Reiner Schöne im Interview
Geschrieben von Jano Rohleder   
Sonntag, 21. Dezember 2008

Reiner Schöne ist nicht nur seit langer Zeit ein international erfolgreicher Schauspieler, sondern auch Musiker, Synchronsprecher und Sprecher von Hörbüchern. Im booklove-Interview mit Chefredakteur Jano Rohleder, das auf der Frankfurter Buchmesse 2008 stattfand, verrät er einiges über seine neuen und alten Projekte. (Zum Video bei bookloveTV)

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Ich habe mal ein bisschen recherchiert. Ich glaube, Ihr erster TV-Auftritt war bei "Trick 17 B", 1966 - kann das sein?

Das war nicht mein erster, aber das war einer der frühen. Mein erster Fernseh-Auftritt war ein Stück von Tennessee Williams, "Der Mann in der Schlangenhaut" - "Orpheus Descending". Das war mit Gisela May, der großen Dame des ostdeutschen Theaters ... die ich auch seitdem nie wieder gesehen habe. Ich wohne ja jetzt wieder in Berlin, ich muss sie irgendwann mal besuchen. Ich muss sie mal anrufen, denn wir haben uns damals sehr gut verstanden und das ist ja auch schon wieder fast ein halbes Jahrhundert her. (lacht)

Seit damals haben Sie in über 80 Filmen und Serien mitgespielt.

Ich habe sie nicht gezählt, aber das wird wohl so sein.

Ich habe mal in der Internet Movie Database nachgeguckt und da ...

Da steht bei Weitem nicht alles drin, das geht ja nicht.

Mindestens 80.

Ich finde das immer klasse, wie sich Leute da die Mühe machen, das alles aufzulisten. Die wissen mehr als ich.

Sie haben ja in eigentlich fast allen bekannten Serien der 80er und 90er Jahre aus Amerika mitgespielt: "MacGyver", "Jake & McCabe", "Star Trek - The Next Generation", "Matlock", "Mord ist ihr Hobby", "Babylon 5", "Sliders" ... überall!

Guck an - und "Legend", was hier nie lief.

Aber wie sind Sie von "Ein Fall für zwei" in Deutschland nach Hollywood ...

Na ja, ich habe hier ja nicht nur "Ein Fall für zwei" gemacht. Das geht aber den ganz normalen Weg, man kriegt ein Angebot, da zu drehen und dann macht man das. Das heißt, ich hatte eine deutsch-amerikanisch-englische Serie, "The Return to Treasure Island", die hier als "Die Rückkehr zur Schatzinsel" lief - das hast du vergessen aufzuzählen - und das war halt eine Hauptrolle in einer zehnstündigen Disney-Serie, was natürlich ein guter Einstand in Amerika ist. Das habe ich - ich wollte sowieso rüber - als Visitenkarte genommen, und dann habe ich meine Agentur gekriegt und meine erste Rolle und meine zweite Rolle ...

Das heißt, Sie haben da auch durchgehend gelebt?

Ja natürlich, ich habe da fast zwanzig Jahre gewohnt.

Wo war das dann? In Los Angeles?

In Los Angeles. Ich hatte da ein Haus irgendwo in der Wüste, in so einer Gegend, wo viel gedreht wird. Da hatte ich ein paar Hektar Land, so einen - wie man hier in Deutschland sagt - Bauernhof auf dem Lande. Aber ich bin dann aus privaten Gründen 2002 zurückgekommen nach Deutschland.

Das heißt, die "MacGyver"-Folge, die Sie gedreht haben, war eine von denen, die noch in Los Angeles gedreht wurden?

Nein, nein, die haben wir schon in Vancouver gedreht. Na ja, man dreht viel in Kanada, denn die Kanadier sprechen ungefähr wie die Amis und die Schauspieler sind da preiswerter, die Gewerkschaften sind nicht so hart. Und generell durch den kanadischen Dollar und den amerikanischen Dollar sind die Kosten nicht so hoch für amerikanische Produzenten. Und sehr zum Leidwesen der amerikanischen Crews und Schauspieler wird halt sehr viel in Kanada gedreht, weil's auch ein bisschen aussieht wie in Amerika, die Städte sind halt identisch. Ich habe oft in Toronto oder Vancouver gedreht. Vancouver, weil es natürlich auch nah an Los Angeles liegt. Oder im Western ... einen meiner Western habe ich auch in den Badlands gedreht, in der Nähe von Calgary. Sollte natürlich Kansas sein - sah auch so aus! (lacht)

Dann mal zu "Legend" - das war fünf Jahre nach dem Auftritt bei "MacGyver" und da haben Sie wieder zusammen mit Richard Dean Anderson gedreht. Man muss vielleicht dazu sagen, dass das eine hierzulande völlig unbekannte Fernsehserie ist.

Ja, leider ging sie in Amerika auch den Bach runter. Ich weiß nicht, warum. Ich habe das auch nie gesehen, aber das war eine mit riesigem tierischen Aufwand gedrehte Westernserie.

Das lief bei diesem Paramount Network - und das war anscheinend sowieso nicht so gut gemanagt ...

Ja, Rick Andersons Firma hatte ja einen Deal mit Paramount und die saßen auch auf dem Paramount-Gelände - und Fernsehen- und Produktionsfirmen-Gehacke ist überall auf der Welt dasselbe.

Es ist schade, dass das hier nie ausgestrahlt wurde, denn das war das Lieblingsprojekt von Richard Dean Anderson.

Ja, natürlich, das war eine sehr aufwändig gemachte Westernserie. Wo er einen Schriftsteller gespielt hat, namens Legend, der so ein bisschen wie Karl May Sachen fabuliert, die er nicht erlebt hat.

... der seine eigenen Abenteuer praktisch selbst geschrieben hat. Hat sich Richard Dean Anderson, der das ja auch produzierte, bewusst an Sie erinnert und Sie dann dazugeholt - oder war das eher Zufall?

Das könnte schon sein. Man kannte sich ja und wir hatten ja auch schon zusammen gedreht. Das war sicher nicht Zufall. Ich spielte da den deutschen Verleger seiner Werke - was lag also näher, als mich zu nehmen? (lacht)

Sie sind ja dann wieder nach Deutschland zurückgekommen und verstärkt auch in den letzten Jahren wieder in deutschen Serien zu sehen, z.B. bei "Edel & Starck" - aber zwischendurch waren Sie dann auch in "Law & Order". Gibt es noch andere aktuelle US-Serien, bei denen Sie noch mal gerne mitspielen würden?

Nein, das Problem ist so: Meine Tochter ist jetzt zweieinhalb und da möchte ich nicht immer so viel hin und her reisen. Ich musste mich entscheiden, wo ich wohne. Ob ich hier wohne oder ob ich dort wohne. Ich habe mich aus vielen Gründen dafür entschieden, hier zu bleiben. Ich bin aus sehr privaten Gründen zurückgekommen nach Deutschland - und diese Pendelei, das funktioniert nicht. Ich möchte mich um meine Tochter kümmern - und ich möchte auch nicht, dass sie in Amerika aufwächst. Warum, das kann man sich wohl denken. Ich hoffe, dass Obama am 4. November gewinnt, aber die Amis sind unberechenbar. Es könnte sein, dass es McCain macht - und McCain ist einer der eigentlich Sympathischsten von der anderen Seite, aber trotzdem ist er ein Republikaner und es wäre natürlich eine Katastrophe, wenn die noch einmal vier Jahre Gelegenheit hätten, die Welt zugrunde zu richten.

Das wird Jahrzehnte dauern, bis die Scheiße, in die uns Bush und seine Dick Cheneys da reingeritten haben, wieder ... das wird furchtbar werden. Wir sehen es ja, die Bankenkrise - davon ist die ganze Welt betroffen, von dem ganzen Mist. Und eigentlich möchte ich da nicht, dass meine Tochter da groß wird. Die Schulbildung ist da nicht so dolle, es sei denn, man geht auf die elitärsten Privat-Colleges. Ich meine, die Amis sind ja sehr spezialisiert, die haben die besten Zahnärzte, die besten Raketenspezialisten, die besten Herzchirurgen etc. Aber die Allgemeinbildung in den Schulen ist ja schon sehr mittelmäßig. Außerdem ist es mir zu kriminell. Deutschland ist ja auch nicht mehr das, was es mal war.

Gerade in Los Angeles ...

Und man kann ja nur in Los Angeles oder New York wohnen, wenn man den Beruf hat. Eigentlich nur in Los Angeles. Es sei denn, man ist Harrison Ford oder Robert Redford, die fliegen in ihren Privatflugzeugen. Aber ein Kind da aufwachsen zu lassen, das funktioniert nicht. Also bleibe ich mal hier. Ist ja auch nicht so schlecht.

Ja, ist eigentlich ganz erträglich.

Frankfurter Buchmesse - mein neues Buch ist auch fertig.

Ist das schon veröffentlicht? Haben Sie gerade eins geschrieben?

Das alte ist ja schon fünf Jahre alt - ach so, das neue ... nein, nein, dafür suchen wir noch einen Deal. Vielleicht finde ich hier ja einen Verleger.

Können Sie sagen, welche Ihrer Rollen Ihnen aus heutiger Sicht betrachtet am meisten Spaß gemacht hat?

Ich würde mal sagen, dass "Die Rückkehr zur Schatzinsel", die mich nach Amerika gebracht hat, natürlich eine schöne Geschichte gewesen ist. 18. Jahrhundert, Seefahrer, in der Karibik gedreht, in England gedreht, in Spanien gedreht - das war halt eigentlich so ein früher Grüner. Und Gegenspieler von Long John Silver und hauen, stechen, schießen, reiten, segeln, das ist natürlich großartig - und das fünf Monate lang mit den nettesten englischen Kollegen. Das hat großen Eindruck auf mich gemacht - und hat mich halt nach Amerika gebracht. Aber sonst "Hamlet" am Theater oder "Jedermann", das sind natürlich Sachen, die Spaß gemacht haben. Aber ich habe auch gern Karl May gespielt, in Bad Segeberg, Old Firehand und Old ... - es gibt viele Rollen, die ich sehr gerne gemacht habe.

Sie haben damals für Sat. 1 "Fort Boyard" moderiert - die deutsche Version.

Und da mache ich jetzt was Ähnliches im KiKa, dem Kinderkanal, mit Kids für Kids. Eine Abenteuergeschichte mit sportlichen Kindern. Das heißt die "Saga-Tour". Wir drehen auf deutschen Burgen und Schlössern und da werden die Sagen und Geheimnisse und so was eingearbeitet ...

Also, mit ein bisschen Bildungshintergrund dabei?

Nein, nicht wirklich. Es ist reines Abenteuer eigentlich - so 25-Minuten-Geschichten mit jeweils einem Team von drei Kids, so 11-/12-/13-Jährigen, die sehr sportliche Sachen machen. Jetzt drehen wir auf Amrum, und da gibt es auch Sagen, zwar kein Schloss, aber da sind dann halt diese Wiedergänger und die Gonger und Untoten und da wird's grauslig, über'n Friedhof und mit Pferden Lanzenstechen machen, also die müssen schon ganz schön sportlich sein, die Jungs und Mädels. Und das wird dann nächstes Jahr auf dem KiKa und im ZDF laufen. Da du gerade von "Fort Boyard" sprichst, ich kehre irgendwie zurück in die Gefilde des "Fort Boyard", nur - wie gesagt - mit Kids für Kids. Das macht richtig Spaß.

Damals bei Fort Boyard war das kurz nachdem die Show in Frankreich gestartet war - und das heißt, es war noch gar nicht abzuschätzen, wie das Publikum darauf reagiert. Haben Sie damals an das Konzept schon geglaubt oder ...

Wir haben alle an das Konzept geglaubt, und es wäre auch aufgegangen, wenn Sat. 1 mehr Mut gehabt hätte. Sat. 1 hatte aber gerade ihre Führungsriege gewechselt und neue Besen kehren gut ... Die neue Führungsriege hat erst einmal alles rausgeschmissen und wir sind dem dann zum Opfer gefallen. Mir hat der Thoma von RTL irgendwann ein paar Jahre später auf einer Party gesagt: "Wenn wir das damals gemacht hätten" - sie hatten es ihm angeboten, nur er hatte es nicht genommen, warum auch immer - "wenn wir es gemacht hätten, dann würde es heute noch laufen." Es war also die Schuld von Sat. 1. (kneift die Augen zusammen und macht scherzhaft drohende Handbewegung)

Das heißt, es hing also auch nicht an den Kosten ...

Nein, das lag einfach daran, dass A nicht mochte, was B gemacht hat. Das war Politik. Das hatte einfach nur mit innersenderlicher Politik zu tun. Ich merk das ja heute noch, es gibt ja nach wie vor "Fort Boyard"-Fans. Und in der Wiederholung, ein Jahr später am Nachmittag, war das Number 1 in den Ratings. Das war ein bisschen schade. Aber das passiert ja häufig, dass man das Opfer von irgendwelcher Senderpolitik wird, weil irgendjemand xyz was nicht in den Kram passt.

Wie erklären Sie sich bei "Fort Boyard" die in Frankreich bis heute noch ungebrochene Beliebtheit der Show?

Sie haben durchgehalten. Weil der Sender durchgehalten hat, ganz einfach! Wie erklärt man sich die Beliebtheit von "Derek" oder manchen Serien oder von Harald Schmidts Show, wo am Anfang alle Leute "Um Himmels willen, was ist das denn?" riefen. Aber Kogel hat bei Harald Schmidt damals durchgehalten und siehe da: Schmidt ist der King - und mit Recht. Und "Fort Boyard" - sicher ist das französische ein etwas simpleres Konzept, mir ein bisschen zu einfach im Stil von Sport-Reportage, das hat relativ wenig Geheimnisvolles. Mir ist das zu laut, zu krawallig und ich fand unser Konzept wesentlich besser. Aber wie erklärt man sich das? Ich weiß es nicht, die Franzosen haben einfach durchgehalten.

Sie sind nicht nur Schauspieler im Film und auf der Bühne, sondern auch Musiker und Synchronsprecher. Sie haben z.B. Willem Dafoe gesprochen, u.a. in "Spider-Man". Wie sind Sie zum Synchronisieren gekommen - oder haben Sie das schon immer nebenbei gemacht?

Synchronisieren ist halt etwas, das man eben gern so macht, das zum Beruf gehört. Das habe ich schon in der ehemaligen DDR gemacht. Das ist so wie Hörspiele, das ist Teil des Berufs. Man wird gefragt: "Willste?", und wenn du Zeit hat, dann machst du's. Wenn es schön ist, dann macht man's. Wenn es brutal wird, dann mache ich es nicht. Irgendwelche Gewaltgeschichten lehne ich eigentlich rigoros ab. Das Letzte, was ich Brutales gemacht habe, weil ich nicht wusste, was es war, war "Sin City". Auf den werde ich zwar permanent angesprochen, aber eigentlich mag ich den Film nicht.

Mickey Rouke war das damals, oder?

Ja, ich mag solche Filme nicht. Das war eine ziemlich harte Geschichte, da habe ich ein bisschen gelitten beim Synchronisieren. Aber die Leute haben es gesehen, haben es geliebt, sprechen mich ständig drauf an ... Aber so was muss man eigentlich nicht machen.

Das heißt in "Sin City 2" werden sie nicht wieder dabei sein!?

Er ist auch nicht mehr in "Sin City 2" dabei, oder?

Ich weiß gar nicht, ich habe den Film nur zum Teil gesehen.

Ist der nicht am Ende aufgefressen worden?

Das kann sogar sein ... (lacht)

Vor langen Jahren waren Sie auch in einigen Musicals zu sehen, z.B. bei "Hair" als Berger. Würde es Sie reizen, heute - 30 Jahre später - auch mal wieder ein Musical zu machen?


Musicals haben eine große Macke, man muss sehr hoch singen, man wird ganz schnell heiser. Bei "Jesus Christ Superstar", zum Bespiel - das wurde ja für Ian Gillan, den damaligen und noch heutigen Leadsänger von "Deep Purple" geschrieben ... der ja einer der ersten Hardrock-Tenöre war. Das war schon brutal. Wir haben auch eine sehr schöne LP - wie das damals noch hieß - gemacht, eine deutsche Fassung von "Jesus Christ Superstar". Aber es ist sehr hoch.

Ich hab dann später meine musikalische Befriedigung gefunden, indem ich mit meiner Band auf Tournee gegangen bin - oder mache heute meine Konzerte ... Es würde mich nicht sehr reizen ... Nein, eigentlich nicht, ich habe mich ausgemusicalt. (lacht)

Ich finde es auch immer so komisch. Diese Rock-Musicals, das ist eine andere Nummer, aber bei den normalen Musicals fangen die Leute plötzlich an zu singen, völlig unmotiviert. Vorher haben sie gesprochen und plötzlich singen sie (singt): "Oh, wie schön ist das Wetter da draußen! Meine Liebste, möchtest du vielleicht mit mir tanzen gehen?" - und das kann man doch auch sprechen. Oder man kann eine Rock'n'Roll-Nummer anschließend singen.

Also, diese Rock-Musicals, die ich gemacht habe, das war schon ... Also, ich habe auch noch nie so ein Kitsch-Musical gemacht. Sie haben mir mal "My Fair Lady" angeboten, das hat ja auch seinen Charme, das ist ja auch schön, aber irgendwie ... mache ich lieber meine eigenen Musicals. Aber die Musicals, die ich gemacht habe, habe ich schon gerne gemacht. "Music Man" in Ost-Berlin, das war so eine Rap-Geschichte, aber mit großem Orchester, und dann "Jesus Christ Superstar", "Hair", "Catch My Soul", das "Othello"-Rock-Musical, das waren schon schöne Granaten ... "Rainmaker", "40 Grad im Schatten", "Picasso" mit Judy Winter vor 140 Jahren, das hat schon Spaß gemacht, aber irgendwie ... Es ist so anstrengend, diese Sachen zu singen, man wird so schnell heiser. Und wenn ich meine eigenen Lieder singe oder mit meinen Jungs auf der Bühne stehe - oder auch alleine -, dann kann ich die Gitarre ein bisschen runterstimmen und muss nicht so arg hoch singen. Und dann schont man die Stimme etwas mehr.

Was ich auch gelesen habe: Sie reiten ja auch und betreiben dieses Bull-Whip-Handling.

Ja, da habe ich einen Western gedreht, "The Gunfighters" mit George Kennedy. Einen amerikanischen Western, also keinen Italo-Western, und ich war der Pazifist in der Truppe. Es waren zwei Brüder, ein Cousin (der war ich) und man hat mir eine Bullenpeitsche - etwas über drei Meter - in die Hand gegeben - und das ist nicht so leicht. Weißt du, warum eine Peitsche knallt?

Weil die Peitsche die Schallmauer durchbricht?

Genau! Bingo! Weil die Spitze vorne, der Knoten die Schallmauer durchbricht. Mit wie viel Kilometern? 900 Kilometer pro Stunde oder so was? So schnell, deshalb tut es auch höllisch weh. Du kannst dir das Auge ausschlagen. Geübte Cowboys - brutalerweise wieder - köpfen damit Klapperschlangen, die ihren Pferden zu nah kommen, so schnell ist das - und dann knallt das. Das gleiche Prinzip, wie wenn der Bundeswehr-Jet durch die Wolken gleitet und unten das Dach abdeckt, wenn er zu tief fliegt. Da habe ich lange, lange gebraucht, um so'n Ding zum Knallen zu bringen. Dann haben wir Peitschenduelle gemacht in einem Saloon, statt mit Colts oder sich zu kloppen. Mein Lehrer als Bad Guy und ich als Good Guy. Sechzehn Stunden lang haben wir das gedreht - höllenmäßig! Mit künstlichem Rauch - diesem Special Effects Smoke - und danach habe ich acht Tage gehustet.

Haben Sie generell ein Faible für Western-Sachen? Sie haben ja auch die Karl-May-Festspiele mitgemacht.

Ja, ich habe ja auch einen geschrieben. Ich habe Karl May als Western geschrieben - und als die bei "Sliders" mitgekriegt haben, dass ich Western gerne mag, haben sie mir einen auf den Leib geschrieben - also noch eine Folge für mich geschrieben, die dann im Wilden Westen spielte. Aber mit so einer Alien-Maske, mit Special Makeup, schwarzem Mantel und zwei silbernen Pistolen - und ich glaube, ich habe das Pferd, das Robert Redford in "Pferdeflüster" ritt, geritten. Das ist reitmäßig das schönste Erlebnis gewesen, der Gaul ging wie ein Sofa. Und ich war immer weg. Ich musste gar nicht so viel reiten, aber immer wenn ich dieses Vieh hatte, war ich weg. Dann hieß es (brüllt): "Reiner, where are you? We are ready to shoot!" Ja, Moment, ich musste noch ein bisschen galoppieren mit dem Pferd. Ah, war das ein schönes Pferd. Na, das war natürlich eine Ehre. Die kriegten mit, dass ich Western mag und schrieben mir einen. Aber das als Alien, und sämtliche zahnlosen Komparsen, die immer in Western zu sehen sind auf dem Universal-Studio, wollten mit mir fotografiert werden - wegen dieser Freakmaske ...

Aber bei "Star Trek" muss das doch noch viel schlimmer gewesen sein, da werden ja alle winzig kleinen, sekundenlang auftauchenden Nebencharaktere dann immer zu Conventions eingeladen.

Ja, ich werde auch immer mal zu deutschen Star-Trek-, also Sci-Fi-Conventions eingeladen, weil ich ja der einzige Deutsche bin, der in diesem "Star Trek" mitgetobt hat.

Jetzt lesen Sie seit einiger Zeit für Argon die Hörbücher der Hard-Case-Krimis. Sind das auch so Sachen, die Sie selbst zur Unterhaltung lesen würden?

Ich bin ein alter Jerry-Cotton-Fan. Ich oute mich mal als Jerry-Cotton-Fan. Hin und wieder liest man auch ein Pulp-Fiction-Buch ganz gerne. Aber in den letzten Jahren eigentlich nicht mehr so sehr, weil ich meine Liebe zu Biografien entdeckt habe. Ich lese unheimlich gerne Biografien. Die letzte, die ich gelesen habe, war die von Reich-Ranicki und die fand ich nicht so humorvoll geschrieben. Also, war etwas trocken, etwas mühsam, aber schon sehr interessant - und hast du diese Fernsehpreisverleihung gesehen, wo er ja den Fernsehpreis abgelehnt hat? Ich fand das so klasse. "Das ist hier ja alles furchtbar. Ich gehöre ja gar nicht hierher! Also ich muss den Preis ablehnen - und Sie dürfen jetzt du zu mir sagen." Ich fand den wirklich klasse. Ich fand ihn dann noch besser als sein Buch. Aber so 'ne Biografie lese ich sehr gerne. Man wird ja ein bisschen geiziger mit seiner Zeit, wenn man so'n kleines Mädchen hat und auch viel arbeitet - und man kommt sowieso nur abends zum Lesen. Also, ich finde das schon ganz geil, wenn jemand wie Reich-Ranicki - oder Frau Heidenreich - liest und damit Geld verdient, andere Leute in die Pfanne zu hauen. (lacht) Einfach beruflich liest. Deshalb bin ich total entsetzt, aber das ist der Zahn der Zeit, wenn ich hier so Computerbücher sehe - also die elektronischen Bücher. Das riecht ja nicht mehr nach was ... ich weiß es nicht. Ich behaupte von mir, trotz meines fortgeschrittenen Steinzeitalters, immer noch ein modern aufgeschlossener Mensch zu sein, mit so 'nem kleinen Mädel wird man auch gezwungen, aber das ist ein Medium, das ich nicht gerade feier. Und ich glaube auch nicht ... na gut, das wird sich vielleicht in dreißig Jahren durchgesetzt haben oder vielleicht auch schon in dreien. Aber mir ist natürlich lieber, die Leute lesen elektronische Bücherinhalte als gar nicht. Als nur hier rumzudödeln ...

Jetzt sind wir schon bei der letzten Frage: Wie sehen - abgesehen von den Hörbüchern - Ihre Zukunftspläne aus? Sie haben ja schon ein Buch geschrieben ...

Die Zukunftspläne sehen so aus, dass ich mich erst einmal im Moment auf meine "Saga-Tour" - meine Kids-Show - konzentriere und sehr sehr viel Text lernen muss zwischendurch. Ab Mitte November - ungefähr in vier Wochen - fange ich an, ein großes Projekt anzudrehen, einen Pilotfilm für eine Serie bzw. das, was hoffentlich eine Serie wird. Und zwischendurch mache ich meine Hörbücher. "Steinbach sprechende Bücher" hat mir gerade ein wunderschönes Buch angeboten. Für die mache ich auch einige Sachen und von Argon habe ich auch wieder eins auf dem Tisch liegen, das wir Ende des Jahres oder im Januar machen. Ansonsten kümmere ich mich um meine Tochter. Die patscht immer auf meiner Gitarre rum, die ist zweieinhalb, die muss jetzt eine eigene kriegen. Die kommt langsam in das Alter, wo ich denke, wenn sie noch länger auf der Gitarre rumpatscht, kann ich die Gitarre nicht mehr spielen. Also, ich kümmer mich um mein Kind, um meine Frau und bin nach Berlin zurückgekehrt, denn ich hatte gerade ein kleines Abenteuer an der Ostsee. Ich musste mal meine Familie an die Lübecker Bucht verladen, nur um festzustellen, dass es da oben gar nicht geht - und bin reumütig nach Berlin zurückgekehrt. Ich bin also innerhalb von zehn Monaten zweimal umgezogen - aber mit zwei Riesen-LKWs hoch, mit zwei Riesen-LKWs zurück. Mache meine Gigs, mache meine eigenen Konzerte, setze mich auf die Bühne, lese meine Storys, mache meine Songs - also, in einem Alter, wo andere Leute sich auf ihre Rente vorbereiten, geht es bei mir richtig zu Gange. (lacht)

Das hört sich doch gut an.

Ja, das hört sich auch gut an. Der Herr muss einem nur die Gesundheit weiterhin erhalten.

Dann würde ich sagen, viel Spaß dabei! Danke, dass Sie Zeit für uns hatten - und vielleicht noch ein letzter Gruß an unsere Besucher?

Ein letzter Gruß vor allem an die Hacker, die auf eure Seite gehen? Lest Bücher - und zwar gedruckte Bücher! Das macht richtig Spaß! Ciao!
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