Magier der Drachenfregatte 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Freitag, 17. Oktober 2008

Magier der Drachenfregatte

Originaltitel: Halcyon Blithe: Dragonfrigate Wizard
Übersetzt von: Angela Koonen

2. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-404-20595-0
Preis: 8,95 EUR

318 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Halcyon Blithe ist befördert worden! War er auf seiner ersten Reise noch Magierkadett, tritt er nun den Dienst auf einer Drachenfregatte an. Dabei muss er nicht nur gegen ein Dämonenschiff in die Schlacht ziehen, sondern auch auf einem Schiff der Zwerge gegen Verrat und Ränkeschmiede vorgehen.

Meinung:

James M. Ward ist eigentlich in erster Linie ein Rollenspiel-Autor und hat unter anderem viele wichtige Gottheiten in dem Kult-RPG "Dungeons & Dragons" erfunden und eingeführt. Neben diesem Teil seiner Karriere ist er aber auch Spiele-Designer - und hat zum Beispiel an dem PC-Spiel "Star Wars: Empire at War: Forces of Corruption" mitgewirkt. Neben all seinen anderen Tätigkeiten beschäftigt er sich auch noch als Verfasser von Fantasybüchern.

Mit "Magier der Drachenfregatte" legt der Autor nun die Fortsetzung zu "Der Magierkadett" vor - leider hat er beim Schreiben leider die Neuleser vergessen, die erst mit diesem Buch in die Handlung eingestiegen sind. James M. Ward setzt stellenweise einiges Wissen voraus, das zum wirklichen Verständnis nötig wäre. So fragt man sich beim Lesen unter anderem, was zum Bespiel ein "Taubesprecher" ist - und die Antwort, dass das eine Person ist, die sehen kann, in welchem Zustand die Taue sind -, erfährt man erst später im Roman.

Die Welt, in der die Geschichte des Magiers Halcyon Blithe spielt, ist faszinierend. Es gelingt James M. Ward ohne viel Mühe, klassische Seefahrer-Romane mit Fantasyelementen zu verschmelzen. Das Ergebnis kann sich im wahrsten Sinne des Wortes lesen lassen. Ein Liebhaber der Hornblower-Romane erkennt zum Beispiel die Kommandos und die Struktur der Befehlskette wieder, während die fantastische Note durch Aspekte wie Schiffe, die auf Drachen aufgesetzt worden sind, entsteht. Eine faszinierende Idee, die vom Autor sehr gut beschrieben und umgesetzt wird.

Doch sind diese im wahrsten Sinne des Wortes "Drachen-Schiffe" nicht die einzigen Genre-Elemente. Ein Fantasyroman, der halbwegs erfolgreich sein will, kommt auch heutzutage nicht ohne Zwerge, Elfen, Magie und die anderen üblichen Zutaten aus. Doch James M. Ward versieht diese Klischees mit seinem ganz eigenen Touch und bringt dem Leser so eine ganz besondere Sicht auf klassische Fantasyelemente nahe. Im Kampf hingegen verschmelzen die verschiedenen Bereiche gelungen miteinander. Bei diesen Szenen verwendet der Autor sowohl die bekannten Schiffs-Gefechte mit Kanonendonner und Enterversuchen als auch magische Angriffe. Wobei das Ganze äußerst kohärent und wie aus einem Guss wirkt.

Der Roman handelt von dem Kadetten Halcyon Blithe. Seine Heimat Arkanien befindet sich mit dem Reich Maleen im Krieg. Er wird auf ein Schiff versetzt, das den Botschafter Abernathy ins Zwergenkönigreich bringen soll, um dort um Beistand im Krieg zu bitten. Eine gefährliche Reise für den jungen Blithe, nicht zuletzt deswegen, weil sein direkter Vorgesetzter und Erzfeind Swordson ebenfalls mit an Bord versetzt worden ist.

Halcyon Blithe ist auch in seiner magischen Welt etwas Besonderes. Er ist das siebte Kind eines siebten Kindes und verfügt daher schon von Geburt an über außergewöhnliche Fähigkeiten - die sich während seiner Reise noch weiter entwickeln. Eigentlich alles Zutaten für eine zu perfekte Figur, die aufgrund ihrer übermenschlichen Fähigkeiten alle anderen Charakter im Buch an den Rand drückt und damit für den Leser langweilig wird. Doch James M. Ward gelingt es problemlos, diese potenzielle Falle zu umgehen. Er beschreibt Halcyon Blithe als absolut sympathisch, als eine Person, die weiß, dass sie besondere Fähigkeiten hat, sich jedoch nicht allzu sehr auf diese verlässt. Was er leistet, geschieht aus eigenem Antrieb und mit eigener Energie.

Sein Erzrivale Swordson ist eine ebenso interessante Figur. Auf der einen Seite mag er Blithe nicht und versucht pausenlos, gegen ihn zu intrigieren und seine Karriere irgendwie zu behindern. Solche Charaktere kennt der Leser schon genügend aus anderen Büchern. Doch Swordson lässt seinen Hass auf Blithe nicht seinem Dienst im Weg stehen. Wenn es zu gefährlichen Situationen und zu Kämpfen kommt, steht er seinem Erzrivalen - wenn auch widerwillig - zur Seite. Und dies ohne die Situation irgendwie dazu zu nutzen, seinem persönlichen Feind in den Rücken zu fallen. Auf diese Art und Weise befolgt er einen ganz persönlichen Ehren-Kodex. Die dritte wichtige Figur im Roman ist der Botschafter Abernathy. Dieser wirkt zuerst etwas weltfremd - ein Eindruck, der sich im Laufe des Romans eher noch verstärkt -, doch am Ende gibt eine interessante Enthüllung, die diesen Charakter in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Fazit:

James M. Ward gelingt es in "Magier der Drachenfregatte", die Elemente von Seefahrer-Romanen und Fantasy-Geschichten perfekt miteinander zu verschmelzen und dabei auch noch seinen eigenen Touch mit einzubringen. Leider hat er dabei versäumt, seine Geschichte auch für Neueinsteiger verständlich zu schreiben. Dafür entwirft der Autor interessante Charaktere - die zwar vordergründig diverse Klischees erfüllen -, was allerdings durch überraschende Elemente in ihren Persönlichkeiten wieder aufgewogen wird. Ein Beispiel dafür ist Swordson, der Erzfeind des Helden Halcycon Blithe. Er hasst zwar den Magier, lässt diesen Hass jedoch nicht seiner Pflicht als Offizier zur See im Weg stehen.
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