Königsmacher 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Heike Bellas   
Mittwoch, 8. Oktober 2008

Königsmacher

Originaltitel: The Innocent Mage
Übersetzt von: Michaela Link

1. Band der Reihe

Verlag: Penhaligon
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-7645-3003-7
Preis: 14,95 EUR

608 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Der junge Fischer Asher verlässt sein Heimatdorf, um für ein Jahr in die doranische Hauptstadt zu ziehen. Dort hofft er, genug Geld zu verdienen, um für sich und seinen Vater ein eigenes Boot anschaffen zu können. Doch es kommt ganz anders und er trifft in der Stadt auf Prinz Gar, dem Ashers Ehrlichkeit und sein freches Mundwerk gefallen, woraufhin er ihn kurzerhand als Stallburschen einstellt. Asher arbeitet sich aus dem Stall sogar an Gars Seite hoch und wird dessen Berater und Freund. Doch am Königshof muss sich Asher erst einmal behaupten. Und wäre das nicht schon genug, existiert da auch noch eine Prophezeiung, von der er nichts weiß, für die er aber von größter Wichtigkeit ist.

Meinung:

Dass Karen Miller schon immer Interesse an Science-Fiction und Fantasy hatte, zeigt die Tatsache, dass sie ihren eigenen Science-Fiction-Fantasy-Mystery-Buchladen führt. Außerdem besitzt sie einen Abschluss in Jugendliteratur von der Macquarie Universität. Über sich selbst sagt die Australierin: "Ich bin nur ein Kind mit einer übersprudelnden Fantasie." Kürzlich ist auf Deutsch die Dilogie "Königsmacher" und "Königsmörder" erschienen. Zuvor schrieb Miller bereits Bücher zur Serie "Stargate SG-1", ihr neuestes Projekt ist die 2008 in Australien gestartete Trilogie "Godspeaker".

In einem Genre, das momentan dazu neigt, fantastische Welten in unsere reale Welt zu pflanzen, erschafft Karen Miller ihr ganz eigenes Universum für "Königsmacher". Das Land, das der Leser kennen lernt, wird von einer großen magischen Mauer vom Rest der Welt abgetrennt. Diese Mauer hat eine Magierin namens Barl erschaffen, um ihr Volk vor dem bösen Zauberer Morg zu schützen. Das Volk selbst ist aufgeteilt in Doranen, die Magie beherrschen, und Olken, die weder die Fähigkeit zu doranischer Magie besitzen noch versuchen dürfen, diese anzuwenden. In diese Ausgangssituation setzt Miller den Protagonisten Asher - ein Fischer, der in die Hauptstadt reist, um Geld zu verdienen, damit er sich und seinem alten Vater ein Boot kaufen kann. In der Stadt trifft Asher dann zufällig auf den Prinzen.

Die Grundidee der Geschichte ist nicht neu. Ein reicher Adliger, der einsam und unverstanden ist, trifft auf einen armen Jungen, der Geld braucht. In diesem Fall trifft Prinz Gar, der sich seiner Rasse nicht zugehörig fühlt, weil er ohne Magie geboren wurde, auf den mittellosen Fischer Asher. Doch im Gegensatz zu den sonst so unterwürfigen Bettlern (wie zum Beispiel aus "Der Prinz und der Bettelknabe" bekannt) hat Asher ein großes Mundwerk und umso weniger Respekt vor dem Blaublut. In den Kapiteln, in denen Asher erscheint, schwingt auch ein stets ironischer Ton mit, wenn von der Königsfamilie berichtet wird. Vor allem Gars arrogante jüngere Schwester Fane, die ihrem Vater als Wettermagierin auf den Thron folgen wird, und Darran, der Gars gesellschaftliche Verpflichtungen organisiert, zählen nicht zu Ashers Freunden.

Karen Miller schafft es, den Leser mitzureißen, wenn etwas spannendes passiert. Diese Fähigkeit hätte sie aber viel öfter einsetzen können, denn "Königsmacher" besteht größtenteils aus Dialogen und Beschreibungen des königlichen Lebens. Allein die Hälfte des Buches wird darauf verwendet zu erzählen, wie Asher sich vom Fischer zum Stallburschen und danach zum Berater und Freund des Königs entwickelt. Diese Langatmigkeit lässt den Lesefluss an der einen oder anderen Stelle stocken. Erst im letzten Drittel des Romans scheint die Handlung richtig ins Rollen zu kommen. Die Geschichte um Ashers Schicksal entwickelt sich auch erst im Verlauf der Handlung. Die Protagonisten, die über die gesamte Prophezeiung um Asher Bescheid wissen, geben dem Leser zwar nach und nach ihr Wissen preis, doch ist er dem Fischer immer nur einen Schritt voraus und nie weiter. Diese Unwissenheit lädt zum Rätselraten ein und man beobachtet alles, was Asher tut, auf den Verdacht hin, es könnte wichtig für die Erfüllung der Prophezeiung sein.

Fazit:

Karen Millers "Königsmacher" ist ein gut durchdachtes, wenn auch streckenweise etwas langatmiges Buch. Die Autorin schafft es, aus einer oft verwendeten Grundidee eine neue Geschichte zu erschaffen. Ihre Protagonisten sind vielleicht nicht durchweg sympathisch, doch zumindest facettenreich. Eine Handlung mit ein bisschen mehr Action hätte dem Buch sicher gut getan, aber wer sich an den zähen Stellen nicht stört, bekommt mit "Königsmacher" eine interessante Lektüre für alle Altersstufen geboten.
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