Paloma 
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Donnerstag, 26. Februar 2009

Paloma

Originaltitel: Paloma
Übersetzt von: Frauke Meier

Reihe: Miles Flint
5. Band der Reihe

Untergenre: Krimi
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-404-23325-0
Preis: 8,95 EUR

463 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Miles Flint kehrt nach langer Abwesenheit wieder auf den Mond zurück. Sogleich erhält er einen panischen Anruf von seiner früheren Mentorin Paloma. Er eilt zu ihrem Apartment, doch es ist bereits zu spät: Paloma wurde brutal ermordet. Wie sich herausstellt, hat sie ihm den Großteil ihres Vermögens vererbt, und unversehens wird Flint zu einem Mordverdächtigen in dem Fall. Doch Paloma hat ihm nicht nur Geld hinterlassen, sondern auch noch einen Auftrag: Flint soll einige fragwürdige Geschäfte in Palomas Vergangenheit durchleuchten. Ein Spiel auf Leben und Tod nimmt seinen Lauf ...

Meinung:

Mit dem Roman "Paloma" geht die Miles-Flint-Reihe von Kristine Kathryn Rusch in die fünfte Runde - und ein Ende dieser Science-Fiction-Krimi-Serie ist noch nicht abzusehen. Der aktuelle Auftrag ist der bis dahin persönlichste Fall von Miles Flint. Nach den Ereignissen in "Das Marsgrab" war er über ein Jahr lang nicht auf dem Mond, doch kaum ist er wieder zurück auf dem Erdtrabanten, kommt alles Schlag auf Schlag. Paloma, seine Mentorin, die ihm ihr Geschäft vermacht hat, wird ermordet und hinterlässt ihm ein ziemlich gefährliches Erbe. Es dauert nicht mehr lange und die Ereignisse überrollen Miles fast. Ihm bleibt nur wenig Zeit herauszufinden, was mit Paloma passiert ist und inwieweit dies mit ihrer Vergangenheit zusammenhängt.

Kristin Kathryn Rusch verfügt bereits über ein großes Maß an schriftstellerischer Erfahrung. Sie hat mit Kevin J. Anderson zusammengearbeitet und Romane für die beiden berühmtesten Science-Fiction-Franchises "Star Wars" und "Star Trek" verfasst. Doch ist sie nicht nur eine preisgekrönte Science-Fiction-Autorin - sie hat unter anderem den Hugo Award verliehen bekommen, was ungefähr dem Gewinn eines Oscars entspricht - sondern auch noch unter verschiedenen Pseudonymen in anderen Genres aktiv. So schreibt sie unter anderem unter dem Namen Kristine Grayson Romanzen. Man kann also sagen, dass diese Autorin einiges an Schreiberfahrung besitzt - und das merkt man ihren Romanen auch an. Ihre Figuren sind gut beschrieben und entwickeln sich glaubwürdig fort.

Vor allem fällt dies bei Ki Bowles ins Auge, die aufmerksame Leser noch aus dem dritten Teil der Reihe kennen dürften. Dort tauchte die Figur als typische Klischee-Journalistin auf, die für eine Story alles tun würde. Doch dadurch hatte sich Ki Bowles ziemlich die Finger verbrannt und ihre Lektion gelernt. Ihr Charakter hat sich komplett gewandelt, weg von einer Klischee-Journalistin, hin zu einer nachdenklichen Person. Eine Entwicklung, die der Leser sehr positiv aufnimmt.

Natürlich tauchen neben Ki Bowles auch noch andere bekannte Personen auf. Das Überraschende für den mit der Reihe vertrauten Leser ist, dass Noelle DeRicci, Miles Flints ehemalige Kollegin, in diesem Roman keine große Rolle spielt. Sie taucht zwar auf, doch hält sie sich aus dem Fall heraus. Stattdessen wird ihr Privatleben weiterentwickelt. Noelle fängt eine Beziehung mit ihrem ehemaligen Kollegen Bartholomew Nyquist an - und es ist erfreulich zu erleben, wie sich dieses Verhältnis fortführt.

Nyquist ist auch die Person, mit der Miles Flint in erster Linie zu tun hat. Er ist der ermittelnde Beamte im Mordfall Paloma und stellt sich dabei recht geschickt an. Der Polizist erscheint als durchaus intelligente Figur. Er fällt keine vorschnellen Urteile und behandelt Miles Flint nicht wie einen Aussätzigen. Dadurch wird er für den Leser schnell zu einer der sympathischsten Personen in diesem Buch. Ebenso nett findet man die Anwältin van Alen, die Miles Flint bei seinen Bemühungen um Aufklärung so gut sie kann unterstützt. Doch wird sie eigentlich - obwohl sie in dem Roman einigen Raum einnimmt - kaum tiefergehend charakterisiert.

Miles Flint hingegen muss wieder einmal feststellen, dass er keiner Person vertrauen kann. Was er über seine Mentorin herausfindet, erschüttert ihn und so ist es symptomatisch, dass er am Ende alleine zurückbleibt. Sein Beruf verlangt ihm dies ab und Miles scheint es auch nicht anders zu wollen. Interessant für den Leser ist, dass Miles' Beitrag zur Aufklärung des Falls ziemlich gering bleibt. Er klärt eher die Hintergründe auf als den eigentlichen Mordverlauf, auch wenn er am Finale natürlich wieder entscheidend mitwirkt.

Etwas ärgerlich für Fans von Science-Fiction ist es, dass die zugehörigen Elemente beim Roman "Paloma" mehr in den Hintergrund treten. Sie sind zwar vorhanden, spielen jedoch keine maßgebliche Rolle. Der Schwerpunkt liegt eindeutig mehr auf dem Krimimoment, was nach dem vorhergehenden Band doch sehr enttäuschend ist.

Fazit:

Mit "Paloma" hat Kristin Kathryn Rusch einen weiteren guten Roman in der Miles-Flint-Reihe geschaffen. Dabei konzentriert sich die Autorin wieder sehr auf die Figuren und bricht etwas mit den bisherigen Konventionen. Noelle DeRicci taucht zwar auf, spielt jedoch keine Rolle bei der Lösung des Falles. Diese Funktion übernimmt Bartholomew Nyquist, der sich dabei als erstaunlich intelligent erweist, während Miles Flint selbst eher die Funktion eines Hintergrund-Aufklärers übernimmt. So gelungen der Krimianteil bei diesem Titel ausfällt, ist es doch etwas bedauerlich, dass die Science-Fiction-Elemente wieder mehr in den Hintergrund geraten.
Weiterführende Infos