Maniac - Fluch der Vergangenheit 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Freitag, 1. Januar 2010

Maniac - Fluch der Vergangenheit

Originaltitel: The Book of the Dead
Übersetzt von: Michael Benthack

Verlag: Knaur
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-426-63654-1
Preis: 8,95 EUR

592 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
4.4

Wertung:
4.4
von 10
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Zum Inhalt:

In einem Kellergewölbe des New York Museum of Natural History ruht ein besonderer Schatz: das Grabmal des Senef aus dem Tal der Könige. Nun soll es wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - doch schon bei den Restaurierungsarbeiten gibt es einen Toten. Ist er das erste Opfer eines uralten Fluchs? Special Agent Aloysius Pendergast hat einen anderen Verdacht - und verfolgt die Spur eines Wahnsinnigen, den
er besser kennt als jeder andere.

Meinung:

Das Autorenteam Douglas Preston und Lincoln Child schreibt bereits seit zehn Jahren zusammen Bücher. Einen Großteil ihres gemeinsamen Werkes machen die insgesamt zehn Romane um den Special Agent Aloysius Pendergast aus. Der vorliegende Titel "Maniac - Fluch der Vergangenheit" bildet zusammen mit "Burn Case" und "Dark Secret" eine Trilogie mit einer dementsprechenden übergreifenden Handlung. Dennoch, so die beiden Autoren, sollte man das Buch auch für sich alleine lesen und verstehen können. Doch so ganz scheinen die Schriftsteller ihrem Urteil nicht zu trauen, da sie - um den vollständigen Genuss an der Erzählung zu haben - gleichzeitig empfehlen, sich die vorherigen Bände zu Gemüte zu führen.

In einem New Yorker Museum ist eine Ausstellung geplant. Hierbei soll das Grabmal des Senef, in dem eine aufwändige Medienshow dem Besucher die damalige Zeit näher bringt, Mittelpunkt und Attraktion sein. Doch es gibt Schwierigkeiten: Zum einen kommt es bald zu einem ersten Todesfall, zum anderen verstümmelt irgendetwas aus dieser Ruhestätte einige Arbeiter. Die Polizei tappt im Dunkeln und der Einzige, der wissen könnte, was vor sich geht, ist Aloysius Pendergast - und dieser sitzt im Gefängnis. Er erkennt, dass diese Vorfälle in Wahrheit Teil der perfekten Rache seines Bruders Diogenes sind. Die Motivation hierfür ist eine Tat, die in der gemeinsamen Vergangenheit der Geschwister liegt.

Als Leser hat man schnell ein Problem mit den Figuren. Sie sind bereits zu Beginn von "Maniac" in ihrer charakterlichen Entwicklung ziemlich fortgeschritten, was einfach daran liegt, dass die Geschichte der letzte Teil einer Trilogie ist und der Plot dementsprechend weit entwickelt ist. Da bleibt nicht mehr viel Spielraum, um den Akteuren den Platz einzuräumen, ihre Persönlichkeit weiter auszubauen. Dadurch wirken sie sehr statisch, sodass es einem schwer fällt, Zugang zu ihnen zu bekommen. So gewinnt man leider auch den Eindruck, dass die Autoren es gar nicht erst probiert haben, den Roman Neueinsteigerfreundlich zu gestalten.

Hinzu kommt auch noch, dass die Pendergast-Brüder, um die sich die Handlung dreht, abgehoben und etwas unrealistisch wirken. Dies bemerkt man besonders bei Aloysius, der mittels einer Art von Meditation seine Schmerzen ausschalten kann, nur um sich dann zusammenschlagen zu lassen. Oder er kreiert mit einer speziellen Denkweise ein äußerst reales Gedankengebäude, in dem er herumspazieren und seine Vergangenheit erforschen kann. Solche Gimmicks erinnern doch stark an die Blütezeit der so genannten Pulps, in denen es Helden, die solche speziellen Tricks kannten, haufenweise gab.

Bei seinem Bruder Diogenes hingegen liegt das Problem eher darin, dass seine wahren Motive und deren Ursache zu lange im Dunkeln bleiben. Zu selten taucht er persönlich im Roman auf, weshalb man ihn kaum richtig als Bedrohung realisieren kann. Das liegt auch daran, dass zu lange unklar ist, hinter welcher Maskerade er sich versteckt, um die Ereignisse zu seinen Gunsten zu manipulieren. Man findet kaum Hinweise, die zur Lösung dieses Rätsels beitragen können, weshalb die abschließende Enthüllung wenig zufriedenstellend ist.

Leider war es den beiden Autoren auch nicht möglich, auf sattsam bekannte Klischees zu verzichten. Da hat man zum einen den inkompetenten Vorgesetzten oder den dämlichen Agenten, über die man nur die Augen verdrehen kann. Hier wird nichts Neues präsentiert, sondern Altes lieblos wieder aufgewärmt. Wozu dann auch noch die Darstellung der Gewalt kommt: Sie dient nur als Mittel zum Zweck, um die Perfidität von Diogenes' Plan zu vermitteln. Doch leider wirkt das Ganze zu übertrieben, zu brutal und daher auch eher abstoßend. Dies führt dazu, dass der Leser den Roman eher lustlos durchblättert, nur um sich dann anderen, interessanteren Büchern zuzuwenden.

Fazit:

"Maniac - Fluch der Vergangenheit" von Douglas Preston und Lincoln Child hat gleich mit mehreren Problemen auf einmal zu kämpfen. Auf der einen Seite ist es leider der dritte Teil einer Trilogie, wodurch die Figuren in ihrer Entwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten sind. Dadurch ist es für Neueinsteiger nicht gerade einfach, sich einzulesen, was auch daran liegen mag, dass die Autoren sich nicht die Mühe machen, die Handlung offen zu gestalten. Hinzu kommt auch noch, dass die beiden Brüder, um die sich der Plot dreht, in ihrer Darstellungsweise unglaubwürdig wirken. Aloysius kommt einem mit seinen besonderen Fähigkeiten wie ein Held aus der Blütezeit des Pulps vor und Diogenes wird wenig bis kaum charakterisiert, wodurch er nicht überzeugen kann. Zählt man noch die Klischees, die im Buch auftauchen, sowie die übertriebenen Gewaltdarstellungen hinzu, bleibt unterm Strich ein für den Leser unbefriedigender Roman.
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