Der Kampf um Gullywith  Redaktionstipp
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 3. November 2008

Der Kampf um Gullywith

Originaltitel: The Battle for Gullywith
Übersetzt von: Leonard Thamm

Untergenre: Fantasy
Verlag: rororo rotfuchs
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-499-21494-3
Preis: 12,95 EUR

351 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
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Zum Inhalt:

Als Olly mit seiner Familie von London aufs Land zieht, ist er davon überzeugt, niemals mehr froh werden zu können. Denn die Gullywith-Farm ist das kälteste Haus der Welt und seit Ewigkeiten unbewohnt. Schon bald geschehen merkwürdige Dinge: Steine mit uralten Zeichen bewegen sich von ganz allein; Ein geheimnisvolles Buch lässt Kapitel auftauchen und wieder verschwinden; Schildkröten leuchten mit goldenen Augen den Weg ... Auf der Suche nach dem Geheimnis um Gullywith werden Olly und seine Freundin KK in eine Welt der Mythen, Magie und mitternächtlichen Abenteuer gezogen, die sich tief in den Hügeln des Lake Districts abspielen. Welcher uralten Macht gehorchen die Steine? Und wie können Olly und KK verhindern, dass sie Gullywith für immer einnehmen?

Meinung:

Mit "Der Kampf um Gullywith" hat die britische Autorin Susan Hill eine bezaubernde Geschichte rund um seltsame Geschehnisse in einem unheimlichen Haus auf dem Land geschrieben. Dem zehnjährigen Olly ist es gar nicht recht, als seine Eltern mit ihm und der kleinen Schwester Lula nach Gullywith ziehen. Das Haus ist verfallen, düster und kalt und der Junge ist sich ganz sicher, dass dieser Ort niemals zu einem so schönen Zuhause werden kann wie das Haus in London, in dem er aufgewachsen ist. Doch nach kurzer Zeit zieht ihn das Geheimnis um Gullywith in seinen Bann.

Schon vor dem Umzug nach Gullywith beginnen die seltsamen Vorkommnisse. Olly verletzt sich an einem seltsamen Stein auf dem Wohnzimmerboden den Fuß, und auch auf der Fahrt ins neue Heim findet sich wieder ein Stein in seiner Tasche. Dieser kleine graue Stein weist nicht nur rätselhafte Zeichen auf seiner Oberfläche auf, sondern er scheint sich auch von ganz allein zu bewegen. Als er Olly dann auch noch einen brennenden Schmerz zufügt, wird das Ganze dem Jungen nur noch unheimlicher. Um so erschreckender ist es, als Olly feststellen muss, dass diese Steine in ganz Gullywith vorzufinden sind.

Zum Glück lernt der Junge schon nach kurzer Zeit das Mädchen KK kennen. Es scheint eine Menge über Ollys neues Zuhause zu wissen und will ihm helfen, die Steine aus Gullywith zu vertreiben. Mithilfe des rätselhaften Nonny und allerlei Getier versucht der Junge, mehr über die Geheimnisse, die mit Gullywith verbunden sind, zu erfahren. Dabei gerät Olly mehr als einmal in große Gefahr, aus der ihn aber in der Regel zum Glück Fledermäuse, Schildkröten und andere sonderbare Verbündete wieder befreien können.

Susan Hill hat mit "Der Kampf um Gullywith" ein bezauberndes Buch voller Magie geschrieben, das nicht nur Kinder in seinen Bann ziehen wird, auch wenn es in erster Linie für diese geschrieben wurde. Wirklich viel Aufregendes passiert nicht in dem Roman. Zwar wird von der Autorin etwas Spannung aufgebaut und auch die Hauptfiguren geraten häufiger in Gefahr - und doch ist sich der Leser die ganze Zeit über sicher, dass alles gut ausgehen wird.

Vor allem kann diese Geschichte durch die vielen liebevollen Details überzeugen. Die Autorin beschreibt das Haus, die Landschaft, die fantastischen Figuren und die seltsamen Begebenheiten so intensiv, dass man sich wünscht, man könnte selbst einmal das fantastische Mittwinterfest erleben, in dem geheimnisvollen Buchladen stöbern oder einer Schildkröte in ihre magischen goldenen Augen schauen.

Ganz deutlich lehnt sich Susan Hill mit "Der Kampf um Gullywith" an klassische englische Kinderbücher an, wobei es ihr gelungen ist, aus bekannten und neuen Elementen eine ganz eigene Geschichte zu erschaffen. Die kurzen Kapitel - und der Mangel an schrecklichen Szenen - machen diesen Roman auch zu einem hervorragenden Vorlesebuch für kleinere Kinder, die nicht jede fantastische Szene hinterfragen, sondern sich einfach an den seltsamen Vorgängen erfreuen können. Auch der Schluss ist recht kindgerecht, denn wenngleich sich beide Seiten auf einen großen Endkampf vorbereiten, kommt es zu einer überraschenden Wendung, die auch sensible Gemüter nicht überfordern wird.

Wer allerdings von einem Buch erwartet, dass am Ende alle Fragen und Rätsel gelöst sind, wird von "Der Kampf um Gullywith" wohl enttäuscht werden. Susan Hill lässt viele Dinge unbeantwortet - und erhält ihnen so ihre Magie. Doch die Andeutungen der Autorin auf der offiziellen englischen Webseite können so interpretiert werden, dass dem Leser in einer irgendwann folgenden Fortsetzung ein paar Hintergründe zu den offenen Fragen präsentiert werden.

Fazit:

"Der Kampf um Gullywith" ist ein ganz bezauberndes Buch zum Selbstlesen und Vorlesen für Kinder. Susan Hill beschreibt Ollys Versuche, sein neues Zuhause Gullywith gegen die grauen Steine zu verteidigen, in wunderschönen und detaillierten Bildern, die den Leser in ihren Bann ziehen. Gerade die ganzen sonderbaren und fantastischen Einfälle und Charaktere machen den Reiz des Romans aus, während man sich bei der Lektüre - trotz aller Spannung - immer sicher sein kann, dass am Ende alles gut ausgehen wird. Nur wer von einem Buch erwartet, dass am Schluss alle Fragen restlos aufgeklärt sind, könnte etwas enttäuscht werden, doch manchmal sind es gerade die nicht gelösten Rätsel, die dem Leser den Roman langfristig in Erinnerung halten.
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