Die Greenwich-Chroniken 2: Zeitenwirbel  Redaktionstipp
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 29. April 2009

Die Greenwich-Chroniken 2: Zeitenwirbel

Originaltitel: The Greenwich Chronicles: The Time Apprentice
Übersetzt von: Britta Waldhof

2. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Coppenrath
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-8157-9270-4
Preis: 16,95 EUR

448 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Alles beginnt mit einem Zeitbeben, das die Zeiten der Menschen und der Hüter durcheinanderwirbelt. Wenn es Zeitvater Tim nicht gelingt, wieder Ordnung zu schaffen, droht die ganze Welt im Chaos zu versinken. In den jahrhundertealten Hütertunneln unter der Erde begibt er sich auf die Suche nach dem Gemetbur, der sagenumwobenen Zeitkammer, die der allererste Hüter gebaut haben soll. Doch was er nicht weiß: Nur mit dem richtigen Schlüssel kann er sich Zutritt zu der Kammer verschaffen, andernfalls wird er das Tageslicht niemals wiedersehen. Als Tid und Sofie das herausfinden, begeben sie sich schnurstracks unter die Erde, um ihn zu warnen. Sie ahnen nicht, dass geisterhafte Schatten und Wrackas dort unten nach ihrem Leben trachten ...

Meinung:

Mit "Zeitenwirbel" erscheint auch der zweite Band der Greenwich-Chroniken von Val Tyler auf Deutsch und lässt den Leser weitere Abenteuer mit dem Zeitvater Tim und den Kindern Tid und Sofie erleben. Eineinhalb Jahre sind seit den Geschehnissen in "Die Zeitdiebe" vergangen und inzwischen ist das ehemalige Wracka-Mädchen Sofie bei den Hütern ganz heimisch geworden. So sehr fühlt sie sich schon als Hüterin, dass sie sich sogar weigert, mit ihrer ehemaligen Beschützerin zu reden, als die Wrackafrau auf einmal wieder in ihr Leben tritt.

Für den Zeitvater Tim und seinen Enkelsohn Tid gehört Sofie mittlerweile ebenfalls zur Familie, auch wenn sie das Mädchen nicht immer einbeziehen können, wenn sie in wichtigen Hüterangelegenheiten unterwegs sind. Eine solche wichtige Angelegenheit ergibt sich, als ein Zeitwobbel die Welten erschüttert. Nun muss der Zeitvater mit den erfahrensten Hütern und Hüterinnen einen Weg finden, die Zeit wieder in die richtige Bahn zu lenken. Sollte ihnen dies nicht gelingen, könnte das sowohl für die Menschen- als auch für die Hüterwelt das Ende bedeuten.

Während die Hüter verzweifelt nach einer Lösung für das Zeitproblem suchen, müssen sich die Wrackafrauen ganz anderen Herausforderungen stellen. In ihrer Gesellschaft leben Männer und Frauen getrennt - und keine Frau will, wenn ihr erst einmal die Flucht in die Frauentunnel gelungen ist, wieder zurück unter die Herrschaft der Männer. Doch nun drohen die Wrackas, die Trennwand zwischen dem Männer- und dem Frauenbereich zu durchstoßen, um die Geflohenen zurückzuholen. In ihrer Not suchen die Wrackafrauen Hilfe bei Sofie und ihrer neuen Hüterfamilie.

Für Seff, der Sofie aus der Drunterwelt der Wrackas in die Drüberwelt der Hüter gefolgt war, ist das neue Leben nicht so einfach wie für seine Freundin. Der Junge hat in der Schule keine Freunde gefunden und auch wenn sich die Hüterin von Greenwich als seine neue Großmutter aufmerksam um ihn kümmert, fühlt sich der Kleine doch recht verloren in der fremden Welt. Umso glücklicher ist Seff, als er während eines weiteren Zeitwobbels Kontakt zu einem Menschenjungen aufnehmen und sich mit ihm anfreunden kann. Nun hat er an den langen Nachmittagen im Greenwich Park Gesellschaft.

So wie Sofie in den letzten Jahren in der Hüterwelt ein Zuhause gefunden hat, so bekommt der Leser auch das Gefühl, dass sich Val Tyler in dem zweiten Band der Reihe in der von ihr erschaffenen Welt heimischer fühlt. Die Charaktere werden von der Autorin nicht mehr so eindeutig schwarz und weiß beschrieben wie noch im ersten Band. Und sogar die eigentlich so freundlichen und weisen Hüter zeigen deutlich mehr menschliche Schwächen, während es auch unter den widerlichen Wrackas immer wieder Figuren gibt, die die Sympathie des Lesers auf ihrer Seite haben.

Geschickt gelingt es Val Tyler, die Motivationen der verschiedenen Personen darzustellen und auf Themen wie Einsamkeit, Freundschaft und Vertrauen einzugehen, ohne dass dabei die Spannung leidet. In einer kindgerechten Erzählweise erlebt der Leser so eine abenteuerliche Geschichte und darf zusammen mit den Charakteren um den Fortbestand der Welt bangen. Vor allem aber ist es wirklich wunderbar, wie die Autorin (ohne dabei allzu plakativ zu werden) aufzeigt, wie sehr ein Austausch zwischen verschiedenen Gesellschaften zu einer Bereicherung des Lebens führen kann, während Vorurteile einem die Sicht nehmen für das Potenzial, das in einer Person steckt.

Fazit:

"Zeitenwirbel", Val Tylers zweiter Band der Greenwich-Chroniken, ist sogar noch schöner zu lesen als der erste Teil der Reihe ("Die Zeitdiebe"). Der Autorin gelingt es in dieser Fortsetzung, ihre fantastische Welt weiter auszubauen und sowohl das Volk der weisen Hüter als auch die nichtsnutzigen Wrackas deutlich stimmiger darzustellen. Für Kinder ab acht Jahren bietet dieser Roman eine wunderbare Abenteuergeschichte voll fantastischer Elemente, in die so wichtige Themen wie Freundschaft, Liebe und Vertrauen stimmig eingewebt sind.
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