Benjamin Piff und die Macht der Flüche  Redaktionstipp
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 7. März 2009

Benjamin Piff und die Macht der Flüche

Originaltitel: The Misadventures of Benjamin Bartholomew Piff: Wishing Well
Übersetzt von: Martin Baresch

Reihe: Benjamin Piff
3. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Loewe
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-7855-6328-1
Preis: 14,90 EUR

288 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Die Dschinns haben die Wunschwirkwerke verlassen! Nun steht die Fabrik vor größten Schwierigkeiten, denn ohne Dschinn-Magie arbeiten die Wunscherfüllungsmaschinen nicht mehr. Doch es kommt noch schlimmer: Die Dschinns wollen Rache üben. Einer aus ihrem Volk wurde von Bens böser Cousine Penelope gefangen genommen - ein schreckliches Vergehen! Mit Hilfe der Lampe der Tausend Albträume wollen sie nun die Menschheit bestrafen. Aber auch Penelope, die inzwischen Präsidentin der Fluchwirkwerke ist, beansprucht die Wunderlampe für sich, um ihre fiesen Pläne zu verwirklichen. Es gibt nur eine Möglichkeit, das Entsetzliche zu verhindern: Ben und seine Freunde müssen die vier Geheimwaffen finden, die zusammen eine unglaubliche magische Kraft entwickeln. Tief unter der Erde im Tunnellabyrinth des Wunschbrunnens ist eine der Waffen versteckt. Aber dort lauern nicht nur Trolle und Fluchmaschinen, sondern auch die urgewaltigen Elementaren mit ihrer ganzen furchterregenden Macht ...

Meinung:

Die Wirtschaftskrise hat nun wohl auch den Loewe-Verlag erreicht, denn der dritte Benjamin-Piff-Band ist gleich zwei Euro teurer als seine Vorgänger - womit das Buch aber immer noch nicht mehr kostet als vergleichbare Titel bei anderen Verlagen. Für diesen Aufpreis erwartet den Leser mit "Benjamin Piff und die Macht der Flüche" wieder ein wunderbares Abenteuer in der magischen Welt der Wunschwirkwerke. Jason Lethcoe scheinen die Ideen rund um diese fantastische Fabrik, in der Wünsche wahr werden, so schnell nicht auszugehen und so finden sich auch hier wieder einige neue Gestalten und bezaubernde Örtlichkeiten. Dieser Band ist ebenso wie die beiden vorherigen Bücher der Reihe mit Illustrationen versehen, die der Autor mit leichtem Strich selbst gezeichnet hat.

Nachdem Bens verzogene Cousine Penelope in "Benjamin Piff und der Verlust der Träume" die Macht in den magischen Wunschwirkwerken an sich gerissen hatte, liegt die Fabrik in Trümmern. Die Flattersessel sind zerstört, die Gebäude haben der Schlacht gegen Penelope und ihr Gefolge nicht standhalten können, und viele der unglaublichen Erfindungen der letzten Jahrhunderte sind unwiederbringlich verloren. Doch der schlimmste Verlust für diese einzigartige Institution ist der Abzug der Dschinn.

Vor langer Zeit gab es einen Friedensvertrag zwischen dem Volk der Dschinn und dem damaligen Präsidenten der Wunschwirkwerke, der besagte, dass alle Wunderlampen zu zerstören seien, damit die Dschinn nie wieder gegen ihren Willen gefangen und ausgenutzt werden könnten. Doch irgendwie war es Penelope bei ihrer unrechtmäßigen Machtergreifung gelungen, eine vergessene Wunderlampe mitsamt dem darin eingesperrten Dschinn in die Hände zu bekommen. Die Tatsache, dass noch immer magische Lampen existieren, stellte in den Augen der Dschinn einen unverzeihlichen Vertragsbruch da. So verließen sie die Wunschwirkwerke, die ohne die Magie dieses Volkes fast handlungsunfähig sind.

Während Thomas Candlewick, Präsident der Wunschwirkwerke, in diplomatischer Mission in Dschinnistan unterwegs ist und versucht, den nahenden Krieg abzuwenden, beauftragt er Benjamin Piff, die Gnomenstadt Tiktokket aufzusuchen. Ben soll gemeinsam mit seinen Freunden und den Gnomen auf die Suche nach den beiden verschollenen Wunderwaffen "Rummsknuffer" und "Schwirrwirblerschleuder" gehen. Zusammen mit dem "Ankläger" und dem "Füllhorn" wären diese Erfindungen die einzige Chance, die die Wunschwirkwerke in einem Krieg gegen die Dschinn hätten. Doch auch Penelope und ihre verdorbenen Bundesgenossen schmieden derweil eigene Pläne.

Die Benjamin-Piff-Reihe hat auch in diesem dritten Teil ihre Magie noch nicht verloren. Vor den Augen des Lesers breitet Autor Jason Lethcoe eine ungewöhnliche und zauberhafte Welt aus, in der einem Märchenfiguren begegnen, die sich so gar nicht märchenhaft benehmen. Allein die Fülle an liebevollen Details und skurrilen Charakteren sorgt schon für eine Menge Vergnügen beim Lesen und wird nur noch übertrumpft von der Neugier darauf, wie die Abenteuer, die Ben und seine Freunde auf ihrer Suche bestehen müssen, ausgehen.

Während der Autor die Gnomenstadt Tiktokket nur kurz streift, stellt er Ben für den weiteren Weg ein Mitglied dieses Volkes zur Seite. Der kleine technikverrückte Gnom ist eine ungewöhnliche Bereicherung für die Gruppe um Benjamin Piff und sorgt für so manchen Moment zum Schmunzeln. Und diese kleinen, amüsanten Szenen braucht es auch, damit der Weg durch die unterirdischen Tunnel in die Gnomenstadt und weiter auf der Suche nach den magischen Waffen nicht gruseliger wird, als es das noch recht junge Zielpublikum vertragen könnte. Ben und seine Freunde müssen allerlei Gefahren bewältigen, begegnen immer wieder Horden von bösartigen Trollen, die in Penelopes Auftrag durch die Tunnel streichen, und stehen am Ende ihres Weges vor einer beinahe unlösbaren Prüfung. Nur aufgrund ihrer verschiedenen Fähigkeiten und ihres Vertrauens in ihre Freundschaft gelingt es Ben und den anderen, überhaupt so weit zu kommen.

Wieder einmal schafft es Jason Lethcoe sehr schön - und ohne dabei plakativ zu wirken -, dem jungen Leser ein paar Werte zu vermitteln, die im Leben wichtig sind. Vielleicht macht sich hier seine berufliche Vergangenheit in den Disney-Studios bemerkbar. Während man in "Benjamin Piff und der Verlust der Träume" nur für einen sehr kurzen Moment Mitgefühl mit Bens Cousine Penelope haben konnte, deren Eltern den Mangel an Aufmerksamkeit mit einem Übermaß an Geschenken bei ihrem Kind ausgleichen wollten, gibt es auch in "Benjamin Piff und die Macht der Flüche" auf der gegnerischen Seite einen Charakter, dessen Beweggründe der Leser durchaus nachvollziehen kann.

Die Frage, wie es mit Penelopes Verbündetem Preztoe weitergehen wird, hält einen ebenso in gespannter Erwartung auf den nächsten Band wie der nicht gerade glückliche Ausgang dieses Romans mit all seinen offenen Fragen. Und auch wenn man zu Beginn dieses Buches eine Zusammenfassung der vorhergehenden Ereignisse vorfindet, wird die Geschichte um Benjamin Piff und seine Abenteuer in den Wunschwirkwerken langsam zu komplex, um ohne das Vorwissen aus den ersten beiden Bänden genossen werden zu können. Die Handlung in "Benjamin Piff und die Macht der Flüche" ist so eng mit dem zweiten Teil verbunden, dass einem doch eine Menge entgehen würde, wenn man versuchen würde, dieses Buch separat zu lesen.

Fazit:

Mit "Benjamin Piff und die Macht der Flüche" scheint Jason Lethcoe noch lange nicht alle Abenteuer des Waisenjungen in den Wunschwirkwerken erzählt zu haben. Der Autor bringt so viele neue Ideen und Figuren in dieses Buch ein, dass es für den Leser immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Dabei bleibt bei all den fantastischen Elementen die Spannung bei Weitem nicht auf der Strecke. Ben und seine Freunde müssen auf der Suche nach zwei verschollenen magischen Waffen eine Menge Gefahren in den unterirdischen Tunneln unter der Fabrik erleben, während ihnen ihre Gegner dicht auf den Fersen sind. Da viele Ereignisse in diesem Band auf den Vorgängen in "Benjamin Piff und der Verlust der Träume" basieren, sollte man - trotz einer Zusammenfassung der vorhergehenden Geschehnisse in diesem Buch - die beiden ersten Romane um Benjamin Piff gelesen haben, damit man nicht zu viel verpasst.
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