Königsmörder 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Heike Bellas   
Sonntag, 7. Dezember 2008

Königsmörder

Originaltitel: Innocence Lost
Übersetzt von: Michaela Link

2. Band der Reihe

Verlag: Penhaligon
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-7645-3004-4
Preis: 14,95 EUR

672 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Der finstere Magier Morg triumphiert, denn die königliche Familie von Lur ist beinahe ausgelöscht und Prinz Gar, der einzige Überlebende, ist von ihm abhängig. Oder doch nicht? Als Morg dem Prinzen die magischen Fähigkeiten, die er ihm verliehen hat, wieder entzieht, scheint dies kaum Auswirkungen zu haben. Die magische Mauer, die Lur vor Morgs Dämonenhorden schützt, bleibt bestehen. Denn es ist nicht Prinz Gar, dessen Magie das Königreich beschützt, sondern es ist Asher, der prophezeite "Unschuldige Magier". Doch als Morg durch Verrat davon erfährt, sieht er die Möglichkeit, Asher und Gar zu vernichten.

Meinung:

"Königsmörder" ist der zweite Teil der "Kingmaker, Kingbreaker"-Dilogie der australischen Autorin Karen Miller. Dabei wirkt der Vorgänger "Königsmacher" wie ein zu lang geratener Prolog für "Königsmörder". Der Leser erlebte hier mit, wie der junge Fischer Asher von der Küste in die Hauptstadt Dorana reist, um Geld für ein neues Boot zu verdienen. In der Stadt trifft er durch einen arrangierten Unfall auf den Prinzen Gar. Von seiner freimütigen Redensart und seinem fast schon respektlosen Umgang mit seiner Person beeindruckt, verschafft ihm Gar eine Stelle im Pferdestall, nur um ihn kurz danach als "Vizetribun für olkische Angelegenheiten" ins Schloss und an seine Seite zu holen, wodurch sich beide anfreunden.

Dabei ist Asher unbekannt, dass eine Prophezeiung existiert, die ihn als "unschuldigen Magier" bezeichnet, der das Volk vor einer dunklen Macht retten wird. Diese Macht erscheint in Gestalt von Morg, einem bösen Zauberer, der anhand einer magischen Mauer aus dem Land ausgesperrt wurde, durch die zufällige Hilfe eines neugierigen Magiers aber wieder zurückkehren kann. Er schleicht sich in die Nähe der Königsfamilie, verleiht dem magielosen Prinzen Gar plötzlich ungeahnte Zauberkräfte und tötet letztendlich die Königsfamilie, wobei der Körper, den der Geist des bösen Zauberers eingenommen hat, schwer verletzt wird.

Nun muss Gar nicht nur mit dem Verlust seiner Familie zurechtkommen, sondern mit seiner Ernennung zum König und Wettermacher, was ihm nach und nach alle Kräfte raubt. Zur Unterstützung nimmt er Asher mit in die Wetterkammer - eigentlich eine unverzeihliche Straftat - und bringt seinen Freund damit in Lebensgefahr. Doch dann verliert Gar auch noch seine falschen Zauberkräfte und sieht sich gezwungen, eine Lösung zu finden, um den Thron nicht an seinen Widersacher zu verlieren.

Im Gegensatz zum ersten Teil besitzt "Königsmörder" kaum Längen. Die Prophezeiung, die sich um "den unschuldigen Magier" rankt, bleibt nicht mehr länger Theorie, sondern wird endlich zur Praxis. Asher entdeckt gemeinsam mit Gar in der Wetterkammer seine magischen Kräfte und durch den Aufenthalt Morgs in der Hauptstadt Dorana gerät die magische Mauer, die das Land vor den Dämonen und Bösartigkeiten schützen soll, endgültig ins Schwanken. Stück für Stück kann man verfolgen, wie sie in ihre Einzelteile zerfällt und wie Dorana von den dunklen Mächten verschluckt wird.

Auch die Verhältnisse der Protagonisten ändern sich. Freunde werden zu Verrätern, Feinde zu Freunden und kleine Bösewichte steigen plötzlich zur rechten Hand Morgs auf und führen beinahe die Zerstörung Doranas herbei. Die Erwartungen des Lesers auf einen spannenden Roman werden nicht enttäuscht. So schaffen es Asher und Daphne - die Erbin Jevals, die dafür sorgen soll, dass sich die Prophezeiung erfüllt - endlich, zueinander zu finden und Daphne beginnt einzusehen, dass ihr Interesse an Ashers Schicksal über die Hoffnung auf Erfüllung der Prophezeiung hinausgeht. Dafür enttäuscht Gar Asher und stellt sein Interesse am Thron über den Schutz seines Freundes, was für diesen drastische Folgen hat. Über lange Strecken bangt der Leser um das Leben Ashers.

Karen Miller nutzt ihr Talent, die Geschehnisse rasant und spannend zu gestalten, nun voll aus. Dabei sind einige Handlungsabläufe voraussehbar, andere überraschen den Leser komplett. Trotzdem besitzt "Königsmörder" ein Manko, das sich schon in "Königsmacher" abzeichnete. Die Autorin führt eine Person ein, die in ihrer Rolle komplett versagt: Den Bösewicht. Morg, der hinter der magischen Mauer ein von schrecklichen Dämonen bewachtes Reich aus Angst und Leid errichtet hat, wirkt zunächst noch furchteinflößend, stellt sich aber schnell als ziemlicher Versager heraus.

Zwar schafft er es am Ende von "Königsmacher", die königliche Familie auszuschalten, bringt es dabei aber fertig, sich gleichzeitig auch unschädlich zu machen. Denn bei seinen Bemühungen, Gar aus der in die Schlucht rasenden Kutsche zu werfen, trifft ein Ast den von dem Geist des Magiers eingenommenen Körper so schwer, dass dieser durch seine lebensgefährlichen Verletzungen ins Koma fällt. So sitzt der Bösewicht die erste Hälfte des Romans über in seinem okkupierten Körper fest und schmollt wie ein kleines Kind. Selbst, als es Morg gelingt, aus seinem Gefängnis zu fliehen und in einen anderen Körper zu wechseln, bleibt er bis zum Ende eine ungewollt komische Figur, indem er sich unfreiwillig selbst Steine in den Weg legt.

Das Ende von "Königsmörder" kommt zwar verhältnismäßig schnell, wenn der Leser die Dilogie als Ganzes betrachtet, bildet aber sonst einen würdigen Abschluss der Geschichte. Der Epilog ist zeitlich gut gesetzt und lässt den Leser nach dem spektakulären und chaotischen Endkampf wieder zur Ruhe kommen.

Fazit:

"Königsmörder" - der zweite Band der "Kingmaker, Kingbreaker"-Dilogie von Karen Miller - stellt sich als spannender Nachfolger zu "Königsmacher" heraus. Die Handlung ist so gut wie lückenfrei und überaus mitreißend. Endlich kann der Leser miterleben, wie die Prophezeiung sich erfüllt und welche Auswirkungen dies auf Prinz Gar und seinen Freund Asher hat. Einziger Kritikpunkt ist der überspitzt dargestellte und deswegen unfreiwillig komische Bösewicht, den die Autorin einführt. Trotzdem entlohnt die spannende Geschichte in "Königsmörder" den Leser für die Geduld, die er beim ersten Teil der Dilogie aufbringen musste.
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