Das abenteuerliche Leben des Drachen Meris  Redaktionstipp
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 24. März 2009

Das abenteuerliche Leben des Drachen Meris

Untergenre: Fantasy
Verlag: Olms
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-487-08819-8
Preis: 19,80 EUR

440 Seiten
Inhalt
10.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
9.8

Wertung:
9.8
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Eigentlich könnte der Drachenjunge Meris in der Drachenstadt glücklich sein - wenn er nicht ständig im Schatten seiner älteren Schwester Tula stünde, die immer alles besser kann und jeden Schulwettkampf mühelos gewinnt. Sie ist der Liebling ihres Vaters, um dessen Anerkennung Meris sich vergeblich bemüht. Eines Tages bekommt Tula vom Drachenrat eine wichtige Aufgabe zugeteilt. Als sie von dieser Mission nicht zurückkehrt, bringt Meris seinen Vater dazu, eine Suchmannschaft über das Gebirge zu schicken. Meris darf dabei sein, doch was als spannendes Abenteuer beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einem Alptraum, der ihn an all seinen Idealen zweifeln lässt. Er verlässt die Drachenstadt und führt ein wildes Leben unter Piraten und Glücksspielern, bis er in der Stadt am Meer schließlich seine eigentliche Begabung entdeckt und seinen eigenen Weg findet.

Meinung:

"Das abenteuerliche Leben des Drachen Meris" ist das zweite Kinderbuch der Autorin Ursula Wolter. In ihrem ersten Roman "Timona - Vom Witterwald in die Drachenstadt" wurde die Geschichte eines kleinen Drachenmädchens erzählt, das auf seinem Weg in die Heimat der Mutter so einige schreckliche Geheimnisse seiner Familie erfährt. Nun berichtet die Autorin vom Leben des Drachen Meris. Dieser ist Timonas Onkel und seine Geschichte spielt früher als die Erlebnisse seine Nichte. Für den Leser ist vor allem relevant, dass beide Bücher unabhängig voneinander gelesen werden können, auch wenn einige Figuren in beiden Romanen vorkommen.

Der Drachenjunge Meris liebt es, seine Nase in Romane zu stecken und von den Erlebnissen des Abenteurers Mirko zu lesen. In diesen Stunden kann er vergessen, dass ihm nichts so gut gelingt wie seiner großen Schwester Tula und dass seine Eltern sich immer lieber um den Gemüseladen kümmern als um ihn. Auch in der Schule läuft es nicht so toll für Meris. Im Mathematikunterricht langweilt er sich und in den anderen Stunden hat er das Gefühl, er würde die Erwartungen seiner Lehrer nicht erfüllen können. Nur der Arzt Ibor scheint Meris so zu mögen, wie er ist, auch wenn der Drachenjunge nicht so begeistert reagiert, als Ibor sich mit Tula verlobt.

Doch dann bekommt Tula vom Drachenrat eine fast unlösbare Aufgabe gestellt und verschwindet bei der Erkundung eines Weg ins Land der Saurier im gefährlichen Wolkengebirge. Für Meris ist die anschließende Suche nach seiner verschollenen Schwester die Gelegenheit, nicht nur endlich einmal selbst ein Abenteuer zu erleben, sondern beweisen zu können, dass auch er seinen Nutzen für die Drachengesellschaft hat.

Nur zu schnell muss der Drachenjunge feststellen, dass diese Expedition nichts gemein hat mit den Abenteuern, die in den Mirko-Büchern beschrieben werden. Der Weg über das Wolkengebirge ist lang und gefährlich und seine Mitreisenden werden schwer verwundet. Es gelingt ihnen, Tula zu finden und in die Drachenstadt zurückzubringen, doch die Tatsache, dass kein Drache jemals die Wahrheit über die Ereignisse dieser Reise erfahren darf, lässt Meris nicht nur an seiner Familie, sondern auch an der Drachengesellschaft an sich zweifeln.

Er beschließt, die Drachenstadt zu verlassen und sein Glück in der Stadt am Meer zu versuchen, wo die verschiedenen Völker friedlich zusammenleben. Doch so einfach ist der Weg in ein neues Leben nicht. Meris wird von Küstenmakaien gefangen genommen, dient unter einem zweiköpfigen Hund bei den Piraten, muss vor Feuerhyänen fliehen und gibt doch, trotz aller Widrigkeiten, die Suche nach einem erfüllten Leben nie ganz auf.

Ursula Wolter gelingt es, die verschiedenen Stationen des Drachen Meris überzeugend darzustellen. Der Leser bedauert den vereinsamten Jungdrachen, bemitleidet ihn, als er versklavt wird, und schüttelt den Kopf über sein Leben bei den Piraten. Obwohl die Autorin sehr unverblümt die verschiedenen schrecklichen Ereignisse beschreibt, bleibt dieses Buch dabei immer kindgerecht. Gerade die Höhen und Tiefen, die Meris durchlebt, lassen ihn für den Leser wirklich werden. Die klare Sprache und die kurzen Kapitel tragen das Ihre dazu bei, dass dieser Roman sowohl sehr gut zum Vorlesen als auch zum Selbstlesen für Kinder geeignet ist.

Die Autorin besitzt ein wunderbares Talent, dem Leser Geschichten über das Erwachsenwerden, über die Suche nach dem richtigen Weg und über die Dummheit von Vorurteilen zu erzählen, ohne dass es einem bei der Lektüre ihrer Bücher auffällt. Die Geschichte von Meris ist - genau wie der Roman um das Drachenmädchen Timona - mitreißend geschrieben und regt einen nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Lachen und Weinen an.

Fazit:

Auch mit ihrem zweiten Kinderbuch, "Das abenteuerliche Leben des Drachen Meris", hat Ursula Wolters eine Geschichte geschrieben, die Leser jeden Alters durchgehend zu überzeugen weiß. Die Suche des Drachenjungen Meris nach einem glücklichen und erfüllten Leben ist wirklich mitreißend dargestellt und überfordert - trotz einiger erschütternder Szenen - auch ein sehr junges Publikum nicht. Ganz unmerklich wird der Leser dazu gebracht, sich über viele wichtige Dinge Gedanken zu machen, ohne dass darunter der Lesegenuss leidet oder gar die Spannung nachlässt.
Weiterführende Infos