Das Lied von Malonia 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Ramona Böhm   
Sonntag, 5. Oktober 2008

Das Lied von Malonia

Originaltitel: The Eyes of a King, Book 1
Übersetzt von: Patricia Woitynek

1. Band der Reihe

Verlag: Penhaligon
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-7645-3000-6
Preis: 18,95 EUR

480 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Der 15-jährige Leonard lebt in Malonia, einem Land, das in einer Parallelwelt zu unserer existiert. England - wie wir es kennen - ist dort nur eine Legende. Das Volk von Malonia wird von Lucien, dem unrechtmäßigen Herrscher, unterdrückt. Eines Tages findet Leo ein mysteriöses Buch mit leeren Seiten im Schnee. Er merkt von Anfang an, dass es sich hierbei um kein gewöhnliches Buch handelt, denn es ist von einer unbekannten Macht umgeben. Gemeinsam mit seinem Bruder Stirling erforscht Leo das geheimnisvolle Buch, das sich in unterschiedlichen Abständen mit Schrift füllt, die aus dem Nichts auftaucht. Die Brüder erfahren durch das Buch mehr über die Geschichte ihrer Familie und von der Prophezeiung, die besagt, dass Prinz Cassius, der angeblich nach England verbannt worden sein soll, zurückkehren wird, um sein Volk aus den Klauen Luciens zu befreien.

Meinung:

"Das Lied von Malonia" ist Catherine Banners Erstlingswerk und der Beginn einer Trilogie, die große Erwartungen weckt. Bereits im Alter von 14 Jahren begann die Schriftstellerin an diesem Werk zu schreiben. Heute - mit 19 Jahren - zählt sie zu Großbritanniens vielversprechendsten Nachwuchstalenten. 2006 wurde das Portrait der Jungautorin in die National Portrait Gallery in London aufgenommen, ein Kunstmuseum, in dem Bilder berühmter britischer Personen hängen.

Malonia ist eine Welt, die vergangene Zeiten widerspiegelt. England, wie wir es kennen, existiert dort lediglich als Mythos - als ein Land, in das der junge Prinz Cassius angeblich verbannt worden sein soll. Die Idee von England als mythologischem Ort erinnert an eine Legende, die fast jeder kennt: Avalon, die sagenumwobene Insel, auf der König Artus seine letzte Ruhe gefunden hat. Diese und andere Assoziationen lassen den Leser in die Welt von Malonia eintreten und nachempfinden, wie sich wohl die Brüder Leo und Stirling fühlen, als sie mit England - über das sie schon so viel gehört haben - konfrontiert werden.

Die beiden Brüder tauchen in die Welt des geheimnisvollen Buches ein, das nach und nach neue Einträge vorzuweisen hat. Sie stellen Vermutungen an, welche Legenden über Prinz Cassius und ihren Großonkel Aldebaran - der die Gabe der Prophezeiung besaß - wahr sein könnten. Dem Leser wird es damit ermöglicht, einen direkten Zugang zu einer Welt zu finden, in der Magie verboten wurde und doch noch im Verborgenen betrieben wird. Magie bedeutet in Malonia aber nicht klassische Zauberei über Zaubersprüche, wie zum Beispiel bei "Harry Potter", sondern eine mystische Energie - eine Gabe -, die nur den "Erleuchteten" zuteil wird. Zu ihnen gehört Leo, der seine Gabe aber geheim halten muss.

Als Leo einen harten Schicksalsschlag zu erleiden hat, gelingt es der Autorin, seine Verwirrung und seine Gefühle aufzufangen und an den Leser weiterzugeben. So kann man mit Leonard fühlen und leidet mit ihm, als ihm nur wenig Zeit bleibt, sich von dem Schock zu erholen. Denn keinen Tag später wird er vom Militär eingezogen und muss in den Krieg ziehen. Seine Großmutter bleibt allein und völlig verzweifelt zurück. Verstört und ohne wirklich zu begreifen, wohin man ihn führt, gerät Leo von einem Unglück ins nächste.

Es ist nicht zu übersehen, dass man mit "Das Lied von Malonia" Catherine Banners Erstlingswerk in Händen hält. Ihr Schreibstil wirkt, vor allem am Anfang, noch nicht ganz ausgereift und bereitet beim Lesen ein paar Probleme. Trotz des eingängigen Umfelds ist es für den Leser aufgrund der Erzählweise zunächst schwer, sich in diese Welt hineinzufühlen. Die Mischung aus einer anderen Welt und Dingen, die in unserer Welt alltäglich sind, lassen den Übergang in ein fantastisches Land nur stückchenweise vorwärts schreiten. Der Mythos um England mit seinen Alltäglichkeiten wie Autos - oder geschichtlichen Ereignissen wie dem Ersten Weltkrieg - stellen den Protagonisten vor verständliche Fragen. Als Leser ist man ihm dadurch natürlich deutlich an Wissen überlegen, was es schwer macht, sich wirklich mit den Figuren zu identifizieren.

Die Autorin verbindet in ihrem Buch verschiedene Handlungsstränge miteinander, die sich nach und nach auflösen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Geschichten lassen sich anfänglich schwer lesen, da die Autorin nur wenige Informationen einbaut. Nach und nach gelingt es ihr allerdings, diese Übergänge durch unerwartete Verbindungen zwischen den Geschichten miteinander zu verknüpfen. Catherine Banner schafft ein Netz aus düsterer Vergangenheit, geheimnisvollen Legenden und verhängnisvollen Intrigen. Dem Leser bleibt nichts anderes übrig, als selbst mitzudenken, um bei den vielen verstrickten Geschichten den Durchblick zu behalten. Um die Übersicht nicht völlig zu verlieren - denn die verwickelten Geschichten lassen den Leser doch an manchen Stellen verzweifelt aufblicken - hat Catherine Banner einen Erzähler (den gealterten Leonard) eingebaut. Dieser hat damals seine Geschichte aufgeschrieben und liest sie jetzt noch einmal, während er sich an seine Vergangenheit erinnert. Damit gibt die Autorin kurze Rückblicke auf die bisherige Geschichte und bietet einen Überblick über die Verhältnisse zwischen den zuvor beschriebenen Ereignissen und den handelnden Personen.

Catherine Banners Hauptfigur Leonard kämpft mit zahlreichen inneren Konflikten, die einen großen Teil des Buches ausmachen. Wer auf viel Action und pure Spannung hofft, wird vielleicht enttäuscht werden. Das Buch enthält lange Passagen, in denen die Gefühle von Leo sowie sein Kampf mit sich selbst und dem ihm zuteil gewordenen Schicksal beschrieben werden. Während dieser Passagen stockt der Verlauf der Geschichte etwas, für den Leser allerdings erwacht Banners Hauptfigur beinahe zum Leben.

Fazit:

"Das Lied von Malonia" ist spürbar Catherine Banners Erstlingswerk, aber dennoch ein gelungener Auftakt zur geplanten Trilogie um Malonia. Das Buch besticht nicht durch seine actionreichen Ereignisse und spannungsgeladenen Momente, sondern in erster Linie durch die Tiefgründigkeit und inneren Kämpfe der Hauptpersonen. Die Autorin gestaltet eine Welt, die sich aus vielen verschiedenen Handlungssträngen zusammensetzt und gut durchdacht ist.
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