Biomega 1 
Comics: Manga Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Manuel Tants   
Montag, 2. März 2009

Biomega 1

Autor: Tsutomu Nihei
Zeichner: Tsutomu Nihei

Originaltitel: Biomega Vol. 1
Übersetzt von: Costa Caspary

Reihe: Biomega
1. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-7704-6985-7
Preis: 6,50 EUR

224 Seiten
Inhalt
7.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.9

Wertung:
7.9
von 10
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Zum Inhalt:

Im Jahr 3005 reisen Menschen zum ersten Mal seit 700 Jahren wieder zum Mars. In einer verfallenen Kolonie, in der es weder Wasser noch Sauerstoff gibt, begegnet die Besatzung des Forschungsraumschiffes einer Frau ... Bei der Rückkehr hat das Raumschiff im Orbit der Erde einen schweren Umfall: Die mit einem bisher unbekannten Virus infizierte Leiche eines Besatzungsmitglieds treibt im Weltall und verliert ständig Sporen ... Ein halbes Jahr später, auf der Erde: Der synthetische Humanoid Kanoe Zoichi, ein Agent der Toha Industries, dringt in 9JO ein, eine künstliche Insel, die von der DRF (Data Recovery Foundation) kontrolliert wird. Hier wimmelt es bereits von "Dronen" (Menschen, die mit dem N5S-Virus infiziert wurden). Noch 15 Stunden, und die ganze Erde ist infiziert ...

Meinung:

Auf den ersten Blick wirkt es so, als würde Tsutomi Niheis neue Serie "Biomega" sich kaum von seinem bislang erfolgreichsten Werk "BLAME!" unterscheiden: Nicht nur das Setting und die Hauptfigur wirken optisch nahezu identisch. Auch die Grundzüge der Story scheinen große Parallelen aufzuweisen, denn es geht erneut darum, dass ein junger Mann in einer Endzeitwelt auf der Suche nach Menschen mit bestimmten Erbanlagen ist, während ominöse, kaum menschliche "Regierungstruppen" dies zu verhindern suchen. Der einzige auf den ersten Blick sichtbare Unterschied ist das Motorrad, auf dem sich "Biomega"-Protagonist Kanoe Zoichi durch den unendlichen Betondschungel bewegt. Doch bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass dieses schnelle Transportmittel symptomatisch für eine weitere, deutlich spürbare Abweichung von der "BLAME!"-Formel ist.

Denn "Biomega" weist durchweg ein deutlich höheres Tempo auf: Es gibt mehr Actionszenen und vor allem auch mehr Dialoge. Wo Killy einst Dutzende Seiten lang schweigend durch triste Gebäudekomplexe marschierte und der Leser sich mangels erklärender Worte viele Details der Handlung selbst zusammenreimen musste, prescht der wesentlich aktivere Kanoe Zoichi flott auf seiner Maschine von Schauplatz zu Schauplatz und nutzt die Reisezeit für Rücksprachen mit seiner Beraterin Fuyu. Durch diese Dialoge werden auch dem Leser viele Zusammenhänge verdeutlicht. Somit ist "Biomega" für sein Publikum wesentlich zugänglicher als das vorangegangene Werk des Künstlers.

Doch diese Entwicklung birgt auch einen gewissen Nachteil in sich: Bei "BLAME!" war es notwendig, sich eigene Gedanken zu machen, um die wenigen Info-Häppchen zusammenzufügen. Diese intensive Beschäftigung mit der Materie, dieses Erarbeiten des Verständnisses stellte zwar eine gewisse Einstiegshürde dar, sorgte aber langfristig auch für eine sehr enge Bindung des Lesers zur Geschichte. Nun hingegen liegen alle Fakten wie auf dem Präsentierteller vor dem Publikum, sodass kaum eine Notwendigkeit besteht, aktiv nach Querbezügen zu suchen. Dadurch lässt sich die Story zwar einerseits leichter konsumieren, andererseits aber nach Ende der Lektüre auch leichter wieder vergessen.

Dass Tsutomu Nihei ursprünglich Architektur studiert hat, sieht man "Biomega" an: Die Geschichte spielt einmal mehr in einer Art "Megastruktur" - diesmal handelt es sich um eine komplett von Menschenhand erschaffene Insel im Pazifik, auf der sich ineinander verschachtelte Bauwerke meilenweit in den Himmel schrauben. Der Zeichner, der auch schon für den US-Comicverlag Marvel gearbeitet hat (u.a. "Wolverine: Snikt!"), lässt diesmal aber auch verspieltere Gebäude wie etwa ein europäisch anmutendes Schloss in diesem ansonsten äußerst kalt und menschenfeindlich wirkenden Umfeld auftauchen, was den Gesamtanblick nur noch surrealer werden lässt. Die ganze Welt ist jedoch trotz ihres futuristischen Looks stark vom Verfall geprägt, was viel zur düsteren Endzeitstimmung der Geschichte beiträgt. Bei den Actionszenen gelingt es Nihei wie gewohnt, die richtige Mischung aus gelassenem Understatement und radikaler Vernichtungskraft darzustellen - diese Kombination der Extreme gehört zu seinen Markenzeichen.

Bei der Bearbeitung des Bandes durch den deutschen Verlag sind leider einige kleinere Mängel zu entdecken: Mehrfach treten Rechtschreibfehler auf (was zum Beispiel schon damit beginnt, dass die konsequent "Dronen" genannten N5S-Infizierten wohl eigentlich "Drohnen" heißen sollten), und zum Teil haben es sogar grobe Grammatik-Schnitzer in die endgültigen Texte geschafft. Auch die Druckqualität ist nicht perfekt, denn die soliden Schwarzflächen weisen mitunter störende Artefakte auf. Die kleinen Details im schraffurreichen Zeichenstil des Künstlers kann der Druck aber dennoch wiedergeben.

Fazit:

Viele Elemente von Tsutomu Niheis "Biomega" erinnern an seinen Erfolgsmanga "BLAME!", somit müssen Fans des Künstlers sich nicht allzu sehr umgewöhnen. Obendrein ist die neue Serie viel klarer und verständlicher, da die Handlung sowie die Beweggründe der einzelnen Figuren ausführlicher erklärt werden. Diese Zugänglichkeit macht "Biomega" auch für Leser interessant, die sich zuvor nicht an den wortkargen Erzählstil des Künstlers gewöhnen wollten - der Manga ist also in gewisser Weise "Nihei light". Leider geht diese Hinwendung zum Leser auch ein wenig zu Lasten des kantig-schroffen Reizes, den das undurchdringliche, beinahe schon hermetisch in sich geschlossene "BLAME!"-Universum ausübte. Die düsteren Zeichnungen, die mitunter geradezu unglaubliche Actionszenen vor der Kulisse gewaltiger, verfallender Bauwerke zeigen, sind in dieser Form jedoch wohl nach wie vor einzigartig und entschädigen mühelos für den leichten Intensitätsverlust der Handlung, der gegenüber Niheis früheren Werken feststellbar ist.
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