Gunslinger Girl: Vol. 4 
Comics: Manga Allgemeines
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Freitag, 22. August 2008

Gunslinger Girl 4

Autor: Yu Aida
Zeichner: Yu Aida

Originaltitel: Gansuringa Garu
4. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Mai 2006
ISBN: 3-7704-6484-2
Preis: 6,50 EUR

176 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.7

Wertung:
8.7
von 10
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Zum Inhalt:

Von allen Gunslinger Girls ist Claes das einzige, das keinen Fratello mehr hat. Daher verlässt sie das Anwesen, auf dem die Mädchen wohnen, nicht und geht dort einem geregelten Alltag nach. Währenddessen sollen Hirscher und Triela, die immer noch ein bisschen unter dem Ausgang ihres Kampfes gegen Pinocchio leidet, auf die Tochter eines Kronzeugen aufpassen. Und die Abteilung 2 der Gesellschaft für soziale Wohlfahrt ist einem Oberst des italienischen Militärs auf der Spur, der die Terroristen mit Waffen versorgt und um den sich Jean und Rico kümmern sollen.

Meinung:

Bei Yu Aidas "Gunslinger Girl" geht es um einen Konflikt zwischen dem reichen Norden Italiens und dem armen Süden. Der Norden versucht, mithilfe terroristischer Aktionen seine Selbstständigkeit zu erreichen, wohingegen sich der Süden unter anderem mittels der Gesellschaft für soziale Wohlfahrt zur Wehr setzt. Dort werden junge Mädchen in Cyborgs umgewandelt und einer Gehirnwäsche unterzogen. Diese "Konditionierung" genannte Maßnahme fixiert die Mädchen auf ihre - Fratello genannten - Betreuer. Dabei steckt hinter jedem dieser Mädchen eine tragische Vergangenheit.

Paradebeispiel dafür ist Claes, das einzige von all den Mädchen, das nicht an Einsätzen teilnimmt. Ihrem Fratello ist ein schweres Schicksal widerfahren - und durch die Konditionierung kann sie keinen neuen erhalten. Der Leser hat bereits im zweiten Band ein wenig von ihrem Alltag erfahren und dies wird jetzt nun in dem vierten Teil von "Gunslinger Girl" ausgebaut. Claes dient den Wissenschaftlern als Versuchskaninchen, während die übrigen Fratelli auf ihre emotionalen Fähigkeiten achten. Für Claes ist dies alles vollkommen normal, sie akzeptiert dies mit stoischer Miene. Nur wenn sie ihren eigenen Interessen nachgehen kann, zeigt ihr Gesicht Emotionen. Das Ende dieses Kapitels wirft allerdings einige Fragen auf, denn Claes trifft im Prinzip auf ihre Vergangenheit, auf die sie dank der Konditionierung verwirrt reagiert - was für den Leser zu interessanten Ereignissen führt.

Die zweite Geschichte in diesem Band ist ebenfalls sehr ruhig aufgebaut. Einmal mehr geht Yu Aida auf Ereignisse aus den vorherigen Bänden ein. Im ersten Band musste sich Triela mit einem Kronzeugen herumärgern, der so gar kein Interesse daran hatte, ihren und Hirschers Anweisungen Folge zu leisten. Nun geht es darum, die Tochter des Zeugen zu beschützen, damit sie nicht als Druckmittel gegen ihren Vater eingesetzt werden kann. Doch genau wie dieser erweist auch sie sich als äußerst hinterlistig und schafft es, ihre Aufpasser auszutricksen. Wesentlich interessanter an diesem Kapitel ist jedoch, wie sehr Triela noch mit dem Ausgang ihrer Konfrontation mit Pinocchio zu kämpfen hat und wie weit dies ihre Beziehung zu Hirscher beeinflusst. Auch wenn Hirscher alles versucht, um Triela zu helfen, wollen seine Bemühungen nicht so richtig fruchten.

Danach wird in diesem Manga mit Beatrice und Bernardo ein weiteres Pärchen eingeführt. Allerdings beschränkt sich dessen Auftritt nur auf diese eine Geschichte, daher ist die Charakterisierung der beiden erst einmal eher spärlich. Man erfährt nur, dass Bernardo eine wahre Plaudertasche ist, während Beatrice das genaue Gegenteil zu sein scheint. Doch der eigentliche Fokus liegt auf den Ermittlungen gegen einen Oberst der italienischen Armee. Hier zeigt Yu Aida, welche Methoden die Gesellschaft nutzt, um gegen den Norden vorzugehen. Die Bandbreite variiert dabei sehr und reicht von normalen Informationsermittlungen, diversen Verbindungen von Personen untereinander bis hin zur Gewaltanwendung gegen Zeugen, um wichtige Informationen zu erhalten. Das alles kumuliert schließlich in Ricos Einsatz am Ende des Kapitels gegen den Oberst.

Auch geht Yu Aida in dem vierten Band der Reihe mehr auf die Beziehung zwischen Henrietta und José ein. Zum ersten Mal erfährt der Leser mehr über die Vergangenheit eines Fratellos, bevor er zum Mentor eines konditionierten Mädchens wurde. Hier wird einiges angedeutet, was auch das Verhältnis der beiden zueinander näher erklärt. Henrietta buhlt ein bisschen um die Aufmerksamkeit ihres Partners, denn sie will wohl so etwas wie einen endgültigen Liebesbeweis. Für sie ist José die Liebe ihres Lebens, während er Henrietta als eine Art Schwesternersatz sieht. Er versucht sich an einem Balance-Akt zwischen Zuneigung und Distanz, was nicht gerade einfach ist. Wenn dann durch die Begegnung mit einem alten Freund, der nun für den Norden arbeitet, alte Wunden aufgerissen werden, belastet dies auch seine Beziehung zu seinem Gunslinger Girl.

Den Abschluss des Bandes bildet die Vergangenheit von Triela und Hirscher, deren Geschichte sich schon früh miteinander verzahnt. Hauptfokus liegt hier auf Hirscher, der vor seiner Zeit bei der Gesellschaft bei Europol gearbeitet hat und dort auf die Spur eines Snuff-Film-Rings gestoßen ist, den er gemeinsam mit einer Gerichtsmedizinerin ausheben wollte. In der Handlungsgegenwart hingegen wird Triela von GIs trainiert. Dies soll dazu dienen, die Konfrontation mit Pinocchio besser zu verarbeiten. Gleichzeitig nutzt Yu Aida diese Phase auch, um zu zeigen, wie Hirscher mit ihr umgeht. Die Verbindung mit der Vergangenheit ist wohl auch der Grund, weshalb Hirscher gleichzeitig liebevoll und streng mit ihr umgeht, denn er fühlt sich für ihre Entwicklung zum Gunslinger Girl verantwortlich.

Yu Aidas Zeichnungen sind insbesondere bei den Gesichtsausdrücken der verschiedenen Figuren gut, was gerade bei dem Kontrast zwischen Triela und Maria, der Tochter des Kronzeugen, enorm auffällt. Maria ist sehr lebhaft - was sich auch in ihrer Gestik und Mimik ausdrückt - während Triela hingegen zurückhaltend ist und nicht zu extremen Emotionen neigt. Was die Hintergründe angeht, gibt es in diesem Band - im Gegensatz zu den Vorgängern - nichts zu meckern. Hier besteht eine perfekte Balance zwischen vorhandenen, angedeuteten und weggelassenen Hintergründen. Durch die fehlende Zusammenfassung der bisherigen Handlung und einer Personenübersicht ist dieser Band allerdings nicht gerade einsteigerfreundlich.

Fazit:

Der vierte Band der "Gunstlinger Girl"-Reihe ist im Vergleich zum vorherigen Teil sehr viel ruhiger aufgebaut, was jedoch nicht bedeutet, dass er deswegen schlechter ist. Im Gegenteil gelingt es Yu Aida, durch diese leisere Darstellung einige schöne Charakterstücke zu bieten. Besonders die Mädchen Claes und Triela profitieren von diesen personenorientierten Kapiteln, während der Leser gleichzeitig zum ersten Mal die Vergangenheit einiger Fratelli kennenlernt. Auch in Sachen Zeichnungen weiß dieser Band zu überzeugen. Yu Aidas Stärken sind eindeutig die verschiedenen Gesichtsausdrücke, während er inzwischen bei den Hintergründen die perfekte Balance zwischen darstellen und weglassen gefunden hat.
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