Gunslinger Girl: Vol. 3 
Comics: Manga Allgemeines
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Donnerstag, 14. August 2008

Gunslinger Girl 3

Autor: Yu Aida
Zeichner: Yu Aida

Originaltitel: Gansuringa Garu
3. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Februar 2006
ISBN: 3-7704-6262-9
Preis: 6,50 EUR

178 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.8

Wertung:
7.8
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

José kauft für Henrietta ein Kaleidoskop, das eine tragische Geschichte hat. Während Triela auf Pinocchio trifft, einen der Top-Attentäter auf der Seite der Republikaner. Überlebt sie die Konfrontation mit ihm? Und nach langer Krankheit ist Angelica wieder mit ihrem Fratello im Einsatz. Doch hat sie sich gut genug erholt? Ein Attentat auf eine wichtige Person der Öffentlichkeit ist geplant und die Gesellschaft soll dies verhindern.

Meinung:

"Gunslinger Girl" ist die Geschichte eines Konflikts zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden Italiens. Der Konflikt wird von dem Norden durch Terroristen geführt, während der Süden auf die Mädchen der Gesellschaft für soziale Wohlfahrt setzt. Diese Mädchen sind Cyborgs, deren Gedächtnis manipuliert wurde. Und hinter jedem der Mädchen steckt eine tragische Vergangenheit. Yu Aida führt sein Erstlingswerk nun mit dem dritten Band der Serie fort - und für Neueinsteiger wird es langsam schwierig, in die laufende Handlung hineinzufinden. Hier fehlt eindeutig seitens des Verlags sowohl eine Zusammenfassung der letzten Ereignisse als auch eine Kurzbiografie der handelnden Personen.

Schwerpunkt in diesem Band ist die Handlung um Pinocchio. Er ist ein - wenn nicht sogar der - Top-Killer seitens der Republikaner, der terroristischen Vertreter des italienischen Nordens. Und der Leser kann durchaus Parallelen zwischen ihm und den Mädchen der Gesellschaft ziehen. Genau wie diese hat auch er in jungen Jahren schon angefangen zu töten - und ist ebenfalls auf eine gewisse Art von seinem Mentor emotional abhängig und durch seine tragische Vergangenheit geprägt. Doch Pinocchio ist nicht nur männlich, sondern auch kein Cyborg und hat daher im Gegensatz zu den Mädchen keinerlei Konditionierung erfahren. Das hindert ihn dennoch nicht daran, Triela bei ihrer ersten Begegnung ordentlich Paroli zu bieten. Auch ohne künstlichen Körper schafft er es, sie ordentlich in Bedrängnis zu bringen.

Gleichzeitig präsentiert Yu Aida in derselben Geschichte wieder die beiden Terroristen Franca und Franco. Im Gegensatz zu Pinocchio wählen diese ihre Ziele mit Bedacht und töten nicht einfach so - ein Umstand, der schon bei ihrem ersten Auftritt im zweiten Band auffiel. Trotzdem sind sie für die Ziele des Nordens offen, denn sonst würden sie kaum in dessen Namen ihre Bomben bauen.

Von den weiteren Handlungssträngen ist besonders die Geschichte um Angelica hervorzuheben. Das Mädchen hat der Leser bereits im letzten Manga kennengelernt. Sie ist der erste Cyborg und leidet dementsprechend am stärksten unter den Nebenwirkungen, was sich auch wieder in der vorliegenden Geschichte zeigt. Außerdem betont Yu Aida noch mal die Abhängigkeit der kleinen Mädchen von ihren Fratelli. So will Angelica alles tun, um nur endlich wieder ein Lob von ihrem Partner zu erhalten.

Auch wenn die erste und letzte Geschichte des dritten Bandes hauptsächlich dazu dienen, um gewisse Aspekte der Geschichte zu vertiefen, treiben sie den übergreifenden Plot nicht voran. Zu Beginn verdeutlicht Yu Aida noch mal die widernatürliche Liebe von Henrietta zu José. Der Mangaka zeigt, wie tief diese Gefühle gehen, sodass Henrietta schon bei dem kleinsten Verdacht auf eine andere Frau mit Eifersucht reagiert. Mit solchen Szenen wird beim Leser ein beklemmendes Gefühl hervorgerufen.

Zum Abschluss wird gezeigt, wie ein Anschlag verhindert wird. Hier wird sowohl auf die Vorbereitungen der Terroristen eingegangen - die allerdings gar nicht böse darstellt werden - als auch auf die Maßnahmen, die die Gesellschaft ergreift, um das Attentat zu stoppen. Die Geschichte dient hauptsächlich dazu, wieder die Gegenseite deutlicher zu charakterisieren und aufzuzeigen, dass alle Anhänger des Nordens Fanatiker sind.

Was Yu Aida wirklich perfekt beherrscht, ist das Körper- und Mienenspiel seiner Figuren. Pinocchio läuft die ganze Zeit mit einem steinernen Gesicht durch die Gegend und als er mit seinem Onkel redet, zeigt er Emotionen, wodurch die Abhängigkeit Pinocchios von seinem Onkel deutlich zu sehen ist. Das Körperspiel beeindruckt vor allem bei Angelica. Kurz vor ihrem körperlichen Zusammenbruch aufgrund Entzugserscheinungen sieht man, wie sie leicht unruhig ist. Es ist deutlich zu erkennen, dass sie ständig nach etwas sucht, das sie in ihren Händen halten kann, um sich abzulenken.

Woran der Mangaka allerdings noch arbeiten muss, sind die Hintergründe. Es gibt einfach zu viele Panels, in denen er diese entweder nur andeutet, nur zum Teil zeichnet oder ganz weglässt. In diesem Bereich fehlt noch die richtige Balance. Leider verdienen auch die Grafiker von Egmont einen Rüffel, denn in diesem Band haben sie einige Seiten so platziert, dass Panels und Sprechblasen abgeschnitten wurden.

Fazit:

Mit dem dritten Band ist der Leser nun endgültig in die Welt der "Gunslinger Girl"-Serie eingetaucht. Die Kapitel mit Pinocchio gehören zu den bisherigen Highlights, besonders aufgrund der Parallelen zwischen der Vergangenheit des Attentäters und den Mädchen der Gesellschaft. Aber auch die übrigen Kapitel sind nicht schlecht geraten. Angelicas Geschichte rührt den Leser immer noch und es gelingt Yu Aida, die verschiedenen Seiten des Konflikts um sie herum noch mehr ausbauen. Bei den Zeichnungen besteht immer noch Verbesserungsbedarf bei den Hintergründen, aber dafür ist das Körper- und Mienenspiel der Charaktere umso besser gelungen.
Weiterführende Infos