Die Klingen des Lichts 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 20. Oktober 2008

Die Klingen des Lichts

Originaltitel: The Sharing Knife: Beguilement
Übersetzt von: Alexander Lohmann

1. Band der Reihe

Untergenre: Liebe und Romantik
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Juni 2007
ISBN: 978-3-404-20571-4
Preis: 8,95 EUR

412 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Das Bauernmädchen Fawn verlässt wegen seiner ungewollten Schwangerschaft seine Familie und macht sich auf den Weg in die Stadt Glashütten. Die junge Frau hofft, dass sie in der fremden Stadt nicht nur eine Arbeit findet, sondern dort auch als "Witwe" ein einigermaßen ehrbares Leben führen kann. Auf dem Weg gerät Fawn in große Gefahr. Ein Landzehrer und seine Kreaturen haben es auf die junge Frau abgesehen. Doch der Seenläufer Dag kommt ihr zu Hilfe, wobei das Bauernmädchen unbewusst eine enge Bindung zu dem fremden Mann aufbaut.

Meinung:

Lois McMaster Bujold ist in Deutschland vor allem für ihren Science-Fiction-Zyklus rund um Miles Vorkosigan bekannt geworden. Die Geschichten um den adeligen Miles, der in einer unbarmherzigen Welt seine körperlichen Nachteile mit Intelligenz und Mut ausgleicht, sind nicht nur spannend, sondern auch bewegend und überaus humorvoll geschrieben. Wer nun von der Reihe "Die magischen Messer" etwas Ähnliches erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Auf den ersten Blick scheint dieser Geschichte zudem auch der Tiefgang zu fehlen, der sonst die Bücher der Autorin auszeichnet.

Ein Leser hingegen, der mit dem Roman "Die Klingen des Lichts" offen umgeht und auch damit leben kann, dass sich hier verschiedene Genres zu einem einzigartigen Ganzen mischen, wird sich bei der Lektüre hervorragend unterhalten fühlen - wenngleich es eines zweiten Blickes bedarf, um herauszufinden, dass sich hinter dieser ungewöhnlichen und fantastischen Liebesgeschichte mehr verbirgt, als offensichtlich zu sehen ist.

Das Bauernmädchen Fawn ist von daheim weggelaufen, da es ungewollt vom Nachbarssohn schwanger wurde. Der Weg nach Glashütten, wo Fawn ein neues Leben anfangen will, ist beschwerlich. Doch abgesehen von einem unangenehmen Erlebnis mit einem Fuhrmann, der sich ihr unsittlich nähern will, kommt die junge Frau gut voran. Als sie bei einem Hof Rast macht, um ein paar Nahrungsmittel einzukaufen, trifft sie auf eine Gruppe von Seenläufern.

Diese Reiter sind dem Mädchen vom Lande etwas unheimlich. Die schlimmsten Gerüchte kursieren über die Seenläufer: Sie sollen schwarze Magie verwenden, Leichen essen und auch sonst manch gruseliger Tradition nachgehen. Eigentlich werden sie nur geduldet, weil die Landbevölkerung auf diese Fremden angewiesen ist, wenn ein Landzehrer in der Gegend auftaucht. Und auch Fawn gerät wenig später in Gefahr und muss von Dag, einem der Seenläufer, gerettet werden.

Nachdem die junge Frau und ihr Retter einen schrecklichen Kampf gegen den Landzehrer bestanden haben, kommen sich die beiden näher. Lois McMaster Bujold beschreibt ausführlich, wie sich Fawn und der Seenläufer Dag über die jeweils vorhandenen Vorurteile hinweg besser kennenlernen. Hier entfernt sich der Roman langsam von der klassischen Fantasyerzählung und entwickelt sich zu einer wunderschönen Liebesgeschichte. Wer sich in beiden Genres zuhause fühlt, kann diesen Teil genießen, doch der durchschnittliche Fantasyleser wird von diesem Bruch gewiss irritiert sein.

Überhaupt stellt Lois McMaster Bujold mit diesem Roman alles auf den Kopf, was man so an Standardkost gewöhnt ist. Die Autorin hat eine faszinierende Welt geschaffen, in der die Seenläufer einen interessanten Kontrast zur ländlichen Bevölkerung bilden, und ihre Charaktere sind vielschichtig und sympathisch dargestellt. Doch der Spannungshöhepunkt liegt im ersten Drittel des Buches, während sich danach eine zarte Liebesgeschichte entwickelt, die es dem Leser ermöglicht, die Charaktere und ihre Lebensumstände besser kennenzulernen.

Durch diesen ungewöhnlichen Aufbau kann der Roman wohl wirklich nur Leser überzeugen, die sich sowohl im Fantasybereich als auch bei Liebesgeschichten wohl fühlen. Auf diejenigen, die das zutrifft, wartet aber eine Belohnung in Form von überraschenden Wendungen und dem für die Autorin typischen wunderbaren Humor. Denn auch in dieser Genremischung bieten sich für Lois McMaster Bujold genügend Möglichkeiten, den Leser durch Dialoge und Handlungen der Figuren zum Lachen zu bringen. Ihr gelingt es sogar, Szenen, die eher an eine plumpe Samstagabendkeilerei im Wirtshaus erinnern, mit so viel Witz darzustellen, dass es eine wahre Freude ist, darüber zu lesen.

Fazit:

Lois McMaster Bujold bietet dem Leser mit "Die Klingen des Lichts" eine Herausforderung: Für den normalen Fantasyleser ist dieses Buch eigentlich zu kitschig, für den Leser von Liebesromanen ist die Geschichte zu fantastisch und für den eingefleischten Lois-McMaster-Bujold-Leser ist Fawns Abenteuer auf den ersten Blick nicht tiefgründig genug. Doch wer sich auf den ungewöhnlichen Aufbau der Erzählung und die bunte Genremischung einlassen kann, wird mit einem spannenden und überaus humorvollen Roman belohnt, dessen sympathische Hauptfiguren dem Leser schnell ans Herz wachsen. Ihre amüsante Erzählweise war schon immer eine besondere Stärke der Autorin und führt auch bei diesem Roman dazu, dass der Leser sich gleich auf die Fortsetzung "Der magische Dolch" stürzen möchte, um mehr über Fawn und den Seenläufer Dag zu erfahren.
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