Gunslinger Girl: Vol. 2 
Comics: Manga Allgemeines
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Sonntag, 10. August 2008

Gunslinger Girl 2

Autor: Yu Aida
Zeichner: Yu Aida

Originaltitel: Gansuringa Garu
2. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Oktober 2005
ISBN: 3-7704-6261-0
Preis: 6,50 EUR

136 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Claes Charakter wurde in der Vergangenheit stark von ihrem Mentor geprägt, der eines Tages verschwand. Während die Gesellschaft einen Anschlag auf die spanische Treppe in Rom verhindern muss, wollen die Mädchen einen schönen Abend verbringen - und denken dabei auch an Angelica, das erste Gunslinger Girl überhaupt, das unter den Nebenwirkungen der Umwandlung leidet. Und Jean und Rico müssen in Florenz einen Kronzeugen vor den Republikanern beschützen.

Meinung:

"Hinter jedem dieser Gunslinger Girls steckt eine tragische Geschichte ..." Dieser Satz von der Rückseite des Manga bewahrheitet sich jedes Mal, wenn man sich näher mit den Personen beschäftigt, die hinter den verschiedenen Namen stehen - wobei die Tragik ihrer Geschichte durchaus unterschiedliche Ursachen hat. Das zeigt sich auch in dem zweiten Band der "Gunslinger Girl"-Reihe, in dem der Leser die beiden Mädchen Claes und Angelica kennenlernt. Claes hatte ihren Erstauftritt bereits in Band 1, wo sie die Zimmergenossin des ältesten Gunslinger Girls Triela war.

Claes Tragik beruht nicht auf ihrer Vorgeschichte, ehe sie zu der Staatlichen Gesellschaft für soziale Wohlfahrt kam, denn über diesen Teil ihrer Vergangenheit ist nichts bekannt. Vielmehr beruht das Traurige in ihrer Geschichte auf der Beziehung zu ihrem Fratello. Dieser, ein gehbehinderter ehemaliger Hauptmann mit dem Namen Ravaro, behandelte Claes anfänglich wie ein Ding - und doch entwuchs daraus eine geradezu väterliche Beziehung bis ein Zwischenfall die beiden trennte. Das endgültige Schicksal von Ravaro ist dabei sehr fragwürdig und wirft kein gutes Licht auf die Organisation. Seitdem ihr Fratello nicht mehr in ihrem Leben existiert, dient Claes als Versuchskaninchen der Ingenieure der Gesellschaft. Hier wird ein ziemlicher Gegensatz zwischen diesen Ingenieuren und den Fratellos gezeigt. Denn selbst Jean, der Fratello von Rico, behandelt sein Mädchen besser, als die Mechaniker es tun. Für diese ist Claes nur ein Ding, das zufälligerweise lebt.

Wesentlich tragischer ist das Schicksal von Angelica, dem Gunslinger Girl, mit dem alles anfing - sozusagen der Prototyp. Ihr Schicksal ist in zweifacher Hinsicht traurig. Da ist zum einen ihre Vergangenheit, da ihr Vater versuchte, sie umzubringen, um an eine Versicherung zu kommen. Angelica wurde gerettet und zum Gunslinger Girl gemacht, doch zeigen sich an ihr die Nebenwirkungen der Konditionierung, der alle Mädchen unterzogen werden, besonders deutlich. Sie hat nach und nach viele Erinnerungen verloren, was auch die Beziehung zu ihrem Fratello Marco beeinträchtigt. Um nicht noch stärker von ihrer negativen Entwicklung betroffen zu werden, hat dieser sich emotional von Angelica abgeschottet, worunter das Mädchen sehr leidet.

Die Kapitel, in denen die Geschichte von Angelica erzählt wird, zählen zu den Höhepunkten der Mangareihe. Hier berührt Yu Aida auf wenigen Seiten die Gefühle des Lesers zutiefst und macht deutlich, dass das Schicksal von Angelica auch den anderen Mädchen droht, da sie derselben Konditionierung unterzogen wurden. Doch der zweite Band der Gunslinger-Girl-Reihe beschäftigt sich nicht nur mit Angelica und Claes, sondern baut auch bereits eingeführte Figuren weiter aus. Da ist zum Beispiel die Geschichte von dem geplanten Anschlag auf die spanische Treppe. Dieses Kapitel gehört zu der Handlung um José und Henrietta. Hier wird noch einmal auf die Beziehung zwischen den beiden eingegangen und dargestellt, wie sie bei der Verhinderung des Verbrechens zusammenarbeiten.

Gleichzeitig führt Yu Aida hier zum ersten Mal zwei Gesichter auf Seiten der Terroristen ein, die nicht nur als Schießbudenfiguren dienen. Die Charakterisierung der beiden Bombenbaucer Franco und Franca verspricht viel für die Zukunft. Zum Beispiel stehen sie einigen Zielen der Terroristen nicht ganz unkritisch gegenüber. Obwohl sie zwar mit dem Endziel einverstanden sind, gefallen ihnen nicht alle Methoden, mit denen dies erreicht werden soll.

Das Kapitel, in dem die Gunslinger Girls einen Sternenschauer beobachten, betont eigentlich nur den Zusammenhalt in der Gruppe - und wenn dann die Mädchen die "Ode an die Freude" singen, läuft dem Leser ein wohliger Schauer über den Rücken. Wer die Möglichkeit hat, die Anime-Version dieses Kapitels anzuschauen, sollte dies tun, da dort die Wirkung dieser Szene noch wesentlich stärker ist. Auch Rico und ihren Fratello trifft der Leser wieder, die zusammen eine wichtige Person beschützen müssen.

In Bezug auf die Zeichnungen hat sich Yu Aida im Vergleich zum ersten Band enorm gesteigert. Seine Gesichter wirken sicherer und nicht mehr so skizzenhaft wie vorher. Ebenso beherrscht er jetzt eine größere Bandbreite an verschiedenen Gesichtsformen, sodass der Leser die Personen nicht mehr anhand ihrer Haare oder Accessoires auseinander halten muss. Auch die Action-Sequenzen sind gut gezeichnet - und man kann ihnen bestens folgen.

Fazit:

Der erste Band hatte die Messlatte schon hoch gesetzt, doch "Gunslinger Girl 2" übertrifft ihn noch an Qualität. Yu Aida verknüpft geschickt die Kapitel, in denen er sich mit der Charakterisierung der "neuen" Mädchen auseinandersetzt, mit denen, in denen er einfach nur die bereits vorhandenen Beziehungen weiter ausbaut. Dass die Schicksale der Mädchen den Leser nicht kalt lassen, trägt deutlich zum Lesevergnügen bei. Aber auch zeichnungstechnisch lässt sich nichts Kritisches feststellen, da sich Yu Aida in dieser Hinsicht seit dem ersten Band enorm weiterentwickelt hat.
Weiterführende Infos