Benjamin Piff und der Verlust der Träume  Redaktionstipp
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 21. Februar 2009

Benjamin Piff und der Verlust der Träume

Originaltitel: The Misadventures of Benjamin Bartholomew Piff: Wishful Thinking
Übersetzt von: Martin Baresch

Reihe: Benjamin Piff
2. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Loewe
Erschienen: Juni 2008
ISBN: 978-3-7855-6325-0
Preis: 12,90 EUR

304 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
9.0

Wertung:
9.0
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Ben tritt voller Vorfreude seinen Posten als neuer Abteilungsleiter für Geburtstagswünsche / 3 bis 12 Jahre an. Seine erste Wunscherfüllungsmission geht allerdings gründlich schief. Ein Bild von ihm taucht in den Nachrichten auf und das, obwohl die oberste Regel für die Wunscherfüllung lautet: Bleibe unbemerkt! Ausgerechnet Penelope, Bens schreckliche Cousine, sieht das Bild. Sie nimmt Kontakt zu einem verräterischen Kobold auf und gelangt in die Wunschlande, wo sie sich durch einen Wunsch zur neuen Präsidentin macht. Ein erbitterter Kampf um die Wunschfabrik bricht aus, der nur mit Hilfe von Candlewick gewonnen werden kann, doch der ist spurlos verschwunden. Ben reist auf der Suche nach ihm quer durch die Wunschlande, bis er schließlich zu den Hallen des Schlafes gelangt. Dort erwartet ihn die größte und schwerste Prüfung seines Lebens ...

Meinung:

Nachdem es Benjamin Piff in "Benjamin Piff und die Macht der Wünsche" mit Hilfe seines Geburtstagwunsches gelungen war, das schreckliche Waisenhaus zu verlassen, scheint der Junge nun am Ziel all seiner Träume zu sein. Als Abteilungsleiter für den Bereich "Geburtstagswünsche / 3 bis 12 Jahre" der magischen Wunschwirkfabrik steht er kurz davor, zum ersten Mal selbstständig einen Wunsch überbringen zu dürfen.

Doch so leicht macht es Jason Lethcoe seiner Hauptfigur in "Benjamin Piff und der Verlust der Träume" nicht, die neue Aufgabe zu aller Zufriedenheit zu erfüllen. Kaum hat sich Benjamin zusammen mit seiner Kollegin Nora auf den Weg gemacht, um einem kleinen Mädchen das so sehnlichst gewünschte Geld zu überreichen, überkommt den Jungen ein heftiger Anfall von Lampenfieber. Natürlich weiß er all die Dinge, die er tun soll, und die Sachen, die er nicht tun darf - doch trotzdem kommt es zu einem unglücklichen Zwischenfall. Benjamins Foto, das der Vater des Geburtstagskindes aufgenommen hatte, wird in allen Nachrichten gezeigt, was für die Wunschwirkwerke katastrophale Folgen haben könnte.

Und wirklich bekommt Benjamins verzogene Cousine Penelope das Foto zu Gesicht. Eigentlich könnte man mit dem armen reichen Mädchen Mitleid empfinden, denn Penelope bekommt alles, was es für Geld zu kaufen gibt, während ihre Eltern nie Zeit für sie haben. Doch leider hat das dazu geführt, dass sie zu einer wirklich unangenehmen Person geworden ist. Bei seiner Suche nach Benjamin stolpert das Mädchen über den nicht ganz ehrbaren Kobold Paddy O'Doyle, der bereit ist, Penelope zu helfen, damit sie anstelle von Thomas Candlewick die neue Präsidentin der Wunschwirkwerke wird.

Nachdem Penelope die Macht in den magischen Werken übernommen hat, sieht auch Adolfus Thornblood, der Präsident der Fluchwirkwerke, seine Chance gekommen, sich an Thomas Candlewick und seinen Mitarbeitern zu rächen. Er geht ein Bündnis mit der machthungrigen Penelope ein - und zusammen zerstören sie alles, was die Magie der Wunschwirkwerke ausmacht. Zu Benjamins großem Erschrecken führt die Machtübernahme Penelopes nicht nur dazu, dass die wunderbare Fabrik vernichtet wird, deren Aufgabe es ist, die Wünsche und Träume der Menschen wahr werden zu lassen, sondern auch zum Verschwinden seines väterlichen Freundes Thomas Candlewick. Nun liegt es an Benjamin und seinen Kollegen, die Wunschwirkwerke aus dem Griff der Bösewichte zu befreien und Thomas Candlewick wiederzufinden.

Der zweite Band der Benjamin-Piff-Reihe wird von Jason Lethcoe genauso zauberhaft fortgesetzt wie der erste Teil endete. Die fantastische Welt der Wunschwirkwerke und ihrer wunderbaren Mitarbeiter wird von dem Autor sehr plastisch und liebevoll beschrieben. Ganz hervorragend ist es Jason Lethcoe gelungen, aus den verschiedenen vertrauten Elementen der fantastischen Kinderliteratur eine ganz eigenständige und überzeugende magische Welt zu erschaffen.

Bei der Vernichtung aller bezaubernden Dinge, die die Wunschwirkwerke ausmachen - wie die Flattersessel oder "Der Kessel voller Gold" -, blutet dem Leser fast das Herz, und doch bleibt die Überzeugung, dass es Benjamin und seinen Freunden gelingen wird, gegen das Böse zu siegen, sodass am Schluss alles gut ausgehen wird. Doch der Weg bis zu einem glücklichen Ende ist gepflastert mit spannenden Kämpfen, schrecklichen Intrigen und magischen Herausforderungen, die von Benjamin Piff fast mehr verlangen, als er zu leisten vermag.

Jason Lethcoes märchenhafte Erzählweise führt dazu, dass der Leser zwar mit den Charakteren mitfiebert, aber all die schrecklichen Ereignisse trotzdem noch kindgerecht dargestellt werden. Ergänzt wird die eigentliche Geschichte mit vielen kleinen und sehr amüsant zu lesenden Fußnoten, die auf einzelne Details der magischen Welt der Wunschwirkwerke eingehen. Und auch die ansprechenden Illustrationen, die vom Autor selbst gezeichnet wurden, unterstützen die Handlung wunderbar.

Eine der besonderen Stärken dieser Romane stellt die sehr schöne Charakterisierung der einzelnen Figuren dar. Benjamin Piff ist kein strahlender Held, sondern ein Junge, der sich endlich zu Hause fühlt - und alles tun möchte, damit sein Mentor Thomas Candlewick stolz auf ihn ist. Umso schlimmer wird es daher für ihn, wenn er das Gefühl hat, bei einer Aufgabe zu versagen. Doch zum Glück hat er seine Freunde, die ihm zur Seite stehen. Auch diese sind sehr liebevoll dargestellt und der Leser schließt sie schnell ins Herz.

Egal, ob es sich um einen Dschinn-Jungen handelt, der vom Fliegen besessen ist, oder um ein Koboldmädchen, das Benjamin in der Abteilung Geburtstagswünsche unter die Arme greift, sie alle sind stimmig beschrieben. Und auch die Erwachsenen haben ihre Fehler und Vorzüge, die sie so sympathisch machen, während die Bösewichte selbstverständlich auch untereinander wunderbar intrigieren und herrlich abstoßend sind. Selbst Penelope, mit der der Leser anfangs vielleicht noch einen Funken Mitleid verspürt, wird so überzeugend als ein von Neid zerfressenes, verwöhntes Gör dargestellt, dass man nur gespannt sein kann, was diese Figur und ihre Verbündeten im nächsten Band für Benjamin Piff und die Wunschwirkwerke wohl noch in petto haben.

Fazit:

Mit "Benjamin Piff und der Verlust der Träume" setzt Jason Lethcoe seine Geschichte um den Waisenjungen, der zu einem Abteilungsleiter der magischen Wunschwirkwerke geworden ist, gelungen fort. Die wunderbare magische Welt, in der die Träume der Menschen erfüllt werden, ist genauso bezaubernd beschrieben wie die sympathischen Charaktere, die dem Leser schnell ans Herz wachsen. Und so fiebert man bis zur letzten Seite atemlos mit, wenn die unglaublichen Wunschwirkwerke von Benjamins Cousine Penelope und den Figuren aus den Fluchwirkwerken bedroht werden. Ansprechende Illustrationen des Autors und amüsante Fußnoten ergänzen die spannende und zauberhafte Geschichte hervorragend und runden das Lesevergnügen ab.
Weiterführende Infos