Bewegliche Ziele 
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Heike Bellas   
Dienstag, 3. März 2009

Bewegliche Ziele

Verlag: Loewe
Erschienen: September 2008
ISBN: 978-3-7855-6475-2
Preis: 9,90 EUR

208 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.9

Wertung:
7.9
von 10
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Zum Inhalt:

Fünf Jugendliche in einer kleinen Stadt irgendwo in Deutschland. Die vertraute Welt ist eng geworden, Familienzusammenhänge und Freundschaften werden brüchig. Zwischen Schule, Freizeit und Schützenverein müssen neue Ziele gesucht werden. Da passiert etwas, das die ohnehin aus den Fugen geratene Wirklichkeit von Sarah, Jenny, Ette und Ticker vollends zerbrechen lässt: Auf einer Party wird ihre Freundin Momo vergewaltigt. Die Täter sind auf der Flucht, werden gefasst und später verurteilt. Aber die Gedanken kreisen weiter um die Frage: Warum ausgerechnet Momo?

Meinung:

Die 1970 im Westerwald geborene Autorin Agnes Hammer studierte Germanistik und Philosophie. Schon zu ihrer Studienzeit unterrichtete sie Teenager und arbeitet heute mit sozial benachteiligten Jugendlichen in einem Berufsbildungszentrum. Seit 2005 ist sie zusätzlich Anti-Aggressivitäts-Trainerin.

Momo blüht eine strahlende Karriere als Schwimmerin in Berlin, sobald sie ihr Schuljahr abgeschlossen hat. Doch dann passiert das Schreckliche: Momo besucht mit ihren Freundinnen Jenny und Sarah eine Party und wird dabei in einem nahe liegenden Waldstück vergewaltigt. Sie zeigt ihre Vergewaltiger - den Drogendealer Ette und dessen Freund Ticker - an und die beiden werden auf ihrer Flucht nach Spanien geschnappt. Sie werden zu Haftstrafen verurteilt und verbringen diese in zwei verschiedenen Gefängnissen. Währenddessen muss Momo mit dem Geschehenen zurechtkommen, woran sowohl ihre Freundschaften zerbrechen als auch ihre Familie leidet.

"Bewegliche Ziele" beschäftigt sich mit dem Thema Vergewaltigung auf eine neue Art und Weise. Die Autorin beschreibt nicht nur die Sicht des Opfers nach der Tat, sondern auch, wie das Leben der Täter und der Angehörigen weitergeht. Dabei tauchen in jeder "Gruppe" zwei gegenteilige Entwicklungen auf. Ette und Ticker sind die Täter und sitzen beide in verschiedenen Gefängnissen ihre Strafen ab. Doch während Ticker nach und nach begreift, dass das, was er getan hat, falsch war, und sich bemüht, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern und einen besseren Lebensweg einzuschlagen, ist sich Ette keiner Schuld bewusst und ändert sein Verhalten auch hinter Gittern nicht. Jenny und Sarah, Momos Freundinnen, verhalten sich ebenfalls völlig unterschiedlich. Während Jenny nach Momos Rückkehr aus der Klinik wieder versucht, ihre Freundschaft neu aufzubauen, stellt Sarah ihre ehemalige Freundin als Lügnerin dar. Wegen ihre Partnerschaft mit Ticker versucht sie verzweifelt, das Bild, das sie von ihrem Freund hatte, aufrechtzuerhalten. Natürlich wird auch Momos Leidensweg beschrieben, der über die Selbstverletzung in eine psychiatrische Klinik führt und von dort in den Beschluss, nicht mehr wehrlos zu sein.

Zum Großteil ist "Bewegliche Ziele" durchaus realistisch, nimmt dann aber eine Wendung, die unglaubwürdig wirkt: Ette flieht aus dem Gefängnis und Sarah versteckt ihn. Es wirkt, als hätte Agnes Hammer noch eine spannende Wendung in das Buch einbauen wollen, die aber bei diesem Thema völlig unnötig war. Andererseits betont das Geschehen noch einmal die Handlungen von Sarah und Ette, die beide wenig selbstreflexiv sind.

Dadurch, dass das Buch aus den verschiedenen Sichten erzählt wird, ist der Leser zu Anfang noch planlos, in welchen Beziehungen die Erzähler zueinander stehen. Doch nach kurzer Zeit verschafft man sich einen Überblick über die Verknüpfungen der einzelnen Charaktere. Auch führt diese Art des Erzählens dazu, dass während des gesamten Romans Jugendsprache verwendet wird. Dabei zeigt sich, dass Agnes Hammer täglich mit Jugendlichen arbeitet, denn die Sprache wirkt nicht aufgesetzt oder nachgeahmt, sondern authentisch, kann aber nicht-jugendliche Leser auf Dauer stören.

Fazit:

Agnes Hammers "Bewegliche Ziele" ist ein Buch, das sich auf neue Art mit dem Thema Vergewaltigung beschäftigt, weil es auch aus der Sicht der Täter und der Angehörigen erzählt wird. Dabei wirkt der Roman größtenteils realitätsnah - auch aufgrund der verwendeten Jugendsprache, die dadurch authentisch ist, dass die Autorin schon seit ihrer Studienzeit mit Teenagern arbeitet. Ältere Leser kann diese Sprache allerdings auf Dauer etwas stören.
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