Byakuya Zoushi - Weiße Nacht 
Comics: Manga Horror & Mystery
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 19. Dezember 2008

Byakuya Zoushi - Weiße Nacht

Autor: Miyagi Tooko
Zeichner: Miyagi Tooko

Originaltitel: Byakuya Zoushi
Übersetzt von: Antje Bockel

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-7704-6941-3
Preis: 6,50 EUR

172 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Vier mysteriöse und düstere Geschichten von lebenden Geistern, Wesen aus der japanischen Mythologie, dem Tod und der Wiedergeburt sorgen für Gänsehaut und orientieren sich am Lauf der Jahreszeiten. Im Herbst begegnet man dem Geist einer fast mitleiderregenden Frau, und unheilvolle Erinnerungen aus dem vergangenen Winter lassen das Blut in den Adern gefrieren. Im Sommer taucht sogar am helllichten Tag der Geist der Füchsin auf, und aus dem Sumpf der Toten winkt eine weiße Hand. Den Abschluss des in feingliedrigem, poetischem Artwork gehaltenen Bandes bildet ein längeres Frühwerk der Autorin.

Meinung:

"Byakuya Zoushi - Weiße Nacht" besteht aus vier leicht gruseligen Kurzgeschichten von Miyagi Tooko sowie einem (ein wenig längeren) Frühwerk der Mangaka, welches inhaltlich und optisch stark von den anderen abweicht. Die vier Gruselgeschichten sind "Weiße Nacht - Opfer", "Weiße Nacht - Beisetzung", "Weiße Nacht - Sturz" und "Weiße Nacht - Winken". Diese Kapitel basieren auf Elementen der japanischen Mythologie und lassen einem beim Lesen einen leichten Schauer über den Rücken laufen.

Gleich als Erstes fällt einem der filigrane, fast schon spröde und zerbrechlich wirkende Zeichenstil von Miyagi Tooko auf, der sich angenehm von der Masse der Manga-Veröffentlichungen abhebt und sehr gut zu dem gruseligen Inhalt der vier Geschichten passt. Diese ungewöhnliche Optik ist überaus reizvoll und lässt auch über die eine oder andere Vorhersehbarkeit in den Kurzgeschichten hinwegsehen.

In "Weiße Nacht - Opfer" geht es um einen Jungen, der einige Zeit bei seiner Großmutter in den Bergen verbringt. In dem Dorf leben nur noch alte Menschen, und eine Legende erzählt von einem Teufel, der die Leichen junger Frauen stahl, um aus ihnen eine wunderschöne Puppe zu machen. Eines Tages trifft der Junge bei einem seiner Ausflüge ein wunderhübsches und unheimliches Mädchen - eine Begegnung, die für den Leser viel Spielraum für seine Fantasie bietet.

Während in "Opfer" die Spannung eher unterschwellig abläuft, bekommt man in "Weiße Nacht - Beisetzung" die mysteriösen Vorfälle sehr direkt präsentiert. Eine Gruppe von Kindern hat vor Jahren in der Nähe eines verfluchten Lagerhauses seltsame, grausame Spiele betrieben, die beinhalteten, dass Tiere getötet wurden. Damals schworen sich die drei Jungen, dass sie ihr Geheimnis für immer wahren würden. Doch inzwischen sind die Kinder verstorben oder dem Wahnsinn verfallen. Zur Beerdigung eines der Jungen ist ein ehemaliger Klassenkamerad ins Dorf zurückgekommen. Er versucht, mehr über die Geschehnisse von damals zu erfahren - und so kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung mit dem Geist des verfluchten Lagerhauses.

Die dritte Geschichte, "Weiße Nacht - Sturz", ist auf sehr makabere Weise humorvoll. Ein Mädchen findet sich an einem Sommertag im Wald wieder. Eigentlich war es mit seiner Posaune auf den Weg zur Orchesterprobe, doch nun steht es auf einem Waldweg, und vor ihm befindet sich eine Gruppe von Füchsen, die behaupten, einheimische Götter zu sein. Während die Gottheiten der Kleinen erzählen, dass sie den Wald nicht mehr verlassen kann, versucht das Mädchen, die Füchse mit Opfergaben und Musik dazu zu bewegen, ihr den Weg hinaus zu zeigen. In gewisser Weise bekommt sie am Ende sogar ihren Willen - doch so hatte sie sich das gewiss nicht gedacht, denn Götter haben eben ihre ganz eigene Art, auf Wünsche zu reagieren ...

"Weiße Nacht - Winken" ist die letzte der Kurzgeschichten und erzählt von einem jungen Mann, der schon als Kind die winkende Hand einer Frau sehen konnte, die ihn zu einem kleinen See locken wollte. Der Legende nach hat an diesem Bergweiher ein Mann seine Frau ermordet. Auch Fukiko, die ältere Cousine des Jungen, ist vor Jahren an diesem Ort verschwunden - und er befürchtet, dass er es war, der sie auf dem Gewissen hat. Nun steht er bei einem Familientreffen vor Sonoko, Fukikos kleiner Schwester - und wieder lockt ihn eine Hand zum See in den Bergen.

Die letzte Geschichte in diesem Manga, "East of the Sun, West of the Moon", fällt sowohl inhaltlich als auch optisch im Vergleich mit den gruseligen Kurzgeschichten deutlich ab. Damit ist diese Erzählung zwar immer noch nicht schlecht, aber der Zeichenstil entspricht genau wie die Handlung lediglich dem Durchschnitt. Vor allem aber passt diese Geschichte so gar nicht zu dem restlichen Inhalt des Bandes, der sich auf unheimliche japanische Mythen bezieht.

"East of the Sun, West of the Moon" erzählt von einer jungen Frau aus dem Volk der Lemrus. Aufgrund der Tat eines Verräters wurde ihr Volk vernichtet, und auch ihr über alles geliebter Bruder starb. Nun hat sie sich aufgemacht, den Verräter zu finden und ihn für den Tod ihres Bruders zur Rechenschaft zu ziehen. Informationen erhofft sie sich von dem Bischof von Tiberia, doch dann muss sie erkennen, dass der rätselhafte Mann mehr über die Vernichtung der Lemrus weiß, als sie vermutet hat.

Auch wenn die Handlungen der Kurzgeschichten häufig etwas vorhersehbar sind, bilden die unheimliche Atmosphäre und der ungewöhnliche, aber reizvolle Zeichenstil von Miyagi Tooko eine interessante und lesenswerte Mischung. Leider passt die fünfte Geschichte so gar nicht zum Rest dieses Mangas. So nett sie ist, so sehr reißt sie den Leser auch aus der wunderbar gruseligen Stimmung, in den ihn die ersten vier Erzählungen versetzt haben. Ohne dieses Frühwerk der Autorin wäre der Band zwar um ein Drittel dünner, aber dafür auch wesentlich stimmiger geworden.

Fazit:

Mit "Byakuya Zoushi - Weiße Nacht" bekommt der Leser vier wunderbar unheimliche Kurzgeschichten und eine zwar ganz nette, aber so gar nicht zur restlichen Atmosphäre passende fünfte Geschichte präsentiert. Bietet "East of the Sun, West of the Moon" nicht mehr als durchschnittliche Qualität, so stechen die "Weiße Nacht"-Kurzgeschichten angenehm aus der Masse hervor. Hier bekommt der Leser zwar zum Teil vorhersehbare Wendungen geboten, doch trotzdem baut Miyagi Tooko eine angenehm gruselige Stimmung auf, und auch ihre ungewöhnlichen und fast schon spröde wirkenden Zeichnungen tragen deutlich zum Lesegenuss bei.
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