Nimue Alban 2: Der Krieg der Ketzer 
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Sonntag, 16. November 2008

Der Krieg der Ketzer

Originaltitel: Off Armageddon Reef
Übersetzt von: Ulf Ritgen

Reihe: Nimue Alban
2. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-404-23324-3
Preis: 9,95 EUR

591 Seiten
Inhalt
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Zum Inhalt:

Die Erde und alle Kolonien der Menschheit stehen vor der Vernichtung durch eine überlegene außerirdische Spezies. Die Menschen starten eine letzte Rettungsaktion: Operation Arche. Diese Expedition soll unbemerkt eine neue Zivilisation aufbauen, auf einer abgelegenen Welt. Die Operation fordert zahlreiche Verluste, darunter auch Lieutenant Commander Nimue Alban. Doch für Nimue Alban ist der Tod nicht das Ende. Fast 900 Jahre später erwacht sie auf der Zielwelt wieder zum Leben - in einem künstlichen Körper. Und sie hat eine Mission: Die Menschheit vor der endgültigen Vernichtung zu bewahren ...

Meinung:

"Der Krieg der Ketzer" ist die Fortsetzung von "Operation Arche" - zumindest hier in Deutschland. Im Original sind beide Bücher ein einziger Roman. Wie es aber bei Bastei Lübbe (und anderen Verlagen) ärgerlicherweise gängig ist, wurde das amerikanische Original für die hiesige Veröffentlichung geteilt, sodass der deutsche Leser doppelt zahlen darf. Eine kaum nachvollziehbare Entscheidung.

Leider muss man sich in diesen Roman erst wieder mühsam einlesen. Der erste Band, "Operation Arche", handelte davon, dass die Menschheit durch eine außerirdische Spezies vernichtet wird. Nur eine Kolonie kann überleben, weil sie ein technologisches Niveau verwendet, welches dem des 16. bis 17. Jahrhunderts ähnelt. Doch etwas läuft schief, als sich einer der Gründer der Kolonie mitsamt seinen Anhängern zum Gott ausruft, die Menschen unterdrückt und seine Widersacher auslöscht.

Jahrhunderte später wacht die eigentlich verstorbene Nimue Alban in einem neuen Körper auf. Ihre Mission ist es, die immer noch existierende Unterdrückung zu beenden. Dazu nimmt sie sich eines ohnehin schon rebellischen Staates an und verhilft ihm zu einem kleinen, aber entscheidenden Technologiesprung. Zeitgleich wird die Kirche, die alles kontrollieren will, auf diesen Staat aufmerksam und macht sich bereit, ihn zu vernichten.

In "Der Krieg der Ketzer" schmiedet deshalb die religiöse Autorität ein Staatenbündnis aus mehr oder minder willigen Feinden der Rebellen. Doch die Rebellen haben Vorsorge gegen ihre Gegner getroffen - und so kommt es bald zu einer Abfolge von Schlachten, die über das Schicksal von Nimues Mission entscheiden. Und damit beginnt der Teil des Buches, der am ehesten den Stärken David Webers entspricht. Der Autor, bekannt vor allem durch die "Honor Harrington"-Reihe, ist berühmt dafür, dass er Schlachten äußerst spannend beschreibt - und dies ist auch in diesem Band nicht anders.

Zwar lässt David Weber die Hauptfeinde immer noch in einem schlechten Licht dastehen, doch verwendet er jetzt auch einen Teil der Seiten darauf, das Ganze etwas abzumildern. Er charakterisiert die verschiedenen Mitglieder der Allianz, die Charys (so lautet der Name des Staates, den Nimue in Form ihres Alter Ego Merlin unterstützt) ausradieren wollen. Und er verleiht ihnen unterschiedliche Gründe, bei diesem Konflikt mitzumachen. Manchen Figuren bleibt nichts anderes übrig, weil sie zur aktiven Teilnahme erpresst werden. Andere wiederum nehmen mit Freuden an der Allianz teil, weil sie sich von dem scheinbar sicheren Sieg einiges versprechen.

Über dem ganzen Szenario wacht Merlin. Nimue nutzt die besonderen Fähigkeiten ihres Alter Ego bis zum letzten aus und gibt sich allwissend und omnipotent. Dass sie dies aber nicht ist, muss sie selbst zwei Mal erkennen. Diese Szenen lassen Nimue Alban human statt übermenschlich wirken, denn durch ihre Fehler wird klar, dass trotz all der Technik, die hinter Merlin steckt, immer noch eine menschliche Seele das Ganze dirigiert. Und egal wie sehr sie sich bemühen - Menschen machen immer Fehler.

Neben Merlin charakterisiert David Weber auch die führenden Köpfe des Staates Charys. Besonders Calyb Arhmahk profitiert von den Szenen, in denen auf die Anführer eingegangen wird. Langsam entwickelt sich aus dem jugendlichen Hitzkopf ein ordentlicher und beliebter König, der das Beste aus den Ratschlägen Merlins zu machen weiß. Dadurch ist er die sympathischste Person im ganzen Band, noch vor seinem alten und weisen Vater.

Das Buch endet äußerst vielversprechend: Der Konflikt ist noch nicht ganz ausgestanden und die Zukunft scheint interessant zu werden. Zumindest so lange, wie David Weber darauf verzichtet, die beiden Aspekte "Intrigen" und "Religion" zu übermäßig tragenden Handlungsteilen zu machen.

Fazit:

Während "Operation Arche" noch äußerst langatmig war, nimmt der zweite Teil der Nimue-Alban-Reihe, "Der Krieg der Ketzer", deutlich an Fahrt auf. Besonders die Gefechtsbeschreibungen sind, wie es bei David Weber üblich ist, äußerst gelungen. So wird das Buch zu einem echten Pageturner, bei dem der Leser kaum erwarten kann zu erfahren, wie es weitergeht. Der Autor investiert zudem nun auch die Zeit, sich um die verschiedenen Figuren und Charaktere zu kümmern. So lässt er Merlin (das Alter Ego der Hauptfigur Nimue Alban) endlich menschlicher erscheinen und gibt sich die Mühe, die Allianz der Gegner vielfältig darzustellen. Das Ende des Romans verspricht einiges für die Zukunft der Reihe, denn der große Konflikt ist noch nicht aus der Welt geräumt.
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