Werwolf 
Bücher: Belletristik Horror
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 22. September 2008

Werwolf

Untergenre: Historischer Roman
Verlag: Ueberreuter
Erschienen: Juli 2008
ISBN: 978-3-8000-5430-5
Preis: 14,95 EUR

243 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Frankreich, 1795: Eine Serie brutaler Morde versetzt die Bevölkerung einer abgelegenen Ortschaft in den Pyrenäen in Angst und Schrecken. Ist hier der Teufel selbst zugange? Der junge André wird vom Bischof beauftragt, diesem Aberglauben ein Ende zu bereiten. Er setzt sich auf die Spur der Bestie und sieht sich bald einer unfassbaren Wahrheit gegenüber, als er erkennt, welches Geschöpf verantwortlich ist für die entstellten Leichen.

Meinung:

"Werwolf" ist der zweite Roman von Lynn Raven, die den Leser dieses Mal ins historische Frankreich entführt. André Darnaux, der Ziehsohn des Bischofs Noriér, wird von diesem beauftragt herauszufinden, was es mit den unheimlichen Morden in den Wäldern im Süden des Pais de Foix auf sich hat. Noch bevor der junge Mann sein Ziel, den Jagdsitz des Comte d'Abrâigne, erreicht, begegnet ihm eine verstörte junge Frau, die das jüngste Opfer des "Teufels" gefunden hat.

Gerade, als er einen ersten Blick auf den schrecklich zerfleischten Leichnam werfen will, wird er vom Jagdaufseher des Comte d'Abrâigne, Pierre Chastel, daran gehindert. Erst die Bestätigung des Comte kann Pierre davon überzeugen, dass der Fremde nichts mit den grauenhaften Morden zu tun hat. Doch trotzdem ist der Jagdaufseher nicht gerade erfreut, als er erfährt, dass André von nun an die Ermittlungen übernehmen soll, während Pierre zu einem Fremdenführer für den Gesandten des Bischofs degradiert wird.

Nur mühsam gelingt es André und Pierre zusammenzuarbeiten. Erst als die beiden Männer Augenzeugen eines weiteren Mordes werden, schaffen sie es, aufeinander zuzugehen. Dabei hat André bei seinem Auftrag wirklich einen Verbündeten nötig. Zwar wird er vom Comte d'Abrâigne und seinen Gästen mit größter Herzlichkeit auf dem Château empfangen, doch kann er auch ein gewisses Unbehagen in der Gesellschaft der adeligen Herren nicht unterdrücken.

Ein weiterer Gast auf dem Jagdsitz des Comte d'Abrâigne, Martine, stürzt André hingegen in tiefste Verwirrung. Er kann die junge Frau in keiner Weise einschätzen, ist sie doch viel zu offen und direkt für eine hochgeborene Dame. Trotz ihres ungewöhnlichen Verhaltens übt sie eine nicht geringe Anziehung auf André aus. Doch auch der junge Ermittler selbst hat ein Geheimnis, das ihm seinen Aufenthalt in dem Château und die Suche nach dem unheimlichen Mörder nicht einfacher macht.

Lynn Raven spannt um den sympathischen André eine geheimnisvolle Geschichte. Auch wenn der Leser manche Wendung schon länger vorausahnen kann, gibt es doch noch genügend Überraschungen im Laufe des Romans, um von Anfang bis Ende für Spannung zu sorgen. Vor allem die Frage, ob es André und Pierre gelingen wird, den skrupellosen und unheimlichen Mörder unschädlich zu machen, und die eine oder andere gefährliche Situation sorgen für gut fundierte Unterhaltung.

Wie schon bei ihrem ersten Roman, "Der Kuss des Dämons", fällt der flüssig zu lesende Schreibstil der Autorin positiv auf. Doch während die Liebesgeschichte um Dawn und Julien sehr an andere Teenager-Vampirromane erinnerte, ist es Lynn Raven gelungen, mit "Werwolf" eine eigenständige Geschichte zu erschaffen, die zwar mit klassischen Klischees spielt, ihnen dabei jedoch eine besondere Note verleiht.

Für ein wirklich gelungenes Buch hätten die Charaktere allerdings noch weiter ausgebaut werden müssen. So sind dem Leser zwar vor allem die Figuren André und Pierre sympathisch, doch sie wachsen ihm nicht so weit ans Herz, dass er mit ihnen mitfiebert. Hier wäre eine etwas intensivere Ausarbeitung hilfreich gewesen. An der Geschichte selbst hingegen bleibt nicht viel zu bemängeln, auch wenn es gewiss Leser gibt, die sich an den offenen Fragen gegen Ende des Buches stören könnten. Aber vielleicht lassen sich diese auch als viel versprechender Beginn für eine eventuelle Fortsetzung sehen. Das Potenzial für eine weitere Geschichte um den Ermittler André Darnaux ist auf jeden Fall vorhanden.

Fazit:

Mit "Werwolf" hat Lynn Raven einen sehr soliden und spannenden Roman geschrieben, der gekonnt mit klassischen Elementen des Horrors spielt und ihnen an manchen Stellen überraschende Eigenheiten verleiht. Auch wenn den Charakteren, vor allem dem Ermittler André Darnaux und dem Jagdaufseher Pierre Chastel, etwas mehr Tiefgang gut getan hätte, überzeugt die Geschichte durch einen durchgehenden Spannungsbogen und den angenehmen Schreibstil der Autorin.
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