Hexenkrieger 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Donnerstag, 7. August 2008

Hexenkrieger

Originaltitel: Warrior and Witch
Übersetzt von: Axel Plantiko

2. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Juli 2008
ISBN: 978-3-404-20594-3
Preis: 8,95 EUR

493 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Wann immer eine Hexe geboren wird, entsteht auch ein Doppelgänger. Damit die Hexe ihre Macht nutzen lernt, muss der Doppelgänger sterben. Doch trifft die Hexe mit ihrem Doppelgänger zusammen, kann etwas Schlimmes geschehen. Das Ergebnis ist mitunter ein Wesen von größter Macht. Mirei ist so ein Wesen. Und was sie zu tun vermag, kann Welten erschüttern.

Meinung:

"Hexenkrieger" ist Marie Brennans Fortsetzung ihres Debütromans "Doppelgänger". Im ersten Buch ging es darum, dass die Hexe Miryo bei einer Prüfung plötzlich erkennen musste, das sie einen Doppelgänger hatte, mit dem sie ihre Seele teilte. Um als vollständige Hexe zu gelten, musste Miryo diese Person finden und töten - was nicht so ganz einfach wurde, da ihre Doppelgängerin Mirage eine tödliche Kopfgeldjägerin war.

Diese hatte gemeinsam mit ihrem Freund und Partner Eclipse den Auftrag erhalten, eine bestimmte Hexe zu jagen. Am Ende der Geschichte entpuppte sich diese Aufgabe als Teil einer Verschwörung innerhalb der Hexen, wobei Miryo und Mirage aufeinander trafen. Die Hexe konnte jedoch ihre Doppelgängerin einfach nicht töten, was beide Frauen in ein Dilemma stürzte. Doch dann geschah ein göttliches Wunder und Miryo und Mirage verschmolzen miteinander und wurden zu einer neuen Person: Mirei, die über Fähigkeiten verfügte, die den normalen Hexen fehlten.

"Hexenkrieger" beschäftigt sich nun mit den Konsequenzen aus Mireis Existenz. Nicht alle Hexen sind von dieser Veränderung begeistert und so kommt es zu einer Spaltung, die quer durch alle Häuser der Magie in Mireis Welt verläuft. Auf der einen Seite sind die Personen, die Mirei und alle anderen, die ihr gleichkommen könnten, vernichten wollen. Auf der anderen Seite sind diejenigen, die die Veränderung, die diese neu erschaffene Figur mit sich bringt, vollständig akzeptieren und sie sogar noch weiter treiben wollen. Verkörpert wird diese Seite durch Satomi, die Prim (Vorsteherin) des Gar Nichts Strahls, einem der fünf Häuser der Magie. Sie ist es, die versucht einen Bürgerkrieg zwischen den Hexen zu verhindern und alles daran setzt die Veränderungen zu akzeptieren und in das alltägliche Leben der Hexen zu integrieren. Satomi ist nach Mirei im Buch die sympathischste Person, gerade weil sie die Veränderungen akzeptiert und sie der Riss schmerzt, der durch die Häuser der Magie geht. Ihre Motive kann der Leser bestens nachvollziehen, was bei der Gegenseite leider nicht gegeben ist.

Denn bei den Widersachern leistet sich Marie Brennan einen Kardinalsfehler, indem sie diese kaum tiefergehend charakterisiert. Die Gegner sind im Prinzip einfach nur da und versuchen, durch zahlreiche Intrigen und Mordanschläge den Konflikt für sich zu entscheiden. Es gibt zwar einen Charakter, der für den Leser die Gegenseite darstellt, doch verschwindet diese Figur ganz schnell aus dem aktiven Geschehen und wird zu einem ominösen Schatten, der im Hintergrund die Fäden zieht. Wenn nicht ab und an der Name dieses Gegenspielers erwähnt würde, würde der Leser ihn wohl im Laufe der Lektüre glatt vergessen.

Was der Autorin ebenfalls nicht so ganz gut gelungen ist, ist die Darstellung von Mirei. Es wird zwar immer betont, dass sie die Kombination aus der Hexe Miryo und der Jägerin Mirage ist. Jedoch handelt sie eher wie Mirage, die zufälligerweise magische Fähigkeiten erhalten hat. Es ist die Jägerin, die die Handlungsweise dominiert, während die Hexe kaum etwas zu tun hat. Fast so, als ob eine Verschmelzung der beiden Figuren nicht stattgefunden hat und man weiterhin nur das Leben der Kopfgeldjägerin verfolgen würde.

Diese nicht ganz so glückliche Charakterentwicklung von Mirei lässt den Leser die ansonsten wirklich spannende Handlung nicht ganz uneingeschränkt genießen. Dabei baut Marie Brennan in "Hexenkrieger" einige überraschende Wendungen ein, die dafür sorgen, dass dieser Roman nie langweilig wird. Gleichzeitig benutzt die Autorin dieses Buch auch dazu, um Details aus "Doppelgänger" näher zu erklären. So erfährt der Leser endlich, wer oder was die Helferinnen der Hexen, die sogenannten Basen, sind und auch noch weitere Hintergründe werden offen gelegt.

Fazit:

Mit "Hexenkrieger" ist Marie Brennan eine gute Fortsetzung zu ihrem Debütroman "Doppelgänger" gelungen. Glaubwürdig geht die Autorin auf die Ausgangssituation ein und bietet in der Handlung einige spannende Wendungen. Ebenso interessant sind für den Leser die Erläuterungen von kleineren Details aus dem Vorgängerbuch, wie zum Beispiel das Geheimnis hinter der Existenz der Basen. Leider versäumt es die Autorin, der Gegenseite ein charakteristisches Gesicht zu geben und sie dadurch glaubwürdiger darzustellen. So wirken die Widersacher flach und blass und hinterlassen keinen großen Eindruck. Auch die Hauptfigur Mirei wirkt weniger wie eine Mischung aus den Charakteren der Hexe Miryo und der Jägerin Mirage, sondern verhält sich eher wie die Kopfgeldjägerin es vor der Verschmelzung getan hat, und zeigt kaum Verhaltensweisen, die man Miryo zurechnen könnte.
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