittel gegen die tödliche Seuche gebracht, die auch die großen geflügelten Reptilien ihrer Heimat befallen hatte. Damit haben sie wissentlich gegen ein Verbot ihrer Oberbefehlshaber verstoßen und müssen nun mit den Konsequenzen leben. Für die Feuerechse heißt dies Verbannung in ein schottisches Zuchtgehege und somit die Trennung von ihrem Freund und Kapitän. Eine Situation, mit der sie nur schwer zurechtkommt. Will hingegen drohen entweder die Verbannung oder sogar die Hinrichtung wegen Hochverrats.

Doch dann fällt Napoleon in das Land ein und beginnt einen Eroberungsfeldzug, der das einst so stolze Empire an den Rand des Untergangs drängt. In dieser Situation sind erst einmal alle Überlegungen wegen einer Strafe hinfällig - und die Dienste von Drache und Kapitän wieder gefragt. Alles läuft auf eine finale Auseinandersetzung zwischen den beiden Großmächten hinaus. Bereits in "Drachenglanz" hat die Autorin die exakten historischen Gegebenheiten ignoriert und stattdessen ein sehr interessantes "Was wäre, wenn ...?"-Szenario erschaffen, das sie in diesem Band spannend fortführt. Der Konflikt zwischen den Franzosen unter Napoleons Herrschaft und dem britischen Empire hat es zwar in der realen Geschichte gegeben, jedoch kam es zu jener Zeit nie zu einer französischen Invasion.

In "Drachenwacht" lässt Naomi Novik das damalige Bedrohungspotenzial wahr werden und erschafft damit eine eindringliche Atmosphäre der Verzweiflung. Die Engländer haben den Krieg schon so gut wie verloren. Ihre Armeen und ihre Drachen sind denen ihres Gegners zahlenmäßig weit unterlegen. Dazu kommt auch noch, dass Napoleon die Himmelsdrachin Lien auf seiner Seite hat, die eine intensive Feindschaft mit Temeraire und Will Laurence verbindet. Eine große Herausforderung für die beiden Helden, da die Himmelsdrachin ebenso intelligent und gebildet ist wie ihr Gegenpart auf der Seite der Engländer.

Vor diesem Hintergrund brilliert die Autorin nun zum letzten Mal mit ihrer starken Figurendarstellung. Dem Drachen fällt es besonders schwer, mit seiner neuen Lage fertig zu werden. Er ist jetzt in einem Zuchtgehege auf sich allein gestellt, abgeschnitten von der Außenwelt und muss sich unter den vielen fremden Drachen erst einmal behaupten. Er scheint zu resignieren und alle Ereignisse widerstandslos hinzunehmen. Doch als es zur Invasion kommt, regt sich sein alter Kampfgeist wieder, und es zeigt sich dabei erneut, wie wenig er sich um die gängigen Konventionen und Regeln schert. Aus dem Nichts stampft er einen eigenen Kampftrupp aus dem Boden, um gegen den Feind vorzugehen. Dabei ist das Besondere an seiner Gruppe, dass sie nur aus Drachen besteht und er der Anführer ist. Eine für die Briten ungewöhnliche und schwer zu akzeptierende Situation.

Bei Will Laurence sieht die Ausgangssituation ähnlich hoffnungslos aus. Er wartet eigentlich nur noch darauf, dass er wegen Hochverrats hingerichtet wird, was er schicksalsergeben erträgt. Doch als Temeraires Kampftrupp auftaucht, wird seine Hilfe gebraucht. Obwohl die beiden daraufhin wieder vereint kämpfen können, erfahren sie nicht besonders viel Unterstützung von Seiten der britischen Armee.

Zusätzlich tauchen im Buch auch noch alte Bekannte auf. So trifft man auch die Drachin Iskierka und ihren Kapitän Granby, ein ehemaliges Mannschaftsmitglied von Temeraire, wieder. Granby hat es mit Iskierka nicht gerade einfach, da seine Feuerechse stur und dickköpfig ist. Sie weiß ihren eigenen Willen durchzusetzen. Dadurch sorgt sie immer wieder für Ärger, nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Drachen. Ihr Auftauchen, ihre Persönlichkeit und ihr spontaner Aktionismus, ohne groß über die Konsequenzen nachzudenken, sind bewusst gesetzte Kontrastpunkte gegenüber dem sorgfältigen Planer Temeraire. So ist sie immer wieder Quell der einen oder anderen Überraschung in der Handlung.

Fazit:

"Drachenwacht" bildet einen sehr guten Abschluss der fünfteiligen Buchreihe von Naomi Novik. Wieder einmal beweist die Autorin, dass ihre Stärke darin liegt, ihre Figuren glaubwürdig darzustellen. Dies merkt man besonders an Temerarire und Will Laurence, die beide in Ungnade gefallen sind und mit den daraus entstehenden Konsequenzen fertig werden müssen. Mit Vergnügen liest man, wie sie ihre Situation meistern. Gleichzeitig verdeutlicht die Autorin im Laufe des Buches, dass die Handlung in einer alternativen Dimension spielt, in der zwar berühmte historische Persönlichkeiten auftauchen, aber die historischen Abläufe vollkommen anders sind. So wagt Napoleon in diesem Buch eine Invasion Großbritanniens, welche in Wirklichkeit nie stattgefunden hat. Wie es dazu kommt und was die Engländer alles versuchen, um ihn zurückzuschlagen, wird sehr spannend erzählt.
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