Jungs zum Anbeißen 
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Heike Bellas   
Montag, 9. März 2009

Jungs zum Anbeißen

Originaltitel: Boys that Bite
Übersetzt von: Michaela Link

1. Band der Reihe

Verlag: Arena
Erschienen: Juni 2008
ISBN: 978-3-401-50089-8
Preis: 9,95 EUR

264 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
4.2

Wertung:
4.2
von 10
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Zum Inhalt:

Eine fatale Verwechslung! Der Vampir Magnus hat aus Versehen Sunshine gebissen - anstelle ihrer vampirbegeisterten Gothic-Zwillingsschwester Rayne, die sich monatelang auf ihre lang ersehnte Verwandlung vorbereitet hat. Für Sunny gibt es nur eine Frage: Wie kann diese Sache so schnell wie möglich rückgängig gemacht werden? Schließlich will sie mit dem Traumtyp ihrer Schule zum Abschlussball. Aber dann bietet Magnus seine Hilfe an, wer hätte das gedacht? Und er ist wirklich zum Anbeißen ...

Meinung:

Sunshine und Rayne McDonald sind Zwillingsschwestern und nicht einmal ihre Mutter könnte sie auseinanderhalten, wäre da nicht Raynes Leidenschaft für schwarze Klamotten und die Gothic-Szene. Doch genau diese beiden Umstände bringen Sunny in Teufels Küche. Als sie ihre Schwester in einen neuen Gothicclub begleitet, spricht sie ein junger Mann an und beißt sie in den Hals. Magnus - das beißwütige Orlando-Bloom-Double - ist nämlich ein Vampir und hat Sunny für Rayne gehalten, die nach ihrer heimlichen dreimonatigen Ausbildung verwandelt werden sollte.

Doch jetzt ist Sunny diejenige, die sich langsam zum Vampir entwickelt. Das passt ihr aber gar nicht, schließlich hat sie gerade der Schwarm aller Mädchen zum Abschlussball eingeladen und ihre Lebensplanung sah auch keine nächtlichen Aktivitäten und Blut vor, sondern eher sonnigen Urlaub und ein gutes College. Sie hat ab diesem Zeitpunkt sieben Tage Zeit, um die Verwandlung rückgängig zu machen, bevor sie abgeschlossen ist.

Nicht, dass sie bis dahin ihre Ruhe hätte vor den Problemen, die Vampire haben, zum Beispiel eine Aversion gegen Knoblauch und die Sonne oder den Drang, nachts wach zu bleiben und tagsüber zu schlafen. Zu ihrer Überraschung bietet ihr Magnus seine Hilfe an, doch sie merken schnell: Sunnys Verwandlung aufzuhalten, wird kein Zuckerschlecken.

"Jungs zum Anbeißen" ist eine Ansammlung von Klischees: Vampirklischees, Klischees über die Gothicszene und Klischeeteenager. Sunny ist zwar in manchen Momenten durchaus witzig und ironisch, größtenteils aber nervtötend und kindisch. Alles, was sie interessiert, sind Jungs und Filmassoziationen. Sie betont zwar ständig, dass sie zu dick wäre, ihre Stimme klinge wie die von Minnie Maus und so weiter, doch in Wirklichkeit wirkt sie arrogant und selbstverliebt.

Ihre Schwester Rayne dagegen führt den Leser in die andere Vorurteilsecke: Der Gothic-Stereotyp. Rayne ist überaus dramatisch angehaucht, übersexualisiert, in ihrem Kleiderschrank tummelt sich alles, was sich nur mit der Szene verbinden lässt: Lack, Spitze, Samt und bitte nur in schwarz. Sie hat ausführlich recherchiert, wie man Vampir werden kann, weil sie Macht, Reichtum und ewiges Leben will, denn ein "normales Spießerleben, wie jeder andere es führt" hält sie für eine Zumutung. In dem Club "Club Fang" wird nur Musik gespielt, die sich auf Tod und Trauer bezieht und natürlich kann kein einziger Besucher wirklich tanzen, sondern alle schlurfen nur herum.

Besonders traurig an dieser Ausschöpfung überholter Klischees ist, dass die Autorin sich laut eigener Aussage selbst in der Gothicszene bewegt und der "Club Fang" ein real existierendes Vorbild besitzt. Doch für jemanden, der die Szene so hautnah kennt, scheint Mari Mancusi gegenüber Facetten oder nicht-stereotypen Auftretensweisen ziemlich blind zu sein.

"Jungs zum Anbeißen" schwimmt auf der momentanen Vampirromanwelle mit, distanziert sich aber von neuen Auslegungen des Wesens Vampir, sondern konzentriert sich auf das, wovon auch die meisten Filme ausgehen: Vampire vertragen kein Sonnenlicht, sie hassen Knoblauch, sie trinken Blut von Blutspendern, wohnen in riesigen Gruften unter Friedhöfen und sind absolut unwiderstehlich durch ihren "Vampirduft".

In manchen Momenten könnte man denken, Mari Mancusi hätte sich einfach alles unter den Nagel gerissen und neu verarbeitet, dessen sie habhaft werden konnte. Filme werden pausenlos zitiert, jede Person erinnert an einen Filmstar. Ihre Lieblingsserie Buffy wird auch des Öfteren eingebunden und Lesern der in Amerika erfolgreichen Serie "House of Night" von P.C. Cast kommt Sunnys Teenagerverhalten auch vage bekannt vor.

Gegen Inspiration wäre ja nichts einzuwenden, würde die Autorin nicht pausenlos weit übers Ziel hinausschießen. Jede Figur scheint eine Parodie ihrer selbst zu sein, die Vampirjägerin ist nicht hübsch und sportlich, sondern pummelig, pickelig und trägt eine Zahnspange. Der Chef der Vampire sieht aus wie Haley Joel Osment aus "The Sixth Sense". Und Sunny ist nicht sympathisch teenagerhaft, sondern einfach nur nervtötend hormongesteuert.

Fazit:

Mari Mancusis "Jungs zum Anbeißen" ist eine Vampirgeschichte, die sich vieler Klischees bedient: Die Teenager sind hormongesteuert, die Vampire versprechen nichts Neues und die Handlung bewegt sich in einer stereotypen Gothicszene. Es scheint, als hätte sich die Autorin aus allen verfügbaren Serien, Büchern und Filmen über Vampire zusammengeklaut, was ihr für ihren eigenen Roman brauchbar erschien, und wäre dabei etwas zu übereifrig gewesen, denn die Protagonisten wirken nicht glaubwürdig, sondern eher wie Parodien.
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